
Die Tandem-Ausstellung des Neckargemünder Fotografen Norbert Becke dreht sich ganz um wilde Tiere. Vom 8. März bis 5. April werden in der Villa Menzer 50 und im Hotel Kredell weitere 20 Fotografien zum Thema „Wildlife“ zu besichtigen sein.
Nachdem Becke bereits 2024 in der Villa Menzer mit „Begegnungen“ eindrucksvolle Porträts von Menschen aus elf Ländern gezeigt hatte, widmet er sich nun ganz und gar seiner tierischen Leidenschaft. Der Fotograf ist weit über die Region hinaus bekannt. Seit 2017 hat er fast jedes Jahr ausgestellt: Hamburg, Leipzig und Stuttgart konnten sich an „Augenblicke“, „Portraits“ und „Faces & Places“ erfreuen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch.
Schon beim ersten Schritt durch die Tür zu Beckes neuem Büro in Neckargemünd wird klar: Er liebt scheue Tiere. Katze Coco mag keine fremden Stimmen und verschwindet durch die Katzenklappe nach draußen. Nachdem er fast 30 Jahre sein Grafik-Design-Büro in Schriesheim hatte, war es vor eineinhalb Jahren Zeit, umzuziehen. Fußläufig zur Arbeit, denn seine Frau Jutta Jenker-Becke und er wohnen schon seit 1995 auf den Hügeln von Neckargemünd. Seine Werke musste er jedoch in einen Container in Meckesheim auslagern.
Geboren 1961 in Waibstadt, studierte Becke an der Fachhochschule für Gestaltung in Mannheim. Das Fotografieren hat er von der Pike auf gelernt. Das heißt natürlich auch, Filme und Fotos selbst in der Dunkelkammer entwickelt. „Da hatte man am Ende nur noch fünf unbenutzte Filme, aber noch zwei Wochen Urlaub übrig“, blickt er auf die analoge Zeit zurück. Heute entwickelt er aus RAW-Dateien seine monochromen Bilder. Das sind dann schon mal 10.000 Aufnahmen, die es auszuwerten und zu sortieren gilt.
Ein Foto, wie der Leopard im Portrait, das sei „wie ein Sechser im Lotto“, sagt Becke stolz. „In Schwarz-Weiß erkennt man einfach den Charakter, es ist ästhetisch in seiner Aussage.“ Becke benutzt weder Blitz noch Studio. Mit zwei Nikon-Kameras und zwei Objektiven ausgestattet, fährt er mit dem Jeep los. Ob ein Löwe aus 1,5 Meter Entfernung oder eine Gnuherde beim Überqueren eines Flusses, Becke hat immer die richtige Einstellung: „Auf gar keinen Fall aussteigen“, ist sein Rat.
Erstes Ziel: Afrika. Tansania. Der Dokumentarfilm „Die Serengeti darf nicht sterben“ hatte seine magische Anziehungskraft auf den Fotografen aus Deutschland ausgeübt. Am Ngorongoro-Krater kennt sich Becke aus. Dieser liegt auf ca. 1.700 m Höhe, umrahmt von 400 bis 600 m steilen Wänden. Auf 26.400 Hektar existiert hier eine große Anzahl von Wildtieren, darunter Löwen, Elefanten und seltene Spitzmaulnashörner. Dort liegt auch Michael Grzimek begraben, der während der Dreharbeiten zum Film mit dem Flugzeug abstürzte. Auch dessen Vater Bernhard Grzimek liegt neben ihm.
Marokko, Ruanda, Myanmar, Thailand, Indien, Nepal, Ecuador und Papua-Neuguinea sind nur einige der vielen Länder, die Fotograf Becke ebenfalls besuchte, und deren Schönheit er festgehalten hat. Ob ein dreistündiger Aufstieg zu Jane Goodalls Gorilla-Gruppe oder eine staubige Fahrt durch die Serengeti, Becke scheut keine Mühen, um seinen Traum vom perfekten Tierporträt einzufangen. „Bestimmt ein Dutzend Mal war ich in Tansania, hier kenne ich jede Lodge“, erzählt Becke. Er organisiert inzwischen auch alle paar Jahre selbst Safaris dorthin.
Bürgermeister Jan-Peter Seidel wird die Begrüßungsansprache zur Vernissage in der Villa Menzer am 8. März halten. Danach hält kein Geringerer als Prof. Dr. Claude W. Sui die Laudatio. „Eine große Freude für mich, dass der Professor das für mich macht“, so Becke. Sui verabschiedete sich nach mehr als zwei Jahrzehnten aus den Reiss-Engelhorn-Museen. Seit 2002 leitete die Koryphäe Sui das Forum Internationale Photographie und bekleidet auch das Amt des Präsidenten der Deutschen Fotografischen Akademie (DFA).
Becke selbst ist ebenfalls ein Hochkaräter unter den Fotografen. 2023 präsentierte die Hamburger HafenCity eine große Open-Air-Ausstellung, die von über 200.000 Menschen gesehen wurde – „ein Ritterschlag“, wie er sagt. Vier Monate hingen seine Bilder im 180 mal 120 Großformat dort, ausgestellt wurden hier schon Werke von Berühmtheiten wie Art Wolfe oder Michael Poliza. Eine Anfrage von der Hafencity für 2027 hat Norbert Becke schon bekommen.