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Theater und Orchester Heidelberg

Heidelberger Stückemarkt erfolgreich zu Ende gegangen

Letzte Ausgabe unter der prägenden Intendanz Holger Schultzes – Heidelberger Stückemarkt 2026 mit anhaltend großem Erfolg zu Ende gegangen
Das Festivalzentrum auf dem TheaterplatzFoto: Susanne Reichardt

Am Sonntagabend, 3. Mai 2026 ist der 43. Heidelberger Stückemarkt zu Ende gegangen: Mit einer Gesamtauslastung von 99 % übertraf die diesjährige Ausgabe des renommierten Festivals für Gegenwartsdramatik sogar die herausragenden Zahlen der Vorjahre. Zehn Tage am Stück zeigte es 16 Gastspiele aus dem gesamten deutschsprachigen Theaterraum sowie drei aus dem Gastland Kanada und lud seine Gäste zu 12 kostenfreien Konzerten auf dem Theaterplatz sowie DJ-Auftritten, Podiumsdiskussionen, Nachgesprächen, Workshops und Partys ein. An zwei Wochenenden wurden in Lesungen sechs für den deutschsprachigen Autor*innenpreis und vier für den internationalen Autor*innenwettbewerb nominierte Texte vorgestellt.

Dystopien, Teilhabe und neue Stimmen

Das Programm des diesjährigen Heidelberger Stückemarkts zeichnete sich durch dystopische Zukunftsvisionen namhafter Autor*innen sowie inklusive Theaterformen aus. Die Mehrzahl der eingeladenen Gastspiele setzte sich mit zwei gesellschaftlich relevanten Themen auseinander: mit Szenarien politischer und sozialer Katastrophen, vom Leben unter einer rechtsextremen Regierung bis zur Welt extremer Klassenunterschiede, sowie mit Fragen der Teilhabe, etwa der gemeinsamen Bühnensprache von Menschen mit und ohne Behinderung oder der Beteiligung gehörloser Menschen am Theater.

Den Stückemarkt in eine neue Zeit überführt

Intendant Holger Schultze erklärte zum Festivalabschluss: »Ein außergewöhnlicher Stückemarkt – nicht nur wegen der auch dieses Jahr großartigen Auslastung. Sondern auch als mein letzter als Festivalleiter und damit ein krönender Abschluss.

In den vergangenen 15 Jahren haben wir dieses Festival zu einem Ort des lebendigen kulturellen Austauschs gemacht und internationale Stimmen auf Heidelberger Bühnen geholt – 2026 mit dem Gastland Kanada. Ein Land, das mit seiner Vielschichtigkeit einen beispielhaften Abschluss bietet – besonders wichtig gerade in der aktuellen Zeit.

Es ist großartig zu sehen, dass unser langjähriges Engagement den Stückemarkt zu einer so konstanten Größe in Heidelberg und weit über die Grenzen der Stadt hinaus gemacht hat.«

Schultze nimmt dabei nicht nur Bezug auf die vielen Neuerungen, die das Festival unter seiner Leitung erfahren durfte. Dazu gehören die Einführung zahlreicher neuer Preise, die intensivierte internationale Ausrichtung oder auch die Kooperation mit dem Online-Portal nachtkritik.de, zu einer eigenen Festivalseite mit tiefgehender Berichterstattung und Kritiken.

Er knüpft auch an die Worte von Staatssekretär Arne Braun an, der zur Eröffnung des Festivals am vergangenen Freitag betonte: »Holger Schultze und sein Team haben den Stückemarkt in eine neue Zeit überführt – offen und zeitgemäß«.

Die Auszeichnungen

Mitglieder der Jury des Heidelberger Stückemarkts 2026 sind die Dramaturgin Lea Goebel, der Regisseur Ronny Jakubaschk, die Autorin Caren Jeß, Jürgen Popig, Dramaturg und Künstlerischer Leiter des Stückemarkts, sowie die Kulturjournalistin Shirin Sojitrawalla. Der Heidelberger Stückemarkt vergibt 2026 den Autor*innenpreis, gestiftet durch die Manfred Lautenschläger-Stiftung, den Internationalen Autor*innenpreis, gestiftet durch das Land Baden-Württemberg, sowie den Publikumspreis, ermöglicht durch den Freundeskreis des Theaters und Orchesters Heidelberg. Hinzu kommen der Nachspielpreis und der Jugendstückepreis für eingeladene Inszenierungen. Insgesamt werden damit 2026 fünf Preise vergeben – drei an die im Autor*innenwettbewerb nominierten Stücke und zwei weitere an eingeladene Inszenierungen.

Autor*innenpreis

Der Autor*innenpreis 2026 geht an Lennart Kos für den Text »Balance und Harmony«. In der Komödie verschlägt es eine Handvoll Gäste eines teuren Meditations-Retreats in den Eingangsbereich, wo sie ihr Schweigegelübde brechen können. Aus flüchtigen Bekanntschaften wird eine Schicksalsgemeinschaft und nicht alle verlassen das Retreat lebend.

Der Autor*innenpreis wird gestiftet durch die Manfred Lautenschläger-Stiftung und ist mit 10.000 Euro dotiert. Zu ihrer Entscheidung für »Balance und Harmony« sagt die Jury unter anderem:

»Lennart Kos’ Text […] zeichnet aus, wie er mit fast beiläufiger Komik ganz präzise freilegt, wie verloren und überfordert Menschen sind, die eigentlich nur versuchen, ihr Leben irgendwie in den Griff zu bekommen. […] Was […] sofort auffällt, ist dieses sehr genaue Theaterhandwerk. Die Figuren sind klar gezeichnet, individuell geführt, sorgfältig gebaut, ohne je konstruiert zu wirken. [Es ist der] Humor, der das Stück so außerordentlich besonders macht. Er ist nicht laut, nicht angestrengt, sondern entsteht aus sozialer Dynamik. […] unter allem liegt eine sehr klare Beobachtung unserer Gegenwart: der Wunsch nach Selbstoptimierung, nach innerer Einkehr, nach Balance. [Lennart Kos’ Text ist] Handwerklich auf allen Ebenen überzeugend gebaut.«

Internationaler Autor*innenpreis

Der mit 5.000 Euro dotierte Internationale Autor*innenpreis, gestiftet durch das Land Baden-Württemberg, geht in diesem Jahr an Erin Shields für den Text »Zum Licht« (»To A Flame« – aus dem Englischen von Ulrike Syha):

»Erin Shields hat einen beeindruckend sinnlichen Text entwickelt, der die Mittel des Theaters gleichermaßen bedingt wie herausfordert. Faszinierend ist, wie die Autorin ein Stimmungsbild dreier Schwestern kreiert, das mit subtiler Intensität auf soziale Missstände hinweist. […] Der Einsatz von Gebärdensprache ist Bedingung einer Inszenierung. So erbringt das Stück den Versuch, Sprachwelten zusammenzuführen und Verständnis zwischen Gruppen zu schaffen. »Zum Licht« ist stilistisch in hohem Maße originell und verspricht uns ein innovatives Theatererlebnis«, so die Jury.

Publikumspreis

Auch das Publikum durfte beim 43. Heidelberger Stückemarkt aus den nominierten Texten seinen Favoriten wählen. Alle Theaterstücke des Autor*innenwettbewerbs sowie des internationalen Autor*innenwettbewerbs standen zur Wahl für den Publikumspreis. 2026 geht der Publikumspreis an Fayer Koch für den Text »Herz-Emoji, Bizeps«. Mit der Ehrung verbunden ist ein Preisgeld von 2.500 Euro, gestiftet vom Freundeskreis des Theaters und Orchesters Heidelberg.

Jugendstückepreis

Gemeinsam mit einer Gruppe Jugendlicher (Lucia Brandner, Safia Faouzi, Miranda Walter, Ben Reithmann und Siyan Velez) vergibt die Jury den Jugendstückepreis 2026 andas Gastspiel des Theaters der Stadt Aalen »ich sehe was / was du nicht siehst« von Sergej Gößner in der Regie von Julius Max Ferstl.Gestiftet wird der Preis in Höhe von 6.000 Euro seit vielen Jahren von dem Heidelberger Unternehmerehepaar Bettina Schies und Klaus Korte. Die Auszeichnung ist zudem mit einer Einladung in das Rahmenprogramm der Mülheimer Theatertage verbunden. Wie schon in den beiden Vorjahren geben die Stifter außerdem wieder je 2.000 Euro für die beiden anderen nominierten Jugendstücke, »Endland« von der Schauburg München und »Ein Glücksding« vom Theater der Jungen Welt Leipzig.

Nachspielpreis

Mit Blick auf eine nachhaltige Förderung neuer Dramatik wurde 2011 der Nachspielpreis ins Leben gerufen. Den Nachspielpreis gewinnt 2026 das Stück »Wald« von Miriam V. Lesch in der Inszenierung von Katja Wachter am Theater Lübeck. »Wald« erzählt ebenso absurd-lustig wie liebevoll vom nordeuropäischen Wald, der sich Städte und Agrarflächen zurückerobert, ohne dabei in die bekannten, dystopischen Klischees vom Untergang der Gesellschaft zu verfallen. Stattdessen kommen Bäume, Pilze und Käfer selbst zu Wort. »Wald« setzte sich gegen »Blutbrot« von Miriam Unterthiner vom Theater am Werk, Wien und »faulender  Mond« von Anaïs Clerc vom Münchner Volkstheater durch. Der Nachspielpreis ist undotiert und mit einer Gastspieleinladung zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin verbunden.

Die Jury begründet diese Entscheidung wie folgt: »Selbstbewusst, verspielt, manchmal albern, nie zynisch oder belehrend gehen Text und Inszenierung das Thema der Klimaveränderung, den Konflikt zwischen Mensch und Natur an. Regisseurin & Choreografin Katja Wachter [arbeitet] mit dem fünfköpfigen Ensemble […] szenisch genau sowie eng am Text entlang, schweift aber immer wieder mit Hilfe aufwändig gearbeiteter und kraftvoll getanzter Choreografien ab oder vielmehr weiter.« Die Jury lobt des Weiteren Agnes Hamvas überzeugendes Bühnenbild, dessen Harmonie mit Spiel und Choreografie der Inszenierung sowie das überzeugende Aufgreifen der stückeigenen Themen.

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