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Glaubenstradition klingt nach

Nach einem gemeinsamen Rundgang schrieb der Regional-Redakteur der Diözese Rottenburg Stuttgart H. Arkadius Guzy vor einiger Zeit in einem Beitrag: ...
Ave-Glöcklein-GruppeFoto: Albert Bertsch

Nach einem gemeinsamen Rundgang schrieb der Regional-Redakteur der Diözese Rottenburg Stuttgart H. Arkadius Guzy vor einiger Zeit in einem Beitrag:

„Glaubenstradition klingt nach“

Die „Ave-Glöcklein-Gruppe“ unterstützt mit der Wiederbelebung eines alten Brauchs den Erhalt religiöser Glaubenszeichen.

Nach einer alten Tradition wurde ursprünglich das „Ave Glöcklein Lied“, das den Gruß des Engels (Ave) an Maria symbolisieren soll, am Karfreitag von den Ministranten bis Anfang der 1970er-Jahre an verschiedenen Plätzen in Degmarn (nach vorherigem „Rätschen“) gesungen, um die Gläubigen an Gebet, Besinnung und den Kirchenbesuch zu erinnern. Nach den Ministranten hat der damalige Oberlehrer Ernst Bauer das „Ave Glöcklein“ nochmals mit seiner Frau und seinen Töchtern instrumental, das heißt mit Flöten gespielt dargeboten.

Im Jahre 1993 haben dann die nachstehend aufgeführten Frauen und Männer diese alte Tradition wieder aufgenommen: Albert Bertsch, Bruno Bertsch, Doris Kühner, Hannelore und Theo Schirmer, Markus, Rudolf u. Gisela Vogt, sowie Hans-Albert Weil.

Dabei waren folgende Aspekte wichtig:

- Die alte Tradition der Marienverehrung auf diese Weise in unserer Gemeinde wieder aufzunehmen und die Bewohner durch den Gesang des schönen Marienliedes zu erfreuen und gleichzeitig auf die Karfreitagsliturgie „wachet und betet“ einzustimmen. Seither wird das Lied jedes Jahr von 10 bis 12 Personen an etwa 25 Plätzen in Degmarn und an 6 Stellen in Oedheim in der Nacht zum Karfreitag (von 2.30 bis etwa 6.00 Uhr früh) vorgetragen.

- Ferner Spenden zu generieren, um mit diesen unsere historischen sakralen Weg- bzw. Glaubenszeichen, die in den Jahren 1874 - 1890 auf Initiative und unter der Regie vom damaligen Pfarrer und Ehrenbürger Adolf Mantz (1839 – 1922) durch Unterstützung Degmarner Familien errichteten Kreuzweg, Ölberg, der Geburts- und Auferstehungskapelle, sowie der Lourdes-Grotte soweit notwendig zu restaurieren und so in ihrer Würde für Besucher und besonders auch der nachfolgenden Generation als äußeres Zeichen der Verbundenheit mit dem Glauben zu erhalten.

Glücklicherweise wurden unsere Hoffnungen bis heute erfüllt, sodass Dank der Spendeneinnahmen und auch zusätzlicher großzügiger Einzelspenden, die finanzielle Basis für die anstehende Renovierungs- bzw. Restaurierungsmaßnahmen geschaffen wurde, deren jeweilige Durchführung seither von einigen wenigen Personen mit großem Engagement und Zeitaufwand wahrgenommen wird. Darüber hinaus werden aus der Gruppe vom Ehepaar Doris und Gerhard Kühner die Gedenkstätten bereits seit über 30 Jahren in jeweils erforderlicher vielfacher Weise das ganze Jahr über „gepflegt und betreut“.

Im Jahr 2002 haben wir die am 1. Mai 1998 von Vandalen zerstörte Josefstatue von 1876 durch eine von uns bei einem Münchner Spezialgeschäft für sakrale Kunst erworbene neue Statue ersetzt und in einem Glasgehäuse geschützt wieder aufgestellt.

Neben verschiedenen Kleinreparaturen wurden zum Beispiel 2015 in Eigeninitiative bei der Krippenkapelle der Außenputz erneuert, Bodenplatten neu verlegt und das marode Dach repariert. So konnten in den weiteren Jahren größere Schäden und Zerfallserscheinungen verhindert werden.

Rechtzeitig zur 700-Jahrfeier von Degmarn 2019 haben wir auch mit großer Unterstützung der Gemeinde die Restaurierung, d. h. professionelle Neubemalung der 14 Bildtafeln des Kreuzweges zu einer Restaurations-Fachwerkstatt nach Bad Mergentheim gebracht und nach der Neubemalung wieder in den vorher gründlich gereinigten „Stationen“ angebracht.

2024 wurde der Innenbereich der Lourdes-Grotte insgesamt verbessert und die zum Teil auch beschädigten Heiligenfiguren ebenfalls zur Restauration nach Bad Mergentheim verbracht. Dort wurden ausgebrochene Stellen gekittet, defekte Standsockel repariert und in aufwendigen mehrschichtigen Arbeitsgängen die detaillierte Neubemalung vorgenommen.

In diesem Jahr (2025) lag der Schwerpunkt unserer Maßnahmen bei der Grundsanierung der 1890 erstellten „Ölbergkapelle“. Das Reliefbild (von der Mayerischen Hofkunstanstalt München erworben) wurde nach vorheriger Ausbesserung in den Ursprungsfarbtönen mehrschichtig neu bemalt, anschließend erfolgten noch ergänzende Vergoldungen. Zusätzlich musste durch einen Fachbetrieb ein neues Metalldach angebracht und die Holzverkleidung von uns noch mit einer Schutzlasur versiegelt werden.

Durch weiteren intensiven Arbeitseinsatz über mehrere Wochen wurden auch bei der „Krippenkapelle“ sowie der „Auferstehungskapelle“ die Innenräume und alle Figuren sorgfältig gereinigt, Bruchstellen ausgebessert und Fehlteile ergänzt. Danach erfolgten mehrmalige Übermalungen der Figuren unter Anleitung des Restaurators in Eigenleistung. Alle Figuren wurden anschließend mit einer farblosen Schutzlasur versehen. Das Gleiche gilt auch für die im Freien stehende Bischof- und Marienstatue.

Die an der „Auferstehungskapelle“ angebrachten „Soldaten-Grabwächter“ befinden sich derzeit zur Restaurierung noch in Bad Mergentheim. (Dort wurden sie von uns bereits für die Neubemalung vorbehandelt.)

Auch die Vorderansicht der Lourdes-Grotte, sowie das dortige „Mariensymbol“ wurden gemeinsam mit dem Restaurator mit den Ursprungsfarben und zusätzlich mit einer Schutzlasur versehen. Auf dem Vorplatz laden 2 neue Sitzbänke auch zum Verweilen ein.

Bei dem von Karl Prinz nach Beschädigung in Eigeninitiative 2007 wieder aufgestellte Bildstock aus dem Jahr 1706, muss die Bildtafel, die das „Blutwunder von Walldürn“ darstellt, erneuert werden. Diese befindet sich nun ebenfalls zurzeit noch in Bad Mergentheim zur Neugestaltung.

Ferner wurden die GPS-Daten des Ölbergs und der Kapellen zur Aufnahme in den Diözesan-Atlas für bemerkenswerte christliche Kleindenkmale an die Stiftung weitergeleitet.

Erfreulicherweise wurde unser jahrelanges Engagement zur Erhaltung der historischen sakralen Gedenkstätten von der „Stiftung Wegzeichen“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart anerkannt und bereits für 2021 und 2024 mit Preisen ausgezeichnet bzw. honoriert.

Für das Jahr 2025 wurde der Arbeitseinsatz unserer Gruppe erneut gewürdigt. Von Bischof Dr. Klaus Krämer sind wir daher zur Preisverleihung ins Bischofshaus nach Rottenburg eingeladen.

So verdienen unsere „Spirituellen Schätze mitten im Wald“ (wie das Katholische Sonntagsblatt in einem Bericht formulierte) auch in Zukunft Pflege, Wertschätzung und Würdigung.

Albert Bertsch

Erscheinung
Mitteilungsblatt der Gemeinde Oedheim
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Ausgabe 50/2025
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