
Wo sonst Gäste und Einheimische flanieren und die Enz leise vor sich hin plätschert, mischte sich am Donnerstagmorgen eine ganz neue Energie unter das bekannte Rauschen: Es wurde gelacht, sich gedehnt und gemeinsam losmarschiert. Unter dem Motto „Bewegung im Park“ feierte ein neues, kostenloses Angebot Premiere, das Menschen zusammenbringen und den Körper auf unbeschwerte Weise in Schwung bringen will. Für den Wildbader Anzeiger war Maren Moster nicht nur mit dem Notizblock dabei, sondern mischte sich direkt unter die motivierte Truppe.
Die Idee für dieses Projekt stammt von Claudia Ollenhauer, der ersten Vorsitzenden des Seniorenrats Oberes Enztal e. V. „Ich habe solche Angebote in Nagold und Karlsruhe gesehen. In Karlsruhe wird das von der Stadt initiiert“, erzählt sie. Ihr Gedanke war so simpel wie bestechend: Was in der Nachbarschaft funktioniert, das muss doch auch im Bad Wildbader Kurpark klappen. Gesagt, getan. Mit Irmgard Baumeister und Sigrid Lemmel fand sie zwei engagierte Frauen aus dem Seniorenrat, die bereit waren, die Leitung zu übernehmen.
Treffpunkt war das Eiscafé De Simone. Kurz vor halb elf herrschte noch diese typische Premierennervosität. Sigrid Lemmel gab zu, dass sie zwar leidenschaftlich gerne Sport treibt, aber bisher noch nie eine Gruppe geleitet hat. An ihrer Seite stand mit Irmgard Baumeister jedoch ein Profi: Die gelernte Krankengymnastin hat früher VHS-Kurse geleitet und war im „EnzAktiv“ als Sporttrainerin tätig. Für sie war der Tag ein ganz persönlicher Sieg: „Nach einer schweren Hüft-OP, die nicht nach Plan verlief, hätte ich nie gedacht, dass ich heute wieder hier stehen und eine Gruppe leiten kann“, sagte sie mit einem Strahlen, das zeigt, was eiserne Disziplin bewirken kann.
Nach und nach trudelten die Teilnehmer ein. Es wurde gelacht, man begrüßte sich herzlich. Eine Dame huschte noch schnell auf die öffentliche Toilette um die Ecke – kein Problem, die Gruppe wartete geduldig. Schließlich standen elf Frauen und ein „Quotenmann“ bereit für den Start.
Die Mischung der Gruppe war beeindruckend und zeigte, dass Sport keine Altersgrenzen kennt. Die älteste Teilnehmerin, Siegrun Gundel aus Calmbach (85), erschien mit ihren Nordic-Walking-Stöcken und wirkte fit wie ein Turnschuh. „Ich versuche es heute mal“, sagte sie bescheiden, die bereits die Gymnastikgruppe der Kirchengemeinde besucht. Ebenfalls aus Calmbach kam Rita Seyfried (72), die im Flyer des Seniorenrats von dem Angebot gelesen hatte. „Es ist ein Anstoß“, freute sie sich auf den Sport in der Gruppe.
Aus Bad Wildbad waren unter anderem Maria (68), die vor fünf Jahren in den Ort zog und bereits Line Dance macht, sowie Karin Penkalla (68), ebenfalls Mitglied im Seniorenrat und begeisterte Wanderin, mit dabei. Gitta (65) und Liane Czudzowitz (68) hatten im Wildbader Anzeiger von dem Termin erfahren. „Die Uhrzeit ist gut“, stellte Liane Czudzowitz fest, die regelmäßig donnerstags kommen möchte. Ruth Mostroph (74) aus Wildbad, die außerdem Reha-Sport betreibt oder Gymnastik vor dem Fernseher macht, freute sich besonders darauf, nicht mehr allein durch den Park zu laufen, sondern in der Gemeinschaft aktiv zu sein. Als einziger Mann in der Runde war Alfred Schwan aus Höfen (74) am Start. Der ehemalige Bergsteiger und Mountainbiker hofft, durch die Gruppe wieder den sportlichen Anschluss zu finden.
„Wir gehen mal los!“, gab Irmgard Baumeister das Signal. Die Route führte Richtung Ententeich. Das Tempo war zügig, aber für alle machbar. Unterwegs gab es erste Profi-Tipps: „Aufrichten beim Laufen! Brust raus, Po anspannen! Nicht auf die Stöcke draufhängen!“, mahnte die Fachfrau mit geschultem Blick.
Auf einer größeren Freifläche wurde es dann sportlich-heiter. Schulterkreisen im Wechsel, Vorbeugen aus der Hüfte, die Wirbelsäule Wirbel für Wirbel aufrollen. „Und eins, zwei, drei, vier …“, zählte die Leiterin an. Als es an die Koordinationsübungen ging – zweimal links, einmal rechts – kam richtig Leben in die Runde. „Da fängt’s schon an, komplizierter zu werden“, lachte Irmgard Baumeister, und die Teilnehmer lachten mit. Maren Moster und die anderen Mitstreiter marschierten, dehnten und atmeten im Takt. Sogar eine Spontan-Teilnehmerin gesellte sich dazu: Sabine Jordan (58) aus Nordrhein-Westfalen ließ sich von der Energie anstecken und machte kurzerhand mit.
Später, auf der anderen Enzseite, folgten spielerische Partnerübungen. Schnell wurde klar: Hier geht es um mehr als nur Bewegung. Es geht um die Gemeinschaft, um das Treffen unter freiem Himmel, um das menschliche Miteinander. Zum Abschluss gab Irmgard Baumeister allen eine „Hausaufgabe“ mit: „Zuhause in den Türrahmen stellen, Arme hoch und richtig rein dehnen. Sagt mir beim nächsten Mal, wie es geklappt hat!“
Nach gut 60 Minuten war die Feuertaufe bestanden. Die Gesichter waren leicht gerötet, die Augen leuchteten. Am Ende waren sich Leiterinnen und Teilnehmer einig: Das hat wunderbar geklappt. Bad Wildbad hat ein neues Stück Lebensqualität unter freiem Himmel gewonnen – und der Kurpark hat sich einmal mehr als das ideale „Wohnzimmer“ für alle Generationen bewiesen. (mm)
Was: Zügiges Gehen, Stretching und Bewegungsübungen für jedermann
Wann: Jeden Donnerstag, pünktlich um 10:30 Uhr (Dauer ca. 60 Min.)
Wo: Treffpunkt beim Eiscafé De Simone am Kurpark (bei Regen unter der Ladenzeile)
Veranstalter: Seniorenrat Oberes Enztal e. V.
Kosten: Das Angebot ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Ausrüstung: Bequeme Kleidung, Sportschuhe, gerne Nordic-Walking-Stöcke mitbringen