Nussbaum-Logo
NUSSBAUM+
Tiere, Natur & Umwelt

Halloween im Mai

Gruslig weiße Spinnweben in den Büschen, die im Wind hin und her bewegt werden … gar nicht auszudenken, wie das im Mondlicht wirken würde … jede...
Ein Pfaffenhütchen im Mai: abgefressen von Gespinstmotten-Raupen. Rechts derselbe Strauch 4–6 Wochen späterFoto: privat

Gruslig weiße Spinnweben in den Büschen, die im Wind hin und her bewegt werden … gar nicht auszudenken, wie das im Mondlicht wirken würde … jede Halloween-Party wäre stolz auf den Schauder-Effekt. Die dicht silbrig eingesponnenen Zweige, die manche Sträucher im Mai und Juni tragen, sind Nester von Gespinstmotten. Das sind kleine Schmetterlinge, die zu dieser Zeit im Jahr als Raupe ihren großen Auftritt haben. Als Mini-Würmchen überwintert müssen sie warten, bis ihre Futterpflanzen (gerne z. B. Pfaffenhütchen oder Traubenkirschen) gut ausgetrieben haben und Blattmasse bieten. Dann starten sie durch, fressen, wachsen und häuten sich mehrfach und wären natürlich leckere Beute für diverse Jäger, die gerade Eiweiß für sich und ihre Jungen brauchen. Um sich vor Zugriff zu schützen, spinnt sich immer gleich eine ganze Gruppe Räupchen in die auffälligen Seidenweben ein und futtert darunter den Zweig, oder je nach Anzahl auch gleich den ganzen Strauch gemütlich ab. Ziehen sich die Raupen nach einiger Zeit zur Verpuppung Richtung Boden zurück, steht unter Umständen ein Skelett da.

Doch das Ganze ist von der Natur sehr klug getaktet und schadet dem Strauch normalerweise nicht. Da der Fraß rechtzeitig vor der Sommersonnenwende um „Johanni“ endet, treibt er mit dem danach benannten „Johannistrieb“ wieder neu durch und schon kurze Zeit später ist er so grün wie zuvor, zumal die Raupen einen Teil dessen, was sie fressen, als Kotkrümel = Düngung der Pflanze direkt zurückgeben. Gleichzeitig tragen die leckeren Raupen selbst zum großen Ganzen bei und haben einen ökologischen Sinn. Denn natürlich schützt das Gespinst nicht 100 Prozent und die ein oder andere wird eben doch verfüttert. Auch der Weg zur Verpuppung kann in den Schlund eines Vogels, Igels, einer Eidechse oder Spitzmaus führen. Am gefährlichsten leben dann sicher die kleinen Schmetterlinge, deren Aufgabe es ist, mit untrüglichen Sinnen einen neuen geeigneten Strauch für die Raupen des nächsten Jahres zu finden.

Erscheinung
Karlsdorf-Neutharder Nachrichten
NUSSBAUM+
Ausgabe 20/2026
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
Orte
Karlsdorf-Neuthard
Kategorien
Panorama
Tiere, Natur & Umwelt
Passende Themenseiten
Arbeitstitel: BW verbindet
Freizeit & Unterhaltung
Freizeit & Unterhaltung
Tiere, Natur & Umwelt
Tiere, Natur & Umwelt