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Feuerwerk

Verführerisches Himmelsspektakel Rhein in Flammen oder Burning Heide – die Namen klingen bedrohlich, doch die Besuchenden wissen: Dahinter versteckt...
Feuerwerk
FeuerwerkFoto: HH

Verführerisches Himmelsspektakel

Rhein in Flammen oder Burning Heide – die Namen klingen bedrohlich, doch die Besuchenden wissen: Dahinter versteckt sich spektakuläres Feuerwerk. Wer das aber nicht weiß, sind die Tiere dieser Regionen. Sie interpretieren das Knallen und die Lichtblitze am Himmel als tödliche Gefahr. Vögel lassen ihre Nester im Stich, manche Tiere verlieren die Orientierung, einige verletzen sich. Alles nur ein Vergnügen – nicht für Tiere.

Üblicherweise findet die Feuerwerksdiskussion über Lärm, Feinstaub, Müll und verstörte Tiere in den Tagen vor Silvester statt, mit dem regelmäßigen Ergebnis, dass das Feuerwerk nun mal eine wichtige Tradition sei und so schlimm auch nicht sein könne, da es doch nur einmal im Jahr stattfinde. Falsch. Denn im Frühjahr geht es wieder los, bis in den Herbst hinein.

In Deutschland gibt es Dutzende Groß- und viele kleine Feuerwerke, die jedes Jahr bei Veranstaltungen als Höhepunkte gezündet werden. Die Branche führt sogar eigene Feuerwerkswettbewerbe durch, etwa „Flammende Sterne“ in Ostfildern. In drei Nächten im August gibt es dort jeweils großangelegte Feuerwerksspektakel mit Musik und viele zahlende Besucher. Da fallen doch ein paar aufgeschreckte Vögel nicht ins Gewicht. Oder?

Der NABU Leipzig etwa hat 2024 rund um das jährlich stattfindende Feuerwerk beim Wasserfest in Thekla Etliches dokumentiert, was in der Vogelwelt passiert war:

  • Während des Feuerwerkes am Ostufer schreckte das dort brütende Schwanenweibchen auf. Das Tier verließ das Nest und flüchtete mit ihrem Partner zur gegenüberliegenden Seite des Sees. Dabei zertrat das Weibchen eines ihrer Eier.
  • Als der Himmel vom Feuerwerk erleuchtet war, sah man mehrere Vögel aus der Hecke am Ostufer Richtung Osten flüchten.
  • Ein Stockentenpaar mit fünf Jungtieren schwamm panisch am Nordufer hin und her und versuchte, das Gewässer zu verlassen, was auf Grund der Menschenmassen in diesem Bereich nicht gelang.
  • An der Theklaer Straße fand die Wildvogelhilfe des NABU Leipzig einen sterbenden Buntspecht, der aufgeschreckt über die Straße geflohen war. Der junge Vogel war noch körperwarm, hatte sich also kurz zuvor verletzt. Er konnte nicht gerettet werden.
  • Eine Teichhuhnfamilie, zwei Altvögel und fünf Junge, verließen das Gewässer. Am nächsten Tag kehrten die beiden Eltern mit nur zwei Jungvögeln zurück, drei von ihnen blieben verschwunden.
  • Eine Blässhuhnfamilie hatte am Abend vor dem Feuerwerk noch fünf Jungvögel, am Morgen danach waren es nur noch vier – einer war verschwunden.
  • Am nächsten Tag wurde ein zweites beschädigtes Ei im Schwanennest gesehen. Die Schwäne waren am Tag danach deutlich unruhiger und verließen öfter das Nest als gewöhnlich. Eigentlich treten Schwäne nicht auf ihre Eier, es passierte mutmaßlich bei der panischen Flucht.

Der NABU fordert vor allem in der Brutzeit von März bis August ein grundsätzliches Verbot von Feuerwerken, damit der Bruterfolg von Vögeln nicht beeinträchtigt wird.

Am Bodensee wartet das Konstanzer Seenachtsfest jedes Jahr mit einem der größten Seefeuerwerke Europas auf. Im Sommer 2019 hatte sich die Stadtverwaltung angesichts des Klimanotstands Gedanken über mehr Umweltverträglichkeit gemacht und dazu auch Befragungen bei Bevölkerung und Gästen durchgeführt.

Das Stimmungsbild war eindeutig pro Feuerwerk. Über die Hälfte der Besuchenden kam gerade wegen des Feuerwerks zum Seenachtsfest. Die Alternative einer Lichter- oder Laser-Show fand wenig Anklang bei ihnen. Damit war die Idee einer Veränderung vom Tisch. Das große Seefeuerwerk findet seither weiterhin jedes Jahr statt und ist auch für dies Jahr wieder geplant.

Bei Rhein in Flammen in Koblenz soll in diesem Jahr eine Drohnenshow das traditionelle Feuerwerk ergänzen. Man wolle neue Elemente ausprobieren, so der Veranstalter und beruhigte: nur als Begleitung nicht als Ersatz.

Drohnen haben einige Vorteile für den Umweltschutz: Während Feuerwerke Feinstaub produzieren und giftige Stoffe freisetzen, die Boden, Wasser und Luft verschmutzen, arbeiten Drohnen emissionsarm. Sie bedeuten im Unterschied zu Feuerwerkskörpern auch keine Brandgefahr in Zeiten großer Trockenheit. Außerdem sind sie für Tiere weniger belastend, da sie leiser sind und das Licht weniger hell und plötzlich auftritt.

Aber Drohnen sind teuer und für eine ansprechende Show braucht man sehr viele von ihnen, mit 50 oder 100 der Flugobjekte ist es nicht getan. Sie benötigen Rohstoffe und Energie und sind technisch anfällig, können etwa bei Wind und Regen nicht aufsteigen. Zudem ergibt sich eine ganz andere Wirkung – ohne die Power der Raketen und die Magie des Feuers.

Die Stadt Mainz will es bei der Johannisnacht trotzdem versuchen: Das traditionelle Feuerwerk wird komplett durch eine Drohnenshow ersetzt – inklusive doppelt so vieler Kosten.

Viele andere setzen weiterhin auf ihre traditionelle Feuerwerke. Die Veranstalter wollen Besuchende anlocken und zufriedenstellen, die Zuschauenden erwarten faszinierende Himmelsspektakel.

Wer verdient den Hammer des Monats wegen Rücksichtslosigkeit gegenüber Natur und Umwelt? Die Verführer oder die Verführten?

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Mitteilungsblatt Hessigheim
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Ausgabe 51/2025
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