Unter fachkundiger Führung von Dr. Klaus Kerkhof vom ITS wurden wir am vergangenen Samstag durch den neuen Tiefbahnhof in Stuttgart, die Tunnel und den Bonatzbau geführt. Über 50 Personen waren unserer Einladung gefolgt und erlebten bei der dreieinhalbstündigen Führung einen hochinteressanten Einblick in die Technik und den Baufortschritt dieses Meisterwerks der Ingenieurskunst.
Dr. Kerkhof aus Leinfelden, der bis zum Beginn seines Ruhestandes vor ungefähr einem Jahr selbst als Ingenieur am Projekt arbeitete und nun für das Turmforum ITS Führungen macht, konnte uns als ausgewiesener Experte Einblicke gewähren, die vielen Menschen bis heute verborgen geblieben sind!
Wussten Sie beispielsweise, dass die Trasse von Stuttgart nach Ulm unter König Wilhelm I. von Württemberg 1850 gebaut wurde und seit diesen 175 Jahren praktisch unverändert geblieben ist? Bis heute dürfen wegen der engen Kurvenradien Züge dort nur mit 70 km/h verkehren! Wussten Sie, dass sich die Fahrzeit von Stuttgart Hbf nach Ulm durch die Heimerl-Trasse auf unter 30 min verkürzen wird?
Wussten Sie, dass der Juchtenkäfer in Flaschen an Bäumen im Schlossgarten ausgesetzt worden war, um deren Fällung zu verhindern? Dies konnte nachgewiesen werden, weil einem Aktivist, eine Flasche mit Juchtenkäfern in einen hohlen Baumstamm hineingefallen war und er sie nicht mehr heraus bekam!
Wussten Sie, dass die Tunnel mit Betonplatten ausgelegt sind und von Rettungsfahrzeugen befahren werden können? Wussten Sie, dass im ganzen Tiefbahnhof kein einziges Halte-Signal notwendig ist, sondern Züge volldigital durch das ECTS gesteuert werden?
Wussten Sie, dass die Leistungsfähigkeit des 8-gleisigen Tiefbahnhofs um 50 Prozent höher ist, als des alten 16-gleisigen Sackbahnhofs?
Wussten Sie, dass in der Stunde 49 Züge an- und abfahren können?
Wussten Sie, dass die Talquerung 950 m und die Bahnsteige 450 Meter lang sind, so dass eine Doppeltraktion ICE problemlos bequem in den Bahnhof hineinpasst? Wussten Sie , dass es drei Verteilebenen gibt, A, B und C und man in nur 43 Metern Fußweg vom Tiefbahnhof zur S-Bahn gelangt? Damit wird er zum Bahnhof der kürzesten Wege! Wussten Sie, dass die Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie einen direkten Eingang zum Tiefbahnhof erhält? Wussten Sie, dass die Lichtaugen soviel Tageslicht in die Bahnhofshalle lassen, dass man dort überhaupt kein elektrisches Licht bräuchte? Wussten Sie, dass der Übergang vom historischen Bonatz-Bau barrierefrei und ebenerdig auf der ganzen Breite möglich ist?
Wussten Sie, dass der Bonatzbau zukünftig auf zwei Ebenen Ladengeschäfte und Galerien erhält, die ihn mindestens so toll umgestalten wie den Leipziger Hauptbahnhof? Wussten Sie, dass für die Unterkonstruktion der Kelchstützen türkische Stahlflechter einzigartige Geflechte für den Beton gefertigt haben?
Diese Aufzählung ließe sich noch endlos fortsetzen. Und wir sind gespannt, wie die Menschen Ihren neuen Bahnhof ab Dezember 2026 annehmen werden, wenn große Teile in Betrieb gehen! Unsere Gruppe jedenfalls verließ mit Begeisterung und einer Fülle an technischen, ästhetischen und innovativen Eindrücken die Baustelle des Bahnhofs, der sicher weltweit einzigartig ist!