
Den wenigsten dürfte bekannt sein, dass der im Jahr 1890 in Gerlingen geborene Wilhelm Gutbrod im Fahrzeugbau Weltgeschichte geschrieben hat. Nach einer Werkzeugmacher-Lehre in Korntal arbeitete er bei Bosch in Stuttgart und schloss 1919 erfolgreich ein Ingenieursstudium ab. Für seine Abschlussprüfung entwarf er ein Zweitakt-Motorrad, das ab 1923 bei der Fa. Klotz in Stuttgart fast unverändert in Serie gebaut wurde. Er gründete dann 1926 vor 100 Jahren die Standard-Fahrzeugfabrikin Ludwigsburg und fertigte in der ehemaligen Reiterkaserne Motorräder, die auch im Rennsport erfolgreich waren. 1933 zog die Firma nach Feuerbach um. Sie entwickelte und fertigte Drei- und Vierradfahrzeuge unter anderem als ersten Volkswagen den „Gutbrod Superior 500“, der auch als Lieferwagen wegen seiner Robustheit erfolgreich war.
1938 verlegte man die Firma nach Plochingen und ab 1939 wurde die Fertigung kriegsbedingt eingestellt. Nach 1945 firmierte die Firma als Gutbrod Werke und Wilhelm Gutbrod leitete den Wiederaufbau bis zu seinem Tod im August 1948.
1954 endete die volumenmäßig zu kleine Autoproduktion, obwohl man 1952 mit dem Gutbrod Superior 700 E eines der ersten Serienfahrzeuge mit Benzindirekteinspritzung auf den Markt gebracht hatte. Die Fertigung von Garten- und Landwirtschaftsgeräten wurde 1957 nach Bübingen bei Saarbrücken verlegt, wo Gutbrod 1970 weltweit größter Hersteller von Kleintraktoren und Rasenmähern wurde. Gutbrod verleugnete seine bäuerliche Herkunft nie. Neben Motorrädern und Automobilen widmete er sich daher auch der Entwicklung von Geräten, die Hobbygärtnern wie auch Großbauern die Arbeit erleichtern sollten. Im Jahr 2003 wurde in Gerlingen wie für die Autopioniere Daimler, Diesel und Maybach auch eine Straße nach Wilhelm Gutbrod benannt.
Die Historie von Gutbrod, inzwischen Teil des US-Konzerns Stanley Black & Decker, wird von Fritz Ludmann am Freitag, 20. März, um 18 Uhr in Kooperation mit dem Bürgertreff anschaulich durch einen Bildvortrag dokumentiert. Der Vortrag ist kostenfrei und ohne Anmeldung.
Jürgen Wöhler