Unter dem Motto „Natur und Kultur rund um den Herrenbuckel in Reilingen“ hatten Landwirtschaftsmeister Jürgen Schell und Diplom-Geograph Thomas Kuppinger vom BUND-Ortsverband Hockenheimer Rheinebene zu einer Fahrradexkursion eingeladen. Beide Referenten freuten sich, rund 40 Teilnehmer begrüßen zu können, die auf Informationen zu Natur, Landschaft, Landwirtschaft und biologischer Vielfalt gespannt waren. Start- und Zielpunkt der Tour war der landwirtschaftliche Betrieb von Jürgen Schell.
Thomas Kuppinger zog für die Teilnehmer den landschaftskundlichen Rahmen auf, in dem sich die Tour bewegte. Er erläuterte die Entstehung der Landschaft beim Herrenbuckel, die geprägt ist von den Ablagerungen aus der letzten Eiszeit und der Nacheiszeit. Der Rhein spielte dabei eine wesentliche Rolle, denn er lagerte riesige Mengen an Kies und Sand ab, die nach der letzten Eiszeit in weiten Bereichen trocken lagen und so der Wind leichtes Spiel hatte den Sand auszublasen. Allerdings ließ er den Sand schon nach kurzer Transportstrecke wieder fallen, wodurch große Flugsandfelder entstanden und stellenweise große Dünen aufgeweht wurden. Der Herrenbuckel ist der Rest einer solchen Düne.
Am östlichen Rand des Oberrheingrabens entstand nach der letzten Eiszeit eine Senke, in der sich das Wasser der Flüsse und Bäche aus Schwarzwald und Kraichgau sammelte. Kuppinger führte aus, dass es von dieser Senke – nach den größten Zuflüssen auch „Kinzig-Murg-Rinne“ genannt – immer wieder Durchbrüche zum Rhein gab, in denen das Wasser abfloss. Einer der größten Durchbrüche, der bis vor wenigen tausend Jahren von einem Fluss in der Größe des Neckars durchflossen wurde, ist die heutige Kraichbachniederung.
Jürgen Schell vermittelte den Teilnehmern die landwirtschaftlichen Themen der Tour. Er ist Mitglied der Marktgemeinschaft Kraichgau Korn, die Getreide ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel anbaut. Zudem gehört er dem „Netzwerk von Demonstrationsbetrieben zur Förderung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft“ (BiodivNetz BW). Ein Teil seiner Getreideäcker zeichnet sich nicht nur durch den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel aus, sondern auch durch einen erweiterten Saatreihenabstand des Getreides, was Ackerwildkräutern zugutekommt. Herkömmliche Getreidebestände sind heute meist so dicht , dass kaum Licht auf den Boden fällt und Ackerwildkräuter daher kaum gedeihen können. Durch den erweiterten Saatreihenabstand stehen die Getreidehalme weniger eng, wodurch sogenannte Lichtäcker entstehen, in denen die Sonnenstrahlen den Boden erreichen. So finden sich in den Lichtäckern von Schell seltene Ackerwildkräuter wie Acker-Stiefmütterchen, Acker-Gauchheil und mit dem Acker-Rittersporn auch die Blume des Jahres 2026. Bei der Vorstellung dieser und weiterer Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt wurde Schell unterstützt von Wenzel Steinhilper vom Regierungspräsidium Karlsruhe, fachlicher Betreuer des BiodivNetz BW im Regierungsbezirk Karlsruhe. Beide waren sich einig, dass jeder Einzelne mit seinem Einkaufsverhalten die heimische Landwirtschaft unterstützen und die biologische Vielfalt auf dem Acker fördern kann.
Am Ende der Tour bedankten sich Schell, Kuppinger und Steinhilper bei den Teilnehmern für das entgegengebrachte Interesse sowie für die vielen Fragen und Anmerkungen, die zu einem gelungenen Exkursionstag beigetragen haben.
Thomas Kuppinger


