Die im Schefflenzer Frühling des Jahres 1846 geborene Schriftstellerin Augusta Bender verließ die Enge des Dorfes mit 16 Jahren. Sie versuchte in verschiedenen Berufen ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Deshalb arbeitete sie am Telegrafenamt in Karlsruhe, studierte in Heidelberg, reiste zwischen 1871 und 1897 insgesamt neunmal von Deutschland nach New York und zurück; lebte 11 Jahre in Eberbach a.N. und 14 Jahre in Baden-Baden/Lichtental. Sie starb 1924 verarmt in Mosbach, wo ihr ein Ehrengrab eingerichtet wurde.
Hauptpersonen ihrer Romane, Novellen, Berichte und Gedichte waren immer Frauen. Sie entwickelte dazu ihre uns heute noch berührende Sprache:
„Regina Bauer saß in ihrem Dachstübchen in der Villa Hasenklee und sah hinab auf den jenseits der Landstraße dahinschleichenden Fluss, der vom warmen Lichte der Augustsonne gesättigt eine bronzene Färbung hatte.“ (blb KA, Nachlass K 2071)
Da sie hochbegabt war, konnte sie sich mit den Oberschefflenzer Verhältnissen nicht begnügen. Ihren „Bildungshunger“ stillte sie mit Friedrich Schiller. Sie lernte Hochdeutsch sprechen und wurde Lehrerin für „Höhere Töchterschulen“. Angesichts des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 wandte sie sich gegen den Militarismus. Angesichts der frühkapitalistischen Verhältnisse forderte sie, dass Arbeiter- und Frauenbewegungen gemeinsam für ihre Emanzipation kämpfen sollten.
Augusta Bender wollte Frauen „mit einem Gefühl der universellen Schwesternschaft inspirieren. Denn, wie die Internationale Liga der Sozialdemokraten, sollten auch Frauen überall spüren, dass die allgemeinen Sorgen über ihre speziellen hinausgehen. … Wenn dieser Militarismus und diese Bürokratie anhalten und in der Zukunft so funktionieren, wie sie es in den letzten zehn Jahren getan haben, dann sehe ich keine Hoffnung auf bessere Zeiten. Außer: in einer universalen Entschlossenheit der Frauen, nicht mehr so dumm zu sein, um Söhne für Kanonenfutter zu gebären. In der Tat gibt es keine Garantie für jegliche Freiheit, solange sie nicht von allen geteilt wird.“ (Boston, USA 1883; CD 3 – Portrait, S. 91)
Ihre geistige Heimat ersetzte die real nicht vorhandene. Am Strand von Long Island dichtete sie: „Warum sollte ich auf dem heißen weißen Sand sitzen und auf die turbulente See starren. Warum sollte ich mich nach meinem Mutterland sehnen, wo sich niemand für mich interessiert!“ (CD 3 – Portrait, S. 98)
Ihre Themen sind heute anschlussfähig. Das Literatur-Museum am Marktplatz in Oberschefflenz bietet Bilder, Texte und Veranstaltungen, um in Augusta Benders Sinn aktiv zu werden. Herzliche Einladung – geöffnet jeden Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr.


