Sieben Festivals geplant

Festspielhaus Baden-Baden: Jahresprogramm 2026 vorgestellt

Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa stellt das Jahresprogramm 2026 für das Festspielhaus Baden-Baden vor. 7 Festivals warten auf die Besucher.
Balletttänzer in Kleidern, Schwanensee
Sowohl bei „The World of John Neumeier“ im Oktober als auch bei den Winterfestspielen im Dezember lässt sich der Ballettklassiker "Schwanensee" erleben.Foto: Nicholas Mackay

Mit der Vorstellung des Programms 2026 definiert Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa die Richtung, in die er das Festspielhaus in die Zukunft führt: Es wird europäischer, mit neuen Angeboten an ein noch vielfältigeres Publikum. Die Partnerschaft zur Stadt Baden-Baden bei privat finanziertem künstlerischem Betrieb bewähre sich, so Benedikt Stampa, gerade jetzt: „Damit waren wir von Anfang an Pioniere. Wenn die öffentliche Unterstützung kultureller Einrichtungen unter Spardruck steht, machen sich Unternehmergeist und finanzielle Unabhängigkeit für unser Haus, für die Stadt Baden-Baden und für unser Publikum bezahlt.

Osterfestspiele: Europa an der Oos

Auf diesem Baden-Badener Weg bleibt es möglich, 2026 neben einer Vielfalt an Veranstaltungen in allen Sparten sieben hochkarätige Festivals anzubieten. Die Osterfestspiele (28.3.-6.4.) finden zum ersten Mal mit neuen Partnern statt: dem Royal Concertgebouw Orchestra aus Amsterdam unter Shooting Star Klaus Mäkelä und dem Mahler Chamber Orchestra unter Joana Mallwitz. Als international einziger Festivalstandort geht Baden-Baden mit dem Amsterdamer Weltklasseorchester eine auf Langfristigkeit angelegte Partnerschaft ein. Sie beginnt bei den Osterfestspielen mit Bachs Matthäus-Passion (30.3.) und Konzerten mit Mahlers Fünfter (1.4.) und Bruckners Achter (2.4.), alle dirigiert von Klaus Mäkelä.

Ein Höhepunkt der Osterfestspiele bleibt die szenische Opernproduktion. Joana Mallwitz führt das Mahler Chamber Orchestra, von Claudio Abbado als Treffpunkt für Elitemusiker aus ganz Europa gegründet, in drei Vorstellungen durch Wagners „Lohengrin“ (28.3., 31.3., 5.4.). Johannes Erath inszeniert, mit Piotr Beczała in der Titelrolle und Rachel Willis-Sørensen als Elsa. Nach der Festspielpremiere „Lohengrin“ dirigiert Joana Mallwitz am Karfreitag das „War Requiem“ von Benjamin Britten: „Ich kenne kein anderes Werk, das so klug, einfühlsam, monumental, dabei ohne hohles Pathos das Leid des Krieges und die Hoffnung auf Frieden in Musik fasst“, erklärt Benedikt Stampa seine Entscheidung, dieses unvermindert aktuelle Werk bei den Osterfestspielen 2026 zu präsentieren.

„Mit Chor, Kinderchor, Solisten, Sinfonie- und Kammerorchester braucht das ‚War Requiem‘ den großen Rahmen. Wir schaffen ihn bei den Osterfestspielen – mit allen Möglichkeiten, es angemessen aufzuführen“, verspricht der Festspielhausintendant. Das Solistentrio mit Matthias Goerne, Irina Lungu und „Sänger des Jahres“ (Opernwelt) Bogdan Volkov unterstreicht den Anspruch der Aufführung. Damit nicht genug an Sängerglanz bei den Osterfestspielen: Die gefeierte Sopranistin Asmik Grigorian gibt ihr Baden-Badener Debüt mit Liedern von Tschaikowsky und Rachmaninow (4.4.).

drei Techno-gekleidete Personen, Ballet
Beim Taekover Festival im Februar 2026 lässt sich ein Techno-Ballet erleben.Foto: Yan Revazov

Weltstars und neue Wege

Schon vor den Osterfestspielen finden Weltstars den Weg nach Baden-Baden. Jonas Kaufmann eröffnet das Jahr 2026 im festlichen Arienabend mit dem italienischen Bariton Luca Salsi (10.1.), András Schiff ist Solist und Dirigent in Klavierkonzerten von Mozart.

Als erstes Festival im Jahr wächst Takeover (30.1.-8.2.) weiter mit der Idee, Verbindungen zwischen elektronischer Musik und klassischen Klängen aufzuspüren. Mit dem Berlin Techno Ballet und der São Paulo Dance Company liegt bei Takeover 2026 ein besonderer Akzent auf dem Tanz. Die Compagnie aus Brasilien zeigt Choreografien von Marco Goecke, Nacho Duato und Stephen Shropshire. Die Performance des Berlin Ballet beginnt als Rave mit dem tanzenden Publikum auf der Bühne – erst nach und nach schälen sich die Profis der Compagnie heraus und tanzen ihre Choreografien mit dem Publikum in ihrer Mitte.

Im Mai wird zum ersten Mal die Göteborgs DansCompani ein Gastspiel in Baden-Baden geben (8.-10.5.) – verbunden mit einem Ticketangebot, das Neugierige und Tanzfans ermuntert, die Vorstellungen vergünstigt mit Freunden oder Familie zu besuchen.

Beim Tanzfestival „The World of John Neumeier“ vom 1. bis 11. Oktober stehen die Neumeier-Ballette „Illusionen – wie Schwanensee“ mit dem Bayerischen Staatsballett und „Der Nussknacker“ mit dem Hamburg Ballett im Zentrum. Die Winterfestspiele (11.-20.12.) bieten die Chance eines zweiten Blicks auf „Schwanensee“, mit Rudolf Nurejews Version des Ballettklassikers, getanzt vom Nationalballett Bratislava.

Opern: Wagner, Puccini, Mozart

Das Opernjahr im Festspielhaus, das mit der Neuinszenierung des „Lohengrin“ bei den Osterfestspielen beginnt, geht mit Wagner weiter: Yannick Nézet-Séguin setzt mit „Siegfried“ seinen konzertanten Baden-Badener „Ring“ fort (26.4.). Das SWR Symphonieorchester unter François-Xavier Roth tritt erstmals bei den Pfingstfestspielen als Opernorchester auf, in einem konzertanten „Rosenkavalier“ (17. und 24.5.).

Die Strauss-Oper verspricht ein Wiedersehen mit Publikumsliebling Jonathan Tetelman. Zu den Sommerfestspielen dirigiert Antonio Pappano das London Symphony Orchestra im dritten Aufzug aus Wagners „Tristan und Isolde“, mit Clay Hilley und Sarah Jakubiak in den Titelrollen (5.7.). Die sommerliche Zusammenarbeit mit dem Gstaad Festival geht in die nächste Runde mit Puccinis „La Bohème“ (23.8.). Carolina López Moreno und Benjamin Bernheim singen das Hauptpaar Mimì und Rodolfo. Mit der zweiten inszenierten Oper nach „Lohengrin“ schließt das Opernjahr: Iván Fischer dirigiert und führt Regie in Mozarts „Die Zauberflöte“ (18. und 20.12.).

Langes Wochenende der „Berliner“

Die Berliner Philharmoniker zeigen ihre Verbundenheit mit Baden-Baden an einem langen Konzertwochenende Anfang Dezember. Chefdirigent Kirill Petrenko dirigiert zwei Konzerte, die den „Berlinern“ üppige Gelegenheit bieten, ihre weltberühmte Klangkultur auszuspielen. Am 3.12. steht Ottorino Respighis prächtige „Römische Trilogie“ auf dem Programm. Startenor Jonathan Tetelman bringt mit Opernarien zusätzlich Italianità.

Am 4.12. ist Víkingur Ólafsson Solist im ersten Klavierkonzert von Johannes Brahms, vor „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss. In vier weiteren Konzerten setzen die Philharmoniker ihre Baden-Badener Tradition fort, sich kammermusikalisch in philharmonischen Ensembles zu präsentieren. Das berühmteste dieser Ensembles beschließt das Berliner Kurzfestival: Zum Nikolaustag spielen die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker ein Programm von Klassik bis Pop.

Partner binden, Publikum gewinnen

Die Vertiefung künstlerischer Partnerschaften bleibt 2026 ein zentrales Anliegen von Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa – auch jenseits etablierter Festivalpartner wie John Neumeier und Yannick Nézet-Séguin. Daniel Hope beschließt die Sommerfestspiele im Trio mit seinem Streicherkollegen Pinchas Zukerman und Dirigentenlegende Zubin Mehta (12.7.). Zu Silvester kehrt er mit Special Guests zur Gala zurück. Hélène Grimaud erfreut ihre Fans mit Gershwins „Concerto in F“ am Valentinstag, bevor sie bei den Osterfestspielen in Klavierkonzerten von Brahms und Schumann ihr Festspielhausdebüt in der Doppelfunktion als Solistin und Dirigentin feiert. Ausführlich Gelegenheit gibt es, den jungen Geiger Daniel Lozakovich kennenzulernen, er ist an drei Abenden mit Violinkonzerten von Schumann (7.3.), Bruch (1.4.) und Schostakowitsch (7.11.) in Baden-Baden zu erleben.

Erstmal bietet das Festspielhaus zum Kartenkauf Themenpakete an – angereichert um Seminare, Führungen oder Meet & Greet mit Künstlern. Unter Titeln wie „Wagner intensiv“ oder „Oper für Einsteiger“ richten sie sich an Kenner genauso wie an Neugierige. „Im Moment ist viel von Spaltung die Rede“, beobachtet Benedikt Stampa. „Ich bin überzeugt, es wird in Zukunft noch wichtiger werden, mit Kulturangeboten Orte der Begegnung zu schaffen.“ Baden-Baden biete dafür beste Voraussetzungen: „Mit seiner reichen Tradition, mit dem Festspielhaus, den Museen und seiner weltläufigen Gastfreundlichkeit hat Baden-Baden das Zeug, zur bedeutendsten Festspielstadt Deutschlands zu werden. Wir sind auf gutem Weg!“

Karten gibt es im Vorverkauf in der Festspielhaus-App und ab 20. Oktober 2025, 9 Uhr, im Webshop und den Vorverkaufsstellen sowie beim Festspielhaus.

Erscheinung
exklusiv online
von red/Quelle: pm
15.10.2025
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