Joseph Haydns Musik kann strahlen, triumphal, majestätisch und auch fröhlich sein. Wenn aber im Agnus Dei die Pauken die Hauptrolle spielen, entsteht ein düsteres Bild – ein Bild der nahenden Bedrohung. Joseph Haydn hat in der sogenannten Paukenmesse die Bedrohung Wiens durch die Armee Napoleons im Jahre 1796 musikalisch verarbeitet. Er selbst war es auch, der ihr den Beinamen Missa in tempore belli – zu Deutsch „Messe in Zeiten des Krieges“ – gab.
Die Paukensignale können dabei als verlangsamtes Abbild des französischen Armeepaukenwirbels gelten. Diese große Messkomposition ist auch 230 Jahre später, wenn sie zum kommenden Osterfest am Sonntag, 5. April, im Hochamt an St. Lambertus in Mingolsheim um 10:30 Uhr erklingt, an trauriger Aktualität kaum zu überbieten. Das Thema des Krieges ist in den letzten Jahren immer näher und vielfältiger an uns herangetreten.
Umso bedeutsamer ist es, dieser Entwicklung immer wieder ein inneres und ein musikalisches Dona nobis pacem entgegenzusetzen, das bei Joseph Haydn passenderweise zunächst zaghaft, unterbrochen von Paukenwirbeln, ertönt. Im abschließenden Allegro zeigt sich dann die vielgestaltige und von Zweifeln unterbrochene Suche nach Frieden – wir können uns an diesem Ringen und dem abschließenden Sieg des Friedens ein Vorbild nehmen.
Es musizieren der Kirchenchor und das Orchester St. Lambertus mit den Solisten Linda Kraft (Sopran), Gerda Iguchi (Alt), Paul Schmidtke (Tenor) und Valentin Loebens (Bass) unter der musikalischen Leitung von Melchior Killian. (pm/red)