Nussbaum-Logo

//Hartmut Esslinger und das Wohnquartier „The Hill“ in Bad Wildbad//

Design trifft Schwarzwald Der Blick schweift weit über den Kurort und die bewaldeten Hänge, am Hang glänzen große Glasflächen in der Sonne, dazwischen...
Moderner Blickfang am Hang: Von der Straße aus zeigt sich „The Hill“ mit klarer Architektur und viel Holz – ein Quartier, das sich offen und hell in die Landschaft einfügt.Foto: Maren Moster

Design trifft Schwarzwald

Der Blick schweift weit über den Kurort und die bewaldeten Hänge, am Hang glänzen große Glasflächen in der Sonne, dazwischen viel Holz, helle Farben, offene Wege. Wo früher das Wernerheim stand, ist ein neues Wohnquartier entstanden – modern, offen, nachhaltig. Es trägt den Namen „The Hill“, kostete rund 27 Millionen Euro – und trägt sichtbar die Handschrift eines der bekanntesten Designer Deutschlands: Hartmut Esslinger, Mitgestalter des ersten Apple Macintosh und Berater von Steve Jobs. „Es war schon ein langer Weg“, sagt Esslinger mit einem Lächeln, als er auf die Gebäude am Sophienweg blickt. „Aber am Ende war und ist es ein schönes Wohnquartier geworden.“

Ein Stück Kalifornien im Schwarzwald

Dass es nicht einfach nur ein Neubauprojekt ist, spürt man an vielen Stellen: Die gewellte Fassade zur zentralen Plaza etwa, die hellen Eingänge, die barrierefreie Bauweise, das offene Treppenhaus, der Spielplatz in der Mitte. Alles wurde mit Bedacht gestaltet – funktional, freundlich, inklusiv. „Design und Funktion sind nicht trennbar“, sagt Esslinger. „Mein Schwager ist beispielsweise auf den Rollstuhl angewiesen – da war für mich klar: Barrierefreiheit muss von Anfang an mitgedacht werden.“ Jede Wohnung ist schwellenlos, alle Türen breiter als üblich, auch kindgerechte Geländer und barrierefreie Zugänge wurden umgesetzt.

„The Hill“ – das ist für Esslinger und seine Frau Patricia Roller, gebürtig aus Bad Wildbad, mehr als ein Bauprojekt. „Wir wollten etwas zurückgeben. Wir sind mit der Region verbunden, wir leben regelmäßig hier.“ Schon 2005 hatten die beiden den stark verfallenen Schwarzwaldhof erworben, umgebaut und ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet. „Als Stützpunkt für die Familie“, sagt Esslinger. „Wir waren es leid, im Hotel zu wohnen – wir sind eine lebhafte Familie!“

Planung mit Haltung

Die Idee für „The Hill“ entstand noch vor Corona, der erste Spatenstich erfolgte im November 2021. Jetzt, rund vier Jahre später, ist der Bau fertiggestellt – im Zeit- und Kostenrahmen. Auf rund 7.700 Quadratmetern Grundstücksfläche entstanden 45 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen mit 65 bis 138 Quadratmetern, sieben Doppel- und Reihenhäuser mit bis zu 161 Quadratmetern, eine Tiefgarage mit 70 Stellplätzen sowie zwei Gewerbeeinheiten mit rund 1.000 Quadratmetern Fläche. Das Fitnessstudio „Gym-24“ samt Therapiezentrum haben im Juli eröffnet.

Entworfen wurde das Quartier vom Architekturbüro Lieb aus Freudenstadt, die Bauleitung übernahm das Ingenieurbüro Tubach aus Calmbach. Die Gebäude sind in Hybridbauweise mit viel Holz errichtet, erfüllen den KfW-55-Standard und werden mit einem Blockheizkraftwerk versorgt. Fußbodenheizung, Echtholzparkett, Smart-Home-Optionen und Glasfaser gehören zur Grundausstattung. „Wir wollten Qualität – und wir wollten regional bauen“, betont Esslinger. Alle Gewerke wurden an Firmen aus Bad Wildbad oder den umliegenden Landkreisen vergeben. Die Dämmung stammt aus der Region, das Tragwerk ist zum Großteil aus Holz. „Schwarzwälder Substanz“, wie er sagt.

Die Plaza als Herzstück

Im Zentrum des Quartiers liegt eine öffentliche Plaza – mit Bänken, Spielbereich, viel Licht. „Plätze sind wichtig“, sagt Esslinger. „Sie schaffen Raum für Begegnung.“ Ursprünglich war ein anderer Baukörper geplant, doch Esslinger setzte sich für einen Rücksprung ein, damit die Plaza entstehen konnte. Auch der neue Fußweg zur Charlottenstraße geht auf seinen Wunsch zurück: „Ich will, dass die Menschen durchlaufen. Dass Kinder hier zur Schule gehen können. Dass dieser Ort lebt.“

Tatsächlich wirkt das Quartier bereits lebendig. Mehr als die Hälfte der 52 Wohneinheiten ist bereits bewohnt, darunter Familien, Paare, Alleinstehende, Rentner. Zwei Wohnungen stechen besonders hervor: Sie sind im typisch amerikanischen Stil gebaut – mit einem zentralen Badezimmer zwischen den beiden Schlafzimmern. Esslinger schmunzelt: „Die gibt es, obwohl die Architekten anfangs großen Widerstand geleistet haben.“

Architektur mit Idee

Nichts an „The Hill“ wirkt zufällig. Selbst die Farbe der Türen – ein spezieller Grauton – wurde eigens festgelegt. Auch die Holzfußböden, die Ausstattung der Bäder, die Position der Fenster: alles durchdacht. „Man sieht es vielleicht nicht auf den ersten Blick“, sagt Esslinger, „aber man merkt es. Es passt einfach. Nichts ist dem Zufall überlassen.“ Für ihn ist Gestaltung nie nur ästhetisch. „Design muss an den Menschen angepasst sein. Die Sozialbalance, die Kosten, die Umwelt – das sind alles wichtige Aspekte.“ Aspekte, über die er auch mit Steve Jobs sprach – und die bis heute seine Arbeit prägen.

Ein royaler Straßenname

Auch die Adresse des Projekts erzählt Geschichte: Die neu geschaffene Straße heißt Sophienweg – benannt nach Sophie Friederike Mathilde Prinzessin von Württemberg (1818–1877), Tochter von König Wilhelm I. und der russischen Großfürstin Katharina Pawlowna. Sophie heiratete 1839 ihren Cousin Wilhelm III., später König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg. Von 1849 bis 1877 war sie Königin der Niederlande. Ihre Mutter wiederum war Initiatorin des Katherinenstifts von Wildbad – und liegt heute in der Grabkapelle auf dem Rotenberg in Stuttgart begraben. So verbindet „The Hill“ Geschichte und Zukunft, Schwarzwald und Kalifornien, Design und Heimat. Ein Wohnquartier, das mehr ist als die Summe seiner Wohnungen.

Designer bleibt Designer

Hartmut Esslinger denkt auch mit über 80 nicht ans Aufhören. Im Oktober bringt er ein neues Projekt auf den Markt: Vier Class-D-Verstärker für digitale Audiosignale – entwickelt in Dänemark, gestaltet mit seiner Handschrift. Technik, Gestaltung, Funktion – das ist seine Welt. Und vielleicht ist genau das der rote Faden in seinem Leben: Die Welt ein bisschen besser zu gestalten. Nicht laut, nicht schrill – sondern durchdacht, klar, funktional. So wie „The Hill“. (mm)

Erscheinung
Wildbader Anzeigenblatt mit Calmbacher Bote und den Amtlichen Bekanntmachungen von Enzklösterle
NUSSBAUM+
Ausgabe 33/2025
von Stadt Bad WildbadRedaktion NUSSBAUM
12.08.2025
Orte
Bad Wildbad
Enzklösterle