Mit dem Erblühen der Forsythien und dem Austrieb der ersten Stauden rückt das Osterfest in den Blickpunkt. In den verschiedenen Regionen Süddeutschlands haben sich über Jahrhunderte gärtnerische Bräuche erhalten, die eng mit dem Erwachen der Natur und der Hoffnung auf ein fruchtbares Gartenjahr verknüpft sind.
Oberbayern und Allgäu: Der „Palmbuschen“ als Schutzsymbol
Im bayerischen Voralpenraum ist das Binden der „Palmbuschen“ zum Palmsonntag eine zentrale Tradition. Diese bestehen klassischerweise aus sieben heimischen Pflanzen: Palmkätzchen (Weide), Buchsbaum, Wacholder, Stechpalme (Ilex), Eibe, Sadebaum und Haselnuss. Ein geweihter Zweig dieser Gebinde, in die Ecken des Gemüsegartens oder des Ackers gesteckt, gilt traditionell als Schutz vor Unwetter und Hagelschlag für die kommende Ernte.
Fränkische Schweiz: Die Kunst der Osterbrunnen
In den kargen Höhenlagen Frankens hat das Schmücken der Osterbrunnen eine besondere Bedeutung. Als Dank für das lebenswichtige Wasser werden öffentliche Brunnen mit hunderten Metern handgewickelter Fichtengirlanden und tausenden bemalten Eierschalen dekoriert. Dieses „Brunnenputzen“ ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Verwendung von Immergrün als Symbol der Lebenskraft.
Schwaben: Das natürliche Osternest
Im schwäbischen Raum steht die Vorbereitung des „Hasennestes“ im Vordergrund. Statt gekaufter Körbe dienen hier oft schattige Plätze unter Beerensträuchern, die mit frischem Moos oder selbst gezogenem Getreidegras ausgepolstert werden. Die Verwendung von lebendigem Grün unterstreicht hier die Verbundenheit zum eigenen Grund und Boden.
Altbayern: „Oarscheibn“ im Garten
Am Ostersonntag findet in vielen altbayerischen Gärten das „Oarscheibn“ statt. Dabei werden zwei Rechenstiele parallel als Rinne im leichten Gefälle ausgelegt. Über diese Schienen rollen die Ostereier auf den Rasen. Ein heiterer Brauch, der die Gartenfläche zur gemeinschaftlichen Spielstätte macht.
Diese Bräuche zeigen, wie tief die Gartenkultur in der regionalen Identität verwurzelt ist. Sie feiern den Neubeginn im Gartenjahr und die Wertschätzung für die Gaben der Natur.
Ein wichtiger Hinweis zum Artenschutz:
Bei aller Freude am Brauchtum gilt ein besonderes Augenmerk den Weidenkätzchen. Diese sind für Wildbienen und Hummeln nach dem Winter die erste überlebenswichtige Nahrungsquelle. Da Weiden unter allgemeinem Artenschutz stehen, ist das Schneiden in der freien Natur untersagt. Für den Palmbuschen sollten daher ausschließlich Zweige aus dem eigenen Garten oder aus zertifiziertem Anbau verwendet werden und auch dort nur in Maßen, um den Insekten den Vortritt zu lassen.
Der OGV wünscht allen Lesern eine erholsame Karwoche, viel Erfolg bei den ersten Pflanzarbeiten und ein frohes, sonniges Osterfest.
Eure OGV-Gartenfreundin