
Es hat eine Weile gedauert, bis man sich des Ernstes der Lage bewusst geworden ist. Bereits Ende des Vorjahres machte die Runde, dass ein Gutachten die Schließung des Mosbacher Kreiskrankenhauses empfiehlt. Angesichts des jährlichen Millionendefizits für den Neckar-Odenwald-Kreis als Träger entstand mehr als eine Drohkulisse für die medizinische Versorgung in der Großen Kreisstadt – circa 1.500 Menschen kamen für deren Erhalt am Freitagnachmittag (31.01.) zusammen.
Zu der Großdemonstration hatten die Fraktionen des Mosbacher Gemeinderats gemeinsam aufgerufen. Am Mosbacher Marktplatz begrüßte Hartmut Landhäußer die Teilnehmenden, unter denen auch die Klinik-Geschäftsführung war. Er unterstrich das gemeinsame Interesse über die Parteigrenzen hinweg am Erhalt der Kliniken sowohl in Buchen als auch in Mosbach.
Den ersten Wortbeitrag der Kundgebung hielt Oberbürgermeister Julian Stipp. Er zeigte sich „erstaunt, dass wir heute hier stehen müssen!“ – wo sich doch noch vor etwa eineinhalb Jahren bei den Wahlen zum Kreistag sämtliche Parteien unisono zu beiden Standorten bekannt hätten. Ebenso kritisierte der Rathauschef, dass bisher noch keine vollständige Offenlage des betreffenden Gutachtens erfolgt sei.
Für die CDU-Stadtratsfraktion sprachen Bettina Knapp und Sabine Kress. Man stehe hier auch für diejenigen, die nicht demonstrieren können, aber am meisten auf das Klinikum angewiesen sind.
Für die Freien Wähler sprach mit Dr. Gunther Leibfried ein niedergelassener Facharzt, der vor „katastrophalen Folgen“ eines Wegfalls warnte. Etwa bei einem Schlaganfall käme es auf jede Minute an – von „laienhaften Politikern“ werde derweil Druck auf Kostenersparnis und vermeintliche Effizienz erzeugt.
Maren Fütterer, die auch dem Kreistag angehört, betonte für die Grünen, dass Politik nicht „im stillen Kämmerlein“ stattfinden dürfe. Beide Häuser müssten bestehen bleiben und noch sei keine Entscheidung getroffen, weshalb sie appellierte, über den Tag hinaus weiterzukämpfen.
Für die SPD unterstrich Wolfgang Roth, dass wirtschaftliche Zahlen niemals über Menschenleben gestellt werden dürften. Der Aussagewert eines Gutachtens stünde schon dadurch in Zweifel, dass Optionen für den Erhalt beider Klinikstandorte gar nicht behandelt worden seien. Ohnehin würde ein neuer Bettentrakt am Standort Buchen um die 40 Millionen Euro kosten, so Roth.
Musikalisch lautstark und mit kräftigen Rhythmen umrahmt wurde die Kundgebung durch den Spielmannszug Lohrbach. Obwohl rund dreimal mehr Teilnehmende kamen, als man erwartet hatte, blieb die Demonstration in durchweg friedlicher Stimmung. Ebenso sammelte man Unterschriften für den Klinikerhalt. Ferner wurde zur Teilnahme an einer Bürgerinformation des Landkreises aufgefordert, die am Montag, dem 02.03., um 18 Uhr in der Alten Mälzerei stattfinden soll. (frh)