
Es schien fast so, als hätten die Hemsbacher darauf gewartet, dass die Zelte stehen, der Glühwein heiß wird und der Waffelduft die Luft erfüllt. Und so waren sie schon zahlreich vertreten, ehe der Weihnachtsmarkt am vergangenen Samstagnachmittag offiziell eröffnet wurde. „Da steckt ein Haufen Arbeit drin“, bedankte sich Bürgermeister Jürgen Kirchner bei den verantwortlichen Organisatoren.
Sein Dank galt aber auch denjenigen, die zum Programm beitragen sollten. Zwei von ihnen standen schon unmittelbar an seiner Seite. Für die Kinder waren sie das Highlight verständlicherweise. Das Gedränge war dicht, als die beiden die Stufen herunterkamen und begannen Äpfel zu verteilen.
Derweil zeigte ein Rundgang entlang des Angebots, was den Hemsbacher Weihnachtmarkt ausmachte. „Es ist schön, dass es so viel Handwerk gibt“, fiel auch Becky Iyen auf. Die Floristin, die seit diesem Frühjahr ihr Blumengeschäft „Bienenglück“ in der Königsberger Straße betreibt. Es sei überhaupt eine schöne Stimmung. „Sehr schöne Stände“, schwärmte sie. Iyen hatte jede Menge florale Dekoration mitgebracht. Und immerhin waren die Hemsbacher auch in Kaufstimmung. Die ersten Adventskränze waren schnell weg, wie Iyen erzählte. Ähnlich erging es Lucia Engelsdorfer. „Bei den großen Größen bin ich schon total ausverkauft“, sagte sie mit Blick auf die selbstgestrickten Socken. Dass es nicht wahnsinnig kalt war und die Füße folglich nicht einfroren, störte die Käufer offenkundig nicht. „Ich verkauf’ die auch im Sommer“, erzählte Engelsdorfer.
Selbstgemachtes gab es auch bei Clara, Ida, Charlotte und Marlen. Die vier Turnerinnen waren am Stand der Geräteturnabteilung des TV Hemsbach anzutreffen. „Wir haben Plätzchen und Marmelade und Cakepops“, erzählten sie. Alles natürlich aus eigener Herstellung in den Küchen von Eltern, Kindern und Trainern. Alle würden mithelfen und entweder den Stand füllen, Schichten übernehmen oder beim Auf- und Abbau helfen, erzählte Trainerin Jacqueline, die zusammen mit Paul die vier jungen Turnerinnen unterstützte. „Die Kinder freuen sich immer sehr, hier zu verkaufen“, erzählten sie. Die diesjährige dritte Teilnahme sollte wieder für gefüllte Kassen sorgen. „Damit kaufen wir dann neue Trainingsanzüge oder T-Shirts“, so Jacqueline. Und nein, kalt war den vier jungen Mädels nicht unter ihren dicken Mützen.
Von den sehr gemäßigten Temperaturen ließen sich die echten Weihnachtsmarktgänger nicht abschrecken – erst recht nicht, was den Genuss anging. „Die Menschen sind ja froh, wenn es Würschtl und Glühwein gibt“, lachte Verkehrsvereinsvorsitzende Jutta Böhler. Entsprechend durfte sie auch gleich die nächsten Besucher füllen. Das fiel allerdings auf: Im Gegensatz zu vergangenen Jahren gab es weitaus mehr Bewirtungsangebote. Gab es früher einen Caterer, der sich für Essen und Trinken verantwortlich zeigte, waren es nun weit mehr. Davon profitierte auch der Abitur-Jahrgang des Bergstraßengymnasiums. Catharina, Benjamin und Zina backten Waffeln und zapften Glühwein. Natürlich für den guten Zweck: Der Abiball muss schließlich finanziert werden.
Es war ungezwungen und friedlich im Anblick des beleuchteten Rathauses. Und trotz der vielen Menschen durchaus etwas besinnlich. Ganz im Gegensatz zum Tag zuvor. Da hatten Hemsbacher Kinder die aufgestellten Weihnachtsbäume geschmückt. „Da war richtig was los. Es hat Spaß gemacht, zuzuschauen“, sagte Bürgermeister Jürgen Kirchner. Doch er fand auch leise Worte. Bei all den Nachrichten, die nachdenklich oder sogar Angst machten, dürfe man nicht davor zurückschrecken, solche Märkte stattfinden zu lassen, so der Bürgermeister. (cs)


