
Sie kommen nicht zum ersten Mal „ganz unangemeldet“ ins Rathaus. Die Rede ist von den zünftig in Schwarz-Lila gekleideten Hexen, die am Schmutzigen Donnerstag den „Boijemoschda“ besuchten. Der Rathauschef freut sich schon seit seinem Amtsantritt 2012 auf deren Besuch.
In jenem Jahr stürmten die Hexen erstmals den Hemsbacher Regierungssitz. Seither versucht Jürgen Kirchner die Hexen mit einem Gläschen Sekt zu besänftigen, um seine Krawatte zu retten. Aber: Die Damen sind immer unbestechlich. So war es auch im fünfzehnten Jahr ihrer Hexengründung. Am „Schmotzigen Dunschtig“ waren die Damen, in diesem Jahr erstmals in „kleiner Formation“, im Rathaus erschienen, wo sie vom Bürgermeister bereits erwartet wurden. Nach einem Prost, mit dem obligatorischen Gläschen prickelnden Inhalts, zog Chefhexe Maria Adamik ihre Notizen aus der Tasche, um dem Rathauschef die Leviten zu lesen. Die fielen jedoch gnädig aus: „Der Bojemoschda hat ja eh net allzu viel zu lache, wesweje wir heit ä Freid dir mache.“ Auch, erklärte Adamik weiter, sei „der Job des Bürgermeisters kein einfacher“ und sie beschrieb Monat für Monat den Arbeitsplan des Bürgermeisters. Ihr Fazit: „Also, ein Jahr voller Feste.“
Im nächsten Jahr wollen sie wieder in voller „Hexenstärke“ auftreten, denn da gibt es für alle eine Urlaubssperre, versprach die „oberste“ Hexe Adamik. Sie schloss ihre Ausführungen mit einem närrischen: „Hex Hex Helau“. Dann aber wurde es ernst und die Krawatte fiel der Schere zum Opfer.
Mit einem kleinen Präsent des Bürgermeisters wurden die Hexen dann verabschiedet, die hatten aber auch eine Gegengabe mitgebracht: Die Gläschen mit den bunten Pillen für Bürgermeisters Wohlbefinden wurden aufgefüllt, „wobei wir bei den Blauen nicht sicher waren“. Dafür gab es als Ausgleich einen roten Primitivo aus Apulien, denn mit der Leidenschaft Kirchners für diese italienische Region konnten sie nichts falsch machen.
Die Damen in ihren bunten Gewändern sind im Jahr zweimal in der Hemsbacher Öffentlichkeit zu sehen: Beim Kerweumzug im Sommer, wenn sich viele Vereine mit ihren bunt dekorierten Themenwagen durch die Straßen der Altstadt schlängeln und – ihrer eigentlichen Gründungsidee entsprechend – während der „tollen Tage an der Bergstraße“. Beginnend am Donnerstag vor dem Höhepunkt des närrischen Treibens, dem „Schmotzigen Dunschtig“, wie er im Alemannischen genannt wird, ziehen die stets gut gelaunten Hexen durch Hemsbach. Das erste Ziel an diesem Tag ist immer das Rathaus, das im Sturm eingenommen und in einen Ausnahmezustand versetzt wird. Anschließend geht es weiter über den Wochenmarkt, durch das Stadtgebiet, ehe eine Pause in „Tine's Café“ eingelegt wird. (bn/red)