Ein Schultag, der sich anfühlte wie echte Politik: An der Realschule Obersulm erlebten die Klassen 9c und 9d einen außergewöhnlichen Workshop der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Gleich zwei Teams mit jeweils zwei Coaches begleiteten die Schülerinnen und Schüler sechs Stunden lang durch ein Planspiel rund um die Frage: Wie wird man eigentlich Bundeskanzler?
Zum Einstieg ging es um die großen Konfliktlinien in der Politik. Wer steht wofür? Welche Ziele und Werte vertreten die Parteien im Bundestag? Mit diesem Grundwissen im Gepäck wurde es schnell praktisch: In Gruppen produzierten die Jugendlichen eigene Wahlwerbespots – kreativ, pointiert und manchmal überraschend realitätsnah. Nachdem alle Spots präsentiert waren, folgte die erste große Entscheidung: die Wahl des Bundestags.
Doch damit begann die eigentliche Herausforderung erst. Keine Partei hatte die absolute Mehrheit – also mussten Koalitionen geschmiedet werden. Es wurde diskutiert, verhandelt und auch gestritten. Wer passt zu wem? Welche Kompromisse sind möglich? Und wer landet am Ende in der Opposition?
Für besondere Momente sorgten dabei auch klare Ansagen aus den Reihen der Schülerinnen: Marie Nees aus der 9d stellte unmissverständlich klar: „Mit den Blauen bilden wir keine Koalition – das macht im echten Leben auch keine andere Partei.“ Lilly Dinkel zeigte sich überrascht, dass einige Mitschüler ernsthaft über ein Bündnis aus Grünen, Linken und AfD nachdachten.
Der Höhepunkt folgte schließlich in der nachgestellten ersten Sitzung des neu gewählten Bundestags: die Wahl des Bundeskanzlers. Hier zeigte sich, ob die zuvor ausgehandelten Bündnisse tatsächlich tragen.
Am Ende waren sich viele einig: Die sechs Stunden waren zwar intensiv, aber auch lehrreich. Gerade durch das aktive Mitmachen wurde Politik greifbar – und deutlich spannender, als es ein Blick ins Schulbuch je vermitteln könnte.


