Nussbaum-Logo
Bündnis für Demokratie und Toleranz

Mahnwache gegen Hass und Vergessen: Erinnerung an Hanau

Mit einer Mahnwache erinnerte das Bündnis für Demokratie und Toleranz in Wiesloch an die Opfer des rechtsextremen Anschlags von Hanau.
Eine Menschenkette
Unter dem Motto „Kein Schlussstrich – Erinnern heißt Handeln“ versammelten sich Bürgerinnen und Bürger zur Mahnwache in Wiesloch.Foto: LIP

Am 19. Februar 2020 erschoss ein 43-jähriger Mann neun Hanauer Bürger. Sie hatten einen Migrationshintergrund oder gehörten einer ethnischen Minderheit an. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst.

Außerdem verletzte er sechs weitere Personen, von denen eine im Januar dieses Jahres an den Spätfolgen starb. Das Bundeskriminalamt stufte die Morde des an paranoiden Wahnvorstellungen leidenden Täters als rechtsextrem und rassistisch ein.

Er selbst hatte im Internet behauptet, dass das deutsche Volk das „Beste und Schönste“ auf der Welt sei, dass es aber Völker und Volksgruppen gäbe, die vernichtet werden müssten.

„Erinnern heißt handeln“

Zum Gedenken an diesen Anschlag hatte dieser Tage das „Das Bündnis für Demokratie und Toleranz“ Wiesloch zu einer Kundgebung unter dem Motto „Kein Schlussstrich – Erinnern heißt Handeln“ auf dem Platz bei der evangelischen Stadtkirche eingeladen.

Kerzen und Handylichter beleuchteten am frühen Abend die Szene, wo die Bilder der Opfer aufgebaut waren. Dem Anlass angemessen brachte der Gitarrist und Sänger Peter Neubauer mit seinen nachdenklich stimmenden Liedern die Ohnmacht angesichts dieser schrecklichen Tat zum Ausdruck. Er sagte, dass er dagegen ansinge, um „nicht die gewinnen zu lassen, die unsere Gesellschaft zerstören wollen.“

Offenheit, Vielfalt, Solidarität

Wolfgang Meny begrüßte die Teilnehmer im Namen des Vorstandes an diesem „Ort des Erinnerns“ und sagte, dass nicht tatenlos zugesehen wird, „wenn durch Hass und Entmenschlichung der Nährboden für solche Taten gelegt wird. Es soll aber auch demonstriert werden, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der die Werte Offenheit, Vielfalt und Solidarität für das Zusammenleben der Menschen eine maßgebliche Richtschnur sind.“

Die Vorsitzende des Vereins Oriana Viveros de Moraes-Gradl warf in ihrer bewegenden Ansprache die Frage auf, warum dieses „Gedenken in Wiesloch, so weit weg vom Tatort“, so wichtig ist.

Von Worten zu Taten

Ihre Antwort: „Weil der Hass, der in Hanau zur Waffe wurde, keine Stadtgrenzen kennt. Und weil die Toleranz, für die wir als Bündnis stehen, überall dort verteidigt werden muss, wo wir zu Hause sind.“

Sie erinnerte daran, dass die Opfer Menschen waren, die „lachten, liebten, lebten und Familien hatten, wie ihr und ich.“ Und dass darüber hinaus nicht nur die Toten Opfer sind, sondern auch deren Töchter, Söhne, Geschwister und Freunde.

Sie wies auch darauf hin, was die Menschen auf dem Platz in Gesprächen oder auch im Stillen bewegte: Hanau war die bittere Konsequenz von Worten, die zu Taten wurden. Aus diesem Grund kann es ihrer Meinung nach kein Vergessen und keinen Schlussstrich geben.

„Wir stehen auch hier für die Familien, die noch immer um Aufklärung kämpfen.“ Die Fragen der Angehörigen dürften nicht ohne Antwort bleiben, ansonsten blieben die Wunden von Hanau offen.

„Hanau ist überall“

In ihrer weiteren Rede ging sie darauf ein, was die Tat für die Menschen in Wiesloch bedeutet. Der Verein und alle, die zur Mahnwache gekommen waren, stehen ihrer Meinung nach, für eine Stadt, in der sich jeder sicher fühlen kann, egal, woher er kommt, woran er glaubt oder welchen Namen er trägt.

Gleichzeitig mahnte sie, dass Gerechtigkeit und Toleranz keine Geschenke sind, die man einmal erhält und dann für immer besitzt. „Sie sind Aufgaben, an denen wir jeden Tag arbeiten müssen.“

Moraes-Gradl appellierte an die Besucher der Veranstaltung, den „Geist der Mahnwache“ mitzunehmen. Dazu gehöre: Widersprechen, wenn Hass und Ausgrenzung laut werden, Menschen Raum geben, die von Diskriminierung betroffen sind, und sich einbringen, um Demokratie aktiv zu gestalten. Am Ende gab sie ihren Zuhörern mit auf den Nachhauseweg: „Hanau ist überall, wir vergessen nicht, wir stehen zusammen.“

Ein Sänger
Sänger und Gitarrist Peter Neubauer brachte die Ohnmacht über die Tat von Hanau in nachdenklichen Songs zum Ausdruck.Foto: LIP
Erscheinung
Wieslocher Woche
NUSSBAUM+
Ausgabe 09/2026
von Redaktion NUSSBAUMAnton Ottmann
23.02.2026
Orte
Wiesloch
Kategorien
Panorama
Soziales