Der Gesangverein Völkersbach wird 120 Jahre alt – und schafft das, wovon andere Chöre in Deutschland nur träumen können: Er hat Zulauf, die Mitgliederzahlen steigen, neue Generationen kommen in den Verein.
Der Gesangverein, vor 120 Jahren von einer Gruppe Männern gegründet, hatte in seiner Anfangszeit großen Zulauf. Kurz nach der Gründung verzeichnete er bereits 70 Mitglieder, die das deutsche Liedgut und die Gemeinschaft pflegten. Doch bis 2019 war er eine Männerbastion und ihm drohte das gleiche Schicksal wie anderen Männerchören, die keinen Nachwuchs finden, überaltern und aufgeben müssen.
Völkersbach ging einen anderen Weg: Der Verein öffnete sich, ließ Frauen zu. Kurz vor Corona entstand so der gemischte Mahlbergchor, 2025 dann in Zusammenarbeit mit der Mahlbergschule der Kinderchor – auch das ein etwas anderer Weg, in dem alle Beteiligten nur Vorteile sehen. Der Auftritt beim Jubiläumskonzert zeigte letztlich, was ein Gesangsverein heute auch sein kann: Sängerinnen und Sänger aus vier Generationen auf der Bühne sowie ein Programm, das so vielfältig wie seine Sänger ist.
Die Kinder hatten beim Jubiläum ihren zweiten großen Auftritt seit Gründung des Kinderchor-Projekts. Unter der Leitung von Ulianah Nesterowa sangen die 20 Mädchen und Jungen ein Medley aus dem Musikmärchen „Kunterbunt“, das für Vielfalt und Toleranz steht. Es wurde gesungen, geklatscht und gestampft.
Die Kinder üben jeden Freitag in der sechsten Stunde in der Schule. Für den Verein habe es den Vorteil, dass die Kinder schon vor Ort seien und einfach zum Chor gehen könnten, so Vereinsvorstand Ronald Daum. Die Eltern wüssten ihre Kinder demnach an einem sicheren Ort.
Das Kinderchor-Projekt will der Verein unbedingt weiterführen, denn mit ihm, so Daum, sei der Sprung in die Zukunft gelungen und der Verein jetzt eine Heimat für alle Generationen. Möglich ist das Kinderchor-Projekt durch Sponsoring aus der Wirtschaft und Spenden von Vereinsmitgliedern sowie die Unterstützung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt.
Ein weiterer Effekt des Kinderchors: Viele Eltern treten in den Gesangverein ein, manche von ihnen singen inzwischen selbst mit. Auch Zugezogene konnte der Verein schon gewinnen.
Vorstand Ronald Daum freut sich darüber. Grundsätzlich seien in dem Verein alle herzlich willkommen – ganz unabhängig von Herkunft oder auch von Können. Er sieht die Vereinsarbeit auch als Integrationsarbeit.
Wenn die rund 30 Sängerinnen und Sänger des Mahlbergchors auftreten, dann unterscheidet sich das deutlich vom Programm der traditionellen Männerchöre. Sie singen bekannte Popsongs, gerne auch auf Englisch, oder Stücke von Liedermachern wie Reinhard Mey und Heinz Rudolf Kunze. Das Zusammenspiel von Frauen- und Männerstimmen lässt moderne Klassiker wie „Dust in the wind“ wie ein Duett klingen, mit kraftvollen, gemeinsam gesungenen Passagen, begleitet von Schlagzeug, E-Piano und Keyboard.
Auch wenn der Verein sich modernisiert und damit Erfolg hat: Es gibt sie noch, die Herren vom Männerchor. Unter der Leitung von Aldo Martinez pflegen sie das traditionelle Liedgut, in dem es um Heimat, Liebe und Tradition geht – und gerne auch um Geselligkeit.
Was wahre Vereinstreue ist, erfuhr das Publikum beim Konzert zum 120-jährigen Jubiläum im fast voll besetzten Klosterhof. Zwei Mitglieder des Chors, Gottfried Ochs und Reinhold Reichert, wurden für 70 Jahre aktives Singen geehrt.
Der Gesangverein Völkersbach hat sich neu erfunden und trifft damit den Nerv der Sängerinnen und Sänger ebenso wie den des Publikums. Auch hier zeigte sich beim Jubiläumskonzert: Die Chöre haben generationenübergreifend Zuspruch, die Auftritte wurden begeistert gefeiert.
Der Gesangverein würde sich über weiteren Zuwachs freuen: Wer sich interessiert, könne einfach zur Chorprobe kommen, betonte Ronald Daum. Weitere Informationen gibt es auch unter gesangverein-voelkersbach.de.
Das nächste große Projekt steht auch schon an: Am Sonntag, 5. Juli, steht das Kinderfest des Gesangvereins auf dem Programm. Und wenn alles klappt, wird der Kinderchor das Musical „Kunterbunt“ einstudieren und aufführen.