Am vergangenen Samstag, 25. April 2026, öffnete der Zweckverband Abwasserreinigung Primtal nach zehn Jahren wieder seine Türen für die breite Öffentlichkeit. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus den Verbandsgemeinden nutzten bei bestem Frühlingswetter die Gelegenheit, einen Einblick in die Arbeit der modernen Abwasserreinigung zu erhalten.
Neben Mitgliedern des Verwaltungsrats und der Verbandsversammlung konnten auch zahlreiche Gemeinde- und Ortschaftsräte, ehemalige Bürgermeister und Ortsvorsteher sowie Vertreter der Presse willkommen geheißen werden. Die hohe Besucherzahl unterstrich das große Interesse an der wichtigen, oft im Hintergrund arbeitenden Infrastruktur.
Der letzte Tag der offenen Tür fand im Jahr 2016 statt und stand im Zeichen der Erweiterung der Kläranlage sowie der Optimierung der Regenwasserbehandlung. Noch im selben Jahr wurde der Beschluss zum Neubau eines Faulturms gefasst – ein Projekt, das die Anlage nachhaltig prägen sollte.
Nach Projektbeginn im Jahr 2017 und der Genehmigung 2018 kam es zunächst zu einer Verzögerung, da die ersten Ausschreibungsergebnisse deutlich über den Erwartungen lagen. Die Zwischenzeit wurde jedoch sinnvoll genutzt: So wurde unter anderem die Brücke zur Kläranlage in den Jahren 2021 bis 2022 umfassend erneuert. An den Kosten beteiligte sich neben den Verbandsgemeinden auch die Stadt Rottweil.
Mit der Vergabe der Bauleistungen im Jahr 2022 konnte das Projekt schließlich fortgeführt werden. Es folgte die Bauphase bis 2024, die Inbetriebnahme des neuen Faulturms erfolgte Ende desselben Jahres. Nach weiteren Restarbeiten im Jahr 2025 wurde das Projekt nun im Jahr 2026 offiziell vorgestellt. Die Investitionssumme beträgt rund 3,09 Millionen Euro.
Die Kläranlage Neufra, die seit den 1970er-Jahren besteht und kontinuierlich erweitert wurde, ist heute auf rund 39.000 Einwohnerwerte ausgelegt. Der neue Faulturm stellt einen zentralen Bestandteil der Schlammbehandlung dar.
Bei der sogenannten anaeroben Schlammstabilisierung wird der anfallende Klärschlamm unter Ausschluss von Sauerstoff behandelt. Dabei bauen Mikroorganismen organische Bestandteile ab und erzeugen Faulgas mit einem Methangehalt von etwa 62 Prozent. Dieses Gas wird in einem Blockheizkraftwerk zur Energiegewinnung genutzt und trägt zur Eigenversorgung der Anlage bei. Rund 29 Prozent des Strombedarfs können so gedeckt werden.
Der neue Faulbehälter arbeitet bei konstanten Temperaturen zwischen 35 und 38 Grad Celsius und sorgt für eine effiziente und nachhaltige Behandlung des Schlamms. Jährlich werden etwa 156.000 Kubikmeter Faulgas erzeugt, was einem Energiegehalt von rund 970.000 Kilowattstunden entspricht.
Ein besonderer Vorteil des Neubaus war, dass dieser parallel zum laufenden Betrieb errichtet werden konnte. Die Abwasserreinigung war somit zu keiner Zeit eingeschränkt.
Ein besonderer Programmpunkt war die symbolische Pflanzung eines Baumes. Dieser steht sinnbildlich für den Zweckverband: Die Wurzeln repräsentieren die starke Verankerung in der Region, der Stamm steht für klare Entscheidungen und gute Zusammenarbeit, während die Krone den Blick in die Zukunft und die vielfältigen Aufgaben der Abwasserreinigung symbolisiert.
Im Anschluss an die Begrüßung wurden Führungen über die Kläranlage und insbesondere durch den neuen Faulturm angeboten, die auf großes Interesse stießen. Fachliche Erläuterungen durch das beteiligte Ingenieurbüro ergänzten die Einblicke in die Technik.
Für die Bewirtung sorgte die Feuerwehr Neufra mit Unterstützung der Feuerwehr Aldingen. Die musikalische Umrahmung übernahmen die „Eschachtäler“ und trugen zu einer rundum gelungenen Veranstaltung bei.
Der Zweckverband Abwasserreinigung Primtal bedankt sich bei allen Projektbeteiligten, Helferinnen und Helfern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kläranlage für ihr Engagement. Ebenso gilt der Dank allen Besucherinnen und Besuchern für ihr großes Interesse.
Der Tag der offenen Tür hat eindrucksvoll gezeigt, wie bedeutend eine leistungsfähige und nachhaltige Abwasserreinigung für die Region ist – auch wenn sie im Alltag meist im Verborgenen arbeitet.
