
Im Oktober vergangenen Jahres hatte die Künstlerin Bettina Zedlitz in der Alten Bahnhofstraße in Baiertal einen eigenen Ausstellungsraum eröffnet, den sie auch Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stellt. Im Februar dieses Jahres hat hier nun Frank Schulze aus Mannheim seine Werke der Öffentlichkeit präsentiert, unterstützt vom Kulturforum Südliche Bergstraße.
In der Ausstellung begegnen sich Figuren, Acrylbilder und Collagen aus Treibholz, Asche, Sand, Rost, Laub, Flechten, Pilzen, Pflanzensamen und alltäglichen Fundstücken. Ergänzt wird die Schau durch Fotografien, Aquarellskizzen und Lithografien.
Bei der Finissage interviewte der 1. Vorsitzende des Kulturforums Jürgen Grimm den Künstler Schulze, um etwas über seine Motive, Intentionen und Arbeitsweisen zu erfahren. Das Motto der Ausstellung „Alles bleibt anders“ erklärte Schulze damit, dass wir uns verändern müssen, wenn die Welt lebenswert bleiben soll. Dazu gehöre Routinen zu verlassen und Gewohnheiten zu hinterfragen. „Einfach immer so weitermachen, als wäre nichts gewesen, bringt uns nicht voran.“
Dass er so vielseitig in seinem Schaffen sei, liege an seiner Neugierde. „Bevor es mir zu eintönig wird, wechsle ich eben das Medium.“ So seien Werke aus den Bereichen Malerei, Drucke, Fotografien, Skulpturen und Objektkunst entstanden, wobei die Techniken immer wieder ineinander übergingen. Ihm gehe es um das Ausloten und Zusammenfügen der Gegensätze, das Überwinden von Grenzen und dabei Neues zu entdecken.
Viele seiner Werke erfreuen das Auge des Betrachters durch die Auswahl und die Komposition der Farben und Formen, sie werden einfach als schön empfunden.
Das ist aber nicht alles, was der Künstler damit zeigen will. In den meisten steckt hinter der reizvollen Verpackung eine unbequeme Wahrheit, wenn zum Beispiel aus dem Meer gefischtes Plastik zu einer ansprechenden Komposition aus Rechtecken zusammengesetzt wird. Manchmal hilft einem auch der Titel auf die Sprünge, wie bei „schneller machen wir schöner“ zum Bild mit abgebrannten Streichhölzern in einem goldenen Rahmen. Oder die „Tugendspritze, die mit Lebensschaum gefüllt ist“ für den leuchtend roten Feuerlöscher.
Seine Anregungen holt sich der Künstler „an der frischen Luft in der Natur“, vor allem bei Fundstücken, die eine Geschichte erzählen, aber auch bei Küchenabfällen wie Teebeuteln, Packpapier und Milchtüten. So sind „gestrandete“ Holzstücke zu sehen, die über das Meer gesegelt, dann an den Strand gespült wurden und jahrelang der Verwitterung und den Gezeiten ausgesetzt waren. Mit Holzleim werden daraus bizarre Figuren. Den Besucherinnen und Besuchern erklärte Schulze auch seinen Leitspruch „Fantasie verlass mich nie“. So entwerfe er ein Kunstwerk, bei der Umsetzung komme dann aber oft eine neue Idee dazwischen, und er müsse abbiegen, um zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen.
Allerdings sei alles, was er produziere, nie richtig fertig. Immer wieder fielen ihm Änderungen ein, bis er diesem Prozess irgendwann ein Ende setze, denn nichts sei langweiliger als Perfektion. Die Besucher der Finissage erlebten nicht nur den Einblick in das sehr weit gespannte künstlerische Schaffen von Frank Schulze, sie erfuhren auch sehr viel darüber, wie und mit welchen Mitteln er arbeitet und was er selbst zur Sinnhaftigkeit seiner Werke zu sagen hat. (aot)