
„Wenn Menschen sich gemeinsam bewegen, bewegt sich mehr als nur der Körper“, so die Erfahrung von zwanzig Frauen und Männern bei der wöchentlichen Agenda-Gruppe „Begegnung in Bewegung“, die sich seit November 2023 in Hockenheim trifft. Bei den regelmäßigen Treffen ist die Gruppe eineinhalb Stunden zusammen, es wird gemeinsam gelaufen, innegehalten und neue Kraft geschöpft – körperlich, seelisch und sozial. „Begegnung in Bewegung“ ist Teil der Agenda Hockenheim, die sich an den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) orientiert. Die Motivation der beiden Initiatorinnen Nicola Höfs und Gisela Heinzelmann ist die Frage nach einem gelungenen Leben, die mit jeder neuen Lebensphase neu gestellt und beantwortet werden muss.
Begonnen wird stets mit einem kurzen Austausch über die vergangene Woche und einem Gedicht entsprechend der Jahreszeit. Das Laufen wird unterbrochen durch Achtsamkeitsübungen, die durch Rollenkarten von den Teilnehmern selbst angeleitet werden. Weitere Bausteine sind Line Dance, Dehn- und Meditationsübungen: alles wirksame Bausteine, die Seele, Gehirn und Körper beflügeln.
Soziale Interaktion ist die Kunst, im Älterwerden aktiv, gesund, offen und verbunden zu bleiben. Es geht nicht um sportliche Hochleistung, sondern um bewusstes Gehen, das Wahrnehmen der Umgebung, das Spüren des eigenen Atems und ganz einfach darum, mit anderen ins Gespräch zu kommen. All diese Momente machen die Treffen besonders.
Wer einer Gemeinschaft angehört, gewinnt die Sicherheit, die Herausforderungen einer neuen Lebensphase im eigenen Tempo und Rhythmus bewältigen zu können. Wer sich regelmäßig bewegt, erlebt: Ich kann etwas tun – für meine Gesundheit, für mein Wohlbefinden und für meine Fitness. Zahlreiche Studien bestätigen, dass Bewegung nicht nur die körperliche Fitness verbessert, sondern auch Selbstvertrauen und seelische Widerstandskraft stärkt, daher unterstützen Gesundheitssysteme Fitness und Prävention.
Das eigentliche Herzstück der Initiative sind die Begegnung, die Bewegung, der Austausch oder auch eine Umarmung. Durch Begegnungen mit Menschen, in deren Gemeinschaft man sich wohlfühlt, werden Neurotransmitter aktiviert. „Umarmen Sie einen Freund 20 Sekunden, und Sie werden mit Oxytocin überschüttet. Jemanden loben, das bringt Dopamin, und gemeinsames Lachen Endorphine. Bewegung und Aktivität regeln den Adrenalinhaushalt und bauen Stress ab“, so Nicola Höfs.
Beim gemeinsamen Gehen entstehen Gespräche, die in anderen Kontexten oft keinen Raum finden. Es wird viel gelacht und immer wieder spürt man: Gemeinschaft tut gut. In einer Zeit, in der viele Menschen sich nach Zugehörigkeit sehnen, schafft die Gruppe einen Ort, an dem man sich gesehen und gehört fühlt.
Das Thema Einsamkeit prägt unsere Gesellschaft. Rund 20 Prozent der Menschen in Deutschland bezeichnen sich als einsam. Das sind fast 13 Millionen Menschen. Die Zahlen sind steigend, aber es geht nicht um Statistik, sondern darum, dass das Thema in der Gesellschaft angekommen ist.
Einsamkeit betrifft Jung und Alt: Jugendliche, die viel im Netz unterwegs sind, verlieren den Kontakt zum realen Leben. Sie fühlen sich zunehmend vereinsamt. Am anderen Ende des Lebensbogens sind oft Lebenspartner nicht mehr da, Krankheiten verändern das Leben, der Eintritt in eine neue Lebensphase führt zur Einsamkeit, die zu Depressionen und dem weiterem sozialem Rückzug führt.
Wichtig ist es, sich selbst und andere zu ermutigen, mit anderen Menschen Bindungen einzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Dazu muss man sich im realen Leben begegnen. Es ist dringend, Vereine zu unterstützen und Orte zu fördern, wo Menschen sich begegnen können. Ein sinnvolles Leben bedarf Struktur, Begegnung und Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Länder, in denen Menschen besonders alt werden, sind geprägt durch Gemeinschaftsgefühl wie z.B. Island.
„Begegnung in Bewegung“ ermutigt die Teilnehmer, dem Leben offen zu begegnen, mit der Welt und Menschen in Verbindung zu treten und damit die eigene Lebensqualität zu steigern.
Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft in allen Agenda-Gruppen Hockenheims zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur in Energiefragen oder Klimaschutz ihren Niederschlag findet, sondern auch im zwischenmenschlichen Verhalten. Wer achtsam mit sich umgeht, begegnet auch anderen und der Umwelt mit mehr Respekt. Begegnung fördert Resilienz, Zugehörigkeit und Sinn – Werte, die in einer älter werdenden Gesellschaft von wachsender Bedeutung sind.
Wann: jeden Donnerstag 11.00 bis 12.30 Uhr
Wo: großer Spielplatz Dresdner Straße im Landesgartenschaugelände
Was erwartet Sie: Gehen in Gemeinschaft, Achtsamkeitsübungen, Austausch und Impulse für mehr Lebensfreude im Leben
Für wen: Menschen die für Begegnung und Bewegung offen sind
hoefs.nicola@web.de