Die Straßenverhältnisse bleiben tagtäglich eine mutige Herausforderung. Ich wurde vom KH angerufen, rasch zu kommen wegen eines Patienten, was sich nicht so leicht umsetzen lässt. Ich fahre mit meinem Ambulanzwagen gleich los, an einer Kreuzung verhaken sich 2 große Busse in einer engen Abbiegung und jonglieren hin und her. Dazwischen drängeln sich permanent Fahrrad-Motorradfahrer mit Frau und Kind hinten auf – zwischen den Lücken hindurch. Schließlich wird doch ein Mann, der an einem Teestand steht, von der Straße gefegt und landet in einer jauche-gefüllten Straßenrinne und kommt zum Glück – wenn auch dreckverschmiert bis zum Nabel – wieder zum Vorschein.
Die Geschichte von dem 12-jährigen Raj berührt uns alle sehr. Die Mutter schaut trotz schwerem Schicksal freundlich, offen zu uns und spricht Englisch, was sehr außergewöhnlich ist. Sie kommt aus einer ungebildeten Familie und hat mit 17 Jahren geheiratet. Ihr Mann ist vor 5 Jahren tödlich verunglückt, als er von einem Zug überfahren wurde, als er gerade Wasser holen wollte. Sie selbst hat ihre Schulbildung dann weitergeführt und lebt mit dem Sohn alleine. Dieser hat eine enge Bindung zu ihr. Er bringt oft einen Teil seines Schulvespers wieder mit nach Hause, um mit der Mutter zu teilen. Auch hat er ihr öfter Wasser zum Trinken gebracht.
Dieser hübsche Junge wurde im Oktober krank und fieberte 2 Wochen hoch und war komatös. Als sie später zu uns kamen, war dieser Infekt vorbei, jedoch der Junge körperlich und geistig behindert mit ausfahrenden Bewegungen, hyperaktiv und ganz auf die Mutter angewiesen. Er hatte eine Gehirnentzündung mit Substanzabbau (disseminierte Enzephalomyelitis). Die Mutter hatte einen Chapati-Shop aufgebaut und musste diese Einkommensquelle nun schließen. Trotz dieser Schicksalsschläge betreut sie nun dieses Kind mit einer liebevollen Hingabe und lehrt uns die Demut. Wir überlegen alle, wie dieser Chapati-Shop wieder zum Laufen gebracht werden kann.
Alle Schwangeren aus 13 Dörfern haben einen warmen Umhänge-Schal geschenkt bekommen, da es nachts kühl ist bei 11 Grad und die Feuchtigkeit auch in die Hütten kommt. Eine Heizung gibt es nicht!
In unsere Ambulanz kommt eine 45-jährige Frau mit einem dicken Knöchel. Sie erinnert sich nicht an ein Trauma-Ereignis. Im Röntgenbild zeigt sich eine durchgehende Fraktur am Wadenbein, die nun einen Gips benötigt. Sie wehrt ab, das geht nicht, sie müsse nun auf das Feld, um dringend Reis anzupflanzen. Vor einer Woche war sie auf einem Dorffest, wo auch getanzt wurde und sie die Verletzung wohl beim Reisbier-Genuss nicht so wahrgenommen hat. Wir versuchen sie zu überzeugen und benachrichtigen ihren Sohn, der sie zum Chirurgen abholt.
Am 11. Februar feierten wir unser 15-jähriges Jubiläum des St. Mary’s Krankenhauses. Wir haben 110 Not leidende Patienten eingeladen, die voller Freude tanzten und auch ein Theaterstück aufführten. Unsere Angestellten haben wunderbar das Krankenhaus mit einer Bildergalerie und selbst gemalten Plakaten geschmückt. Berührend zu beobachten, wie die behinderten Kinder von Arm zu Arm wanderten und sich sichtlich wohlfühlten und ihre ganze Energie aufbrachten, um mitzumachen bei den Kinderlaufspielen. Eine 18-jährige Patientin war vor 4 Monaten noch halbseitig gelähmt und sprachlos (Apoplex), jetzt tanzte sie voller Freude grazil und lebendig mit. Das alles vor unserer Mariengrotte, wo wir dankbar den Schutz und Segen unserer Gottesmutter Maria spüren
„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 25, 40)
Kontakt: Shining Eyes e.V., Dr. Monika Golembiewski, monika.golembiewski@gmx.de, www.shiningeyes.de