Berlin. Der Kirschlorbeer steht in vielen Gärten und öffentlichen Grünanlagen als Hecke oder Sichtschutz. Doch die immergrüne Pflanze gilt als potenziell invasiv und ist ökologisch alles andere als wertvoll. Corinna Hölzel, Pestizid- und Gartenexpertin beim Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), erklärt, warum und zeigt Ihnen sieben Alternativen zum Kirschlorbeer.
Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) ist eine immergrüne Zierpflanze, die schnell wächst, trockene Sommer gut verträgt und ursprünglich aus Kleinasien stammt. „Obwohl die Pflanze sehr beliebt ist, bringt sie erhebliche ökologische Risiken mit sich. Kirschlorbeer ist deshalb auf der nationalen Liste der potenziell invasiven Pflanzen. In der Schweiz ist der Verkauf von Kirschlorbeer sogar bereits verboten“, erklärt Corinna Hölzel.
Alle Pflanzenteile des Kirschlorbeers enthalten giftige cyanogene Glykoside (Blausäure). Besonders die Beeren können für Kinder und Haustiere gefährlich sein. Auch bei der Gartenarbeit ist Vorsicht geboten, da das Schneiden reizende Stoffe freisetzen kann. Der Kirschlorbeer verrottet sehr schlecht. Wegen der Blausäure ist das Schnittgut nicht für den Kompost zu empfehlen. Der Kirschlorbeer-Schnitt sollte deswegen in kommunalen Wertstoffhöfen entsorgt werden.
Corinna Hölzel: „Auch der ökologische Nutzen von Kirschlorbeer ist gering. Er gibt nur wenigen einheimischen Tieren Nahrung oder Lebensraum. Die Blüten bieten wenig Nektar und Pollen für Wildbienen oder Schmetterlinge. Seine Blätter sind für Raupen oft giftig oder ungenießbar. So leistet der Kirschlorbeer keinen Beitrag gegen das Insektensterben.“
Ein weiteres Problem für die Natur: Der Kirschlorbeer ist sehr konkurrenzstark. Da er giftig ist, können ihn Tiere nicht essen und er breitet sich ungehindert aus. Besonders im Wald ist das ein Problem. Häufig wird der Kirschlorbeer-Grünschnitt dort entsorgt und kann sich ungehindert ausbreiten und heimische Sträucher und Krautpflanzen verdrängen.
Leider haben fast alle Gartenmärkte den Kirschlorbeer noch im Sortiment, ohne auf die Risiken hinzuweisen. Dabei gibt es heimische und ökologisch wertvolleAlternativen zum Kirschlorbeer.
Der Kirschlorbeer mag auf den ersten Blick als pflegeleichte und immergrüne Pflanze attraktiv erscheinen, doch seine negativen ökologischen Auswirkungen überwiegen.
Corinna Hölzel: „Wenn Sie einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten möchten, können Sie bei Gartenhecken auf heimische Gehölze, Wildstauden und Pflanzen setzen, die nicht nur schön aussehen, sondern auch einen echten Nutzen für Insekten, Tiere und unser Ökosystem bieten.“
Hrsg.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e. V., Nicole Anton (v.i.S.d.P.), Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin
Kontakt: www.bund-rhein-neckar-odenwald.de/ueber-uns/bund-vor-ort/bund-sandhausen/


