Würfelspiele scheint es in Ägypten und China seit 5.000 Jahren, in Nordamerika sogar seit 12.000 Jahren zu geben. Bis in die Neuzeit hinein wurden Würfel meist aus Fuß-Knochen, Tierzähnen, Steinen, Elfenbein oder Holz hergestellt, so dass sie fast immer irgendeine kleine Unwucht hatten, die zum Falschspielen einlud. In allen sozialen Schichten wurde gewürfelt, manchmal um hohe Summen bis hin zu „Haus und Hof“. Selten sollen das Würfeln, die Spielkarten und Brettspiele auch eine positive Seite gehabt haben: Der Legende nach könnte manche Schlacht bis zur Neuzeit nicht stattgefunden haben, weil der Söldnerführer den ihm überlassenen Sold verspielte und die angeworbenen Soldaten daraufhin desertierten. In Romanen (z.B. Wilhelm Hauffs Lichtenstein) wurde die Veruntreuung der Kriegskasse literarisch beleuchtet; gerüchteweise könnten Wilhelm von Fürstenberg und manche Grafen wie der Landgraf Karl von Hessen oder der Herzog Wilhelm von Jülich dazugehört haben; aber nichts Genaues weiß man nicht.
Im 12. bis 14. Jahrhundert war das Glücksspiel im Gasthaus oder auf dem Markt allgegenwärtig mit teilweise hohen Verlusten, so dass spätestens ab 1200 in immer mehr Orten das Würfeln und ab ca. 1370 auch das Kartenspielen verboten wurden. Manchen wollte man das Spielen dennoch genehmigen: Während in einer Verordnung Nördlingens 1426 das Karnöffel-Spiel (Vorgänger vieler Kartenspiele nördlich der Alpen) für die Bevölkerung noch verboten war, wurden die Stadtverordneten hiervon (zunächst) ausgenommen, denn es handele sich um ein Trumpfspiel, das dem Schachspiel ähnele und folglich (für Gebildete?) kein Glücksspiel sei.
Kartenspiele wie Skat, Bridge, Canasta usw. zählen nicht zu den Glücksspielen. Schauen Sie sich die zugehörigen Spielkarten jeweils am ersten Sonntag im Monat an im Schaudepot, Schönbuchstraße 32 (nächstes Mal am 3. Mai) bzw. mittwochs jeweils von 14 bis 17 Uhr. Ankündigung: Am 10. Mai um 14 Uhr wird die neue Ausstellung „Im Takt der Blätter - das Phänomen Spielkarte und die Musik“ eröffnet. Termin bitte vormerken! www.foerderverein-spielkartenmuseum.de, spielkartenmuseum@le-mail.de, Tel. 0711 7560 120.