
Die fünfte Auflage der Gewerbeschau „Neckar & Elz Aktiv“ unter ihrem heutigen Namen rückte am Wochenende (28./29.03.) die Leistungsfähigkeit der heimischen Wirtschaft in den Fokus. Rund 70 Aussteller präsentierten in der Pattberghalle in Neckarelz sowie auf dem weitläufigen Außengelände auf rund 1.800 Quadratmetern reiner Ausstellungsfläche vielfältige Trends. Das branchenübergreifende Angebot umfasste unter anderem die Bereiche Wohnen, Bauen, Sanieren, Familie, Gesundheit, Informationstechnik, Bankwesen, Versicherungen sowie den Automobilsektor.
Der offizielle Auftakt erfolgte am Samstagvormittag um 9.30 Uhr mit einem Sektempfang im Foyer der Pattberghalle. Im Anschluss an die erste Begrüßung verlagerten sich die Feierlichkeiten in die Mensa der Halle, wo das Programm mit verschiedenen Ansprachen fortgesetzt wurde. Roland Käsmann trat als erster Vorsitzender des ausrichtenden Vereins Aktives Gewerbe Neckar und Elz Mosbach ans Rednerpult. Er sprach zugleich im Namen des zweiten Vorsitzenden und organisatorischen Leiters Marcus Kolbert. Käsmann freute sich über das Erscheinen zahlreicher Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Er betonte die starke Aufstellung der regionalen Betriebe. Die Messe bilde eine Plattform, um neue Impulse für künftige Entwicklungen zu setzen.
Oberbürgermeister Julian Stipp gratulierte zunächst Bäckermeister Thomas Mayer zu dessen Geburtstag – der Jubilar befand sich trotz seines Ehrentages selbst unter den Eröffnungsgästen und hatte im Anschluss zahlreiche Glückwünsche entgegenzunehmen. Ebenso hieß der Rathauschef seinen Amtskollegen aus der Nachbargemeinde Obrigheim, Bürgermeister Thorsten Sienholz, unter den Gästen willkommen.
Gleich zu Beginn seiner Ansprache bekannte Stipp, normalerweise „Grundoptimist“ zu sein, diesmal aber mit einer etwas getrübteren Stimmungslage gekommen zu sein. Er verwies dabei auf die angespannte weltpolitische Situation und deren Auswirkungen auch auf die Ökonomie. Der OB forderte von der höheren Politik in Bund und Land eine „Reformagenda“ – diese müsse sich deutlich pragmatischer den Lebensrealitäten widmen. Die Rekordteilnehmerzahl der Gewerbeschau bewertete er hingegen als ein starkes, positives Signal für den Wirtschaftsstandort.
Landtagsabgeordneter und Minister Peter Hauk stellte den Mittelstand in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er betonte die Bedeutung der kleinen und mittleren Betriebe für die Gesamtwirtschaft. Der Mittelstand sei die elementare Basis, welche „auf keinen Fall wegbrechen“ dürfe. Mittelständische Unternehmen fungierten als „treibender Motor“ des Wohlstands – dies gelte in besonderem Maße für den ländlichen Raum, beschrieb Hauk.
Landrat Dr. Achim Brötel hielt sein Grußwort bewusst kurz. Er verglich das rege Treiben mit dem heimischen „Maimarkt, der jedoch schon im März stattfindet“. Brötel nannte den Begriff der „Leistungsschau“ als den bis heute eigentlichen Inhalt der Gewerbeschau – noch bis in die späten 90er-Jahre war dieser zugleich Programm und auch Überschrift. Noch heute werde hier vor Ort greifbar präsentiert, welche Leistungen die heimischen Firmen erbringen. Im Gegensatz zu abstrakten Angeboten im Internet biete die reale Messe den entscheidenden Vorteil, Dinge selbst auszuprobieren und fachliche Beratung im persönlichen Gespräch zu erhalten.
Klaus Hofmann sprach als Präsident der Handwerkskammer Rhein-Neckar-Odenwald. Er griff das Zuspiel von Brötel gerne auf und zollte den Ausstellern seinen Respekt: „Jeder hier hat Leistung beigetragen“, stellte er heraus. Allein die Vorbereitung für eine solche Messe erstrecke sich über mindestens ein Vierteljahr. Hofmann lobte auch den Zusammenhalt innerhalb des Landkreises – gerade in Krisenzeiten könne man sich aufeinander verlassen. „Wenn wir was brauchen, stehen wir zusammen!“, bekräftigte er lobend auch in Richtung der lokalen politischen Verantwortungsträger.
Ebenso übermittelte der Präsident der Handwerkskammer die Grüße des Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Dr. Andreas Hildenbrand, der erkrankungsbedingt kurzfristig absagen musste. Für die Kreishandwerkerschaft Neckar-Odenwald waren deren Vorsitzender Joachim Baumgärtner sowie Geschäftsführerin Sibylle Brauch gekommen. Für den Gewerbeverein „Mosbach Aktiv“ konnte dessen Vorsitzender Maik Heins begrüßt werden.
Im Anschluss brach man unter der Führung von Roland Käsmann zu einem Rundgang entlang der Messestände in der Pattberghalle auf. Die Eröffnungsgäste konnten sich dabei aus erster Hand über unterschiedlichste Branchen informieren. Deutlich zeigte sich der Einfluss neuer Techniken, wie etwa im Bereich der künstlichen Intelligenz bei Produktionsanlagen.
Einen neuen Akzent setzte die Firma „Cold Sun“ aus Diedesheim, die erstmals bei der Gewerbeschau präsent war: Der Betrieb aus der Event-Branche brachte mit einer Soundanlage sowie einer Discokugel das Unterhaltungsflair der 70er- und 80er-Jahre in die Halle. Ein Tontechniker demonstrierte die vielfältigen akustischen Möglichkeiten, die an einem Mischpult zu steuern sind. Kreisoberhaupt Brötel ließ sich die Chance nicht entgehen und probierte sich spontan als „DJ Landrat“ aus.
Im Bereich Gesundheit lockte etwa der Stand von „Meister Beuchert“ viele Neugierige an. Der Mosbacher Fachbetrieb für Hörakustik demonstrierte eindrücklich, wie winzig und unauffällig hochmoderne Hörsysteme heute sind. Einige der Rundgangsteilnehmer – nach eigenem Bekunden noch ohne verspürten Bedarf – nutzten die Gelegenheit zum Selbsttest. Sie zeigten sich beeindruckt davon, dass man die Technik am Ohr kaum spürt.
Die Stadt Mosbach unterstrich ihre partnerschaftliche Verbundenheit mit der lokalen Wirtschaft durch eine eigene Messepräsenz. Fabian Weiß, zuständiger Amtsleiter für Wirtschaft und Kultur, äußerte sich hochzufrieden mit dem Auftakt. Er bescheinigte dem Event eine überaus wichtige Funktion für die Große Kreisstadt und das Umland. Weiß betonte, dass man immer eine gute Zusammenarbeit mit dem veranstaltenden Gewerbeverein pflege und für dessen Engagement überaus dankbar sei.
Erste Nachfragen bei den Ausstellern fielen bezüglich der Resonanz ganz überwiegend positiv aus – bereits in den ersten Stunden herrschte ein ordentlicher Besucherandrang. Etwa Regina van der Heyden, Niederlassungsleiterin des Personaldienstleisters „Select“ aus Mosbach, erklärte Interessierten das komplexe Umfeld der Zeitarbeit. Das Geschäft mit der Arbeitnehmerüberlassung verläuft oftmals asynchron zur allgemeinen Konjunkturentwicklung – verschlechtert sich die Gesamtwirtschaftslage, greifen viele Firmen vermehrt auf Personal-Leasing zurück, anstatt sofort fest anzustellen, weil sich die Auftragslage oft nicht auf längere Sicht absehen lässt.
Die ZG Raiffeisen informierte über ihre Tätigkeitsvielfalt, welche so manchem Standbesucher gar nicht vollumfänglich bekannt war. Allein im hiesigen Stadtgebiet decken drei Standorte die Sektoren Technik, Baustoffe und Marktbetrieb ab. Die Niederlassungsleiter Christoph Balles, Claudia Leister und Thomas Schütz fungierten als Standbetreuer. Anschaulich vorgestellt wurden hier etwa vollautomatische Rasenmäher-Roboter sowie vielfältige Muster für Bodenbeläge.
Am Außengelände bot sich den Anbietern größerer Maschinen der nötige Platz. So vertrat etwa Frank Fuchslocher das Autohaus Ralph Müller aus Obrigheim, welches als exklusiver Vertragshändler der Marke Suzuki tätig ist. Er registrierte ein anhaltend hohes Interesse an Elektromobilität – die aktuell hohen Kraftstoffpreise lassen elektrisch angetriebene Fahrzeuge auch wirtschaftlich immer attraktiver erscheinen. Die ökologische Nachhaltigkeit der neuen Antriebe wird zudem staatlich gefördert. Als Blickfang diente der neue Suzuki „e-Vitara“, welcher 100%-elektrisch fährt.
Steffen Hecht von der metallverarbeitenden Firma Hestermann aus Mosbach sieht die Messepräsenz als wichtigen Baustein, um im Kontakt mit Kunden und Partnern zu bleiben. Ebenso schilderte er aber auch die gegenwärtigen Sorgen der Handwerksbetriebe in der Baubranche insgesamt – exorbitant steigende Energiekosten seien für die gesamte Wertschöpfungskette eine erhebliche Belastung. Hecht setzt derweil große Hoffnungen in ein wettertechnisch gutes Frühjahr, damit private Bauherren motiviert werden, neue Projekte rund um das eigene Heim in Angriff zu nehmen.
Das breite Spektrum in der Pattberghalle sowie auf den Freiflächen bot zahlreiche weitere Facetten aus Handwerk, Handel und Dienstleistung. Heimische Fachbetriebe präsentierten ihre Produkte etwa zur Gebäudeausstattung, Haustechnik, Energiegewinnung und Sicherheitstechnik. Handwerks- und Reinigungsdienstleistungen waren ebenso stark vertreten wie Banken und Versicherungen. Die örtliche Feuerwehr lockte mit sehenswerten Vorführungen. Der DRK-Kreisverband engagierte sich mit einer Hilfestation und hatte auch seine Rettungshundestaffel dabei. Darüber hinaus war die Ausbildungswerkstatt der Bundeswehr vertreten.
Für das kulinarische Wohl sorgten die Bäckerei Englert mit Snacks sowie „Werners Markthandel“ mit einem Sortiment an Süßigkeiten. Auf dem Außengelände bewirtete das Brauhaus Mosbach und erfreute sich insbesondere am zweiten Tag der Messe bei bestem frühsommerlichen Wetter einer hohen Frequentierung. Zahlreiche Besucher drängten am Sonntag auf das Gelände – unter ihnen viele Familien mit Kindern, welche die Gewerbeschau für Tagesausflüge nutzten. Rund um die Pattberghalle und den angrenzenden Messplatz waren Parkplätze oft absolute Mangelware. (frh)



