Wer Giersch im Garten hat, merkt schnell, dass es sich nicht um ein beiläufiges Kraut handelt. Diese Pflanze nutzt vorhandene Ressourcen sehr effizient. Vor allem auf nährstoffreichen, ausreichend feuchten Böden breitet sie sich zügig aus. Insofern kann der Giersch auch als Hinweis auf gute Standortbedingungen gelesen werden, wenn auch nicht unbedingt im Sinne der geplanten Bepflanzung.
Der naheliegende Impuls ist oft, den Giersch vollständig zu entfernen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass dieser Ansatz selten dauerhaft erfolgreich ist und häufig in einen kontinuierlichen Pflegeaufwand übergeht. Es kann daher sinnvoll sein, den Umgang etwas anders auszurichten: weniger auf vollständige Beseitigung, mehr auf gezielte Steuerung.
Ein Ansatz liegt in der bewussten Förderung von Konkurrenz. In halbschattigen Bereichen können sich robuste, flächig wachsende Stauden etablieren. Arten wie Elfenblumen, Storchschnabel oder Seggen bilden mit der Zeit dichte Bestände, die den Ausbreitungsraum des Gierschs begrenzen. Das führt nicht zu seinem Verschwinden, reduziert aber in vielen Fällen seine Dominanz.
Ergänzend lässt sich über regelmäßiges Einkürzen der Blätter Einfluss nehmen. Ein- bis zweimal jährlich durchgeführt, schwächt dies die Pflanze spürbar, ohne dass eine vollständige Entfernung der Wurzeln erforderlich ist. Der Aufwand bleibt damit überschaubar und planbar.
Darüber hinaus gibt es Bereiche, in denen eine bewusste Duldung sinnvoll sein kann. Unter älteren Gehölzen etwa, wo andere Pflanzen oft nur eingeschränkt konkurrenzfähig sind, übernimmt der Giersch die Funktion eines Bodendeckers. Er schützt die Oberfläche vor Austrocknung und trägt zur Bodenaktivität bei.
Parallel dazu hat sich der Giersch in den letzten Jahren als Bestandteil der Wildkräuterküche etabliert. Die jungen Blätter sind nährstoffreich und grundsätzlich verwendbar. Dieser Aspekt sollte jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Die Zugehörigkeit zur Familie der Doldenblütler bringt eine erhöhte Verwechslungsgefahr mit sich.
Einige stark giftige Arten wie der Gefleckte Schierling, der Wasserschierling oder die Hundspetersilie weisen in bestimmten Entwicklungsstadien Ähnlichkeiten auf. Eine sichere Bestimmung ist daher Voraussetzung für jede Nutzung. Typische Merkmale des Gierschs sind der dreikantige Blattstiel, die dreiteilige Gliederung der Blätter sowie ein würziger Geruch beim Zerreiben.
Vor diesem Hintergrund ist es durchaus nachvollziehbar, auf eine Verwendung in der Küche zu verzichten und den Giersch rein gärtnerisch zu betrachten.
Ein sachlicher Umgang mit der Pflanze bedeutet letztlich, ihre Eigenschaften einzuordnen und entsprechend zu reagieren: Sie dort zu begrenzen, wo sie gestalterisch stört, und sie dort zu tolerieren, wo sie funktionale Aufgaben übernimmt. Wie konsequent man diesen Weg verfolgt, bleibt dabei, wie immer, eine Frage der eigenen Prioritäten im Garten.
Eure OGV-Gartenfreundin


