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Hemsbachs Stadtseniorenrat: Seit 15 Jahren Angebote für Golden Ager

Zufrieden sind sie durchaus. „Wir beklagen uns nicht. Unser Angebot wird gesehen in der Stadt“, sagt Karl-Heinz Arnold, Vorsitzender des Hemsbacher...
V.l.: Karl-Heinz Arnold und Christa Hohenadel sind die Vorsitzenden des Stadtseniorenrats. Seit der Gründung sind sie dabei. Und beide haben Wünsche.Foto: cs

Zufrieden sind sie durchaus. „Wir beklagen uns nicht. Unser Angebot wird gesehen in der Stadt“, sagt Karl-Heinz Arnold, Vorsitzender des Hemsbacher Stadtseniorenrats. Aber ein bisschen mehr Unterstützung vor Ort – auch in der Verwaltung –, die wäre schon schön, finden er und Christa Hohenadel, die im Vorstand zweiten Vorsitz und das Amt der Schriftführerin in sich vereint. Gemeinsam mit vielen anderen Ehrenamtlichen bieten sie den Älteren in der Stadt ein breites Angebot.

Der Stadtseniorenrat ist mitten in der Pubertät. Im Februar dieses Jahres wurde er 15 Jahre alt. Wobei man rechtlich nicht existiere, grinst Karl-Heinz Arnold. Unter dem damaligen Bürgermeister Volker Pauli sei der Rat an die Verwaltung angedockt worden, firmiere daher nicht als Verein. „Aber das funktioniert“, findet Christa Hohenadel. Man habe ein kleines Budget, über das man verwalten dürfe. Seit 2011 lebt dieses System. „Das war damals chic und wurde vom Land empfohlen“, sagt Arnold über die Hintergründe der Gründung. Das Land sei es auch gewesen, das entsprechende Veranstaltungen zum Aufbau eines solchen Gremiums angeboten habe. In Hemsbach kam ungefähr ein Dutzend Gründungsmitglieder zusammen, Hohenadel gehörte dazu. Arnold sagt, er sei anfangs Mitläufer gewesen, ehe er 2014 aus den Händen von Reinhard Küßner den Vorsitz übernommen hat. Seitdem entwickeln sie zusammen mit weiteren ca. 16 Aktiven des Seniorenrats und Ehrenamtlichen das Programm. Schach, Wandern, Radfahren, Babbelbank oder das Reparatur-Café sind dabei regelmäßige Termine, hinzukommen Vorträge zu interessanten Themen oder auch die Einladung zum Frühstück in Kooperation mit dem AWO-Ortsverein Hemsbach.

Einiges bleibt, anderes geht

Es ist eine Mischung aus Information, Freizeitgestaltung und Hilfe. Insbesondere die Freizeitangebote scheinen dabei besonders regen Zuspruch zu erhalten. „Beim Wandern sind bis zu 40 Teilnehmer dabei“, sagt Arnold. „Den alten Menschen zur Hand gehen, das war früher der Ansatz. Aber das ist es nicht mehr“, sagt Hohenadel. Arnold erzählt von der Nachbarschaftshilfe: Wer braucht jemanden, der den Rasen mäht? Wer jemanden, der Besorgungen macht, einen Fahrdienst erledigt? Das habe sich zerschlagen. „Einiges scheiterte auch am Datenschutz“, macht er deutlich. Von Beginn an dabei ist die Techniksprechstunde. Die führte ältere Semester früher an das Mobiltelefon mit Anrufen und SMS heran, heute geht es um die vielschichtige Nutzung von Smartphone und Tablet in einer zunehmend digitalisierten Welt. Auch das Seniorenkino habe sich recht bald nach der Gründung einen Stammplatz erarbeitet, und das nicht nur, wie anfangs geplant, in der kalten, dunklen Jahreszeit, sondern während des gesamten Jahres. Und das Reparatur-Café zieht auch etliche Menschen weit über Hemsbach hinaus an. Es ist immer wieder ein Ausprobieren. Einiges bleibe, anderes gehe. Das heutige Programm habe sich genau so entwickelt.

Ein wichtiger Aspekt bei der Unterbreitung von Angeboten ist das Netzwerken. Unter den umliegenden Seniorenräten funktioniere das. Die Weinheimer hätten sich beispielsweise die Babbelbank aus Hemsbach abgeschaut. „Ich war bei ihnen wegen des Gedächtnistrainings“, erzählt Arnold frei von der Leber weg. Nur in der Stadt, da funktioniert netzwerken nicht ganz so gut. „In Hemsbach kocht jeder sein eigenes Süppchen“, sagt Hohenadel. Es sei schwer, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Ideal wäre, wenn es Kooperationen gebe, wie wir sie mit AWO, BSG oder Bücherei haben“, blickt sie vor allem auf Vereine. Die hätten selbst Angebote für Senioren. „Wir wollen auch keine Konkurrenz“, denkt die zweite Vorsitzende vielmehr in Richtung von sich ergänzender Angebote. Das gelte auch für Institutionen mit ähnlicher Zielgruppe. Dann könnte man gemeinsam einen weiteren Kreis ansprechen und eine höhere Resonanz erwirken.

Kostenfreie Angebote

Das könnte auch die Sichtbarkeit weiter erhöhen. Rein räumlich ist die etwas schwierig. „Früher waren wir in der Bachgasse“, sagt Arnold. Ungefähr mit Corona sei man dann in die städtischen Räumlichkeiten in der Schlossgasse gezogen. In der Bachgasse habe es donnerstags eine Sprechstunde gegeben, zu der die Tür offen stand – auch für jene, die einfach dort entlangliefen. „Jetzt sind wir ein bisschen ab vom Schuss“, so der Vorsitzende. Die Menschen müssen den Weg gezielt finden. Und manche finden ihn gar nicht. „Es gibt genügend, die zu Hause sitzen und wir erfahren es nicht“, macht Arnold mit Blick auf Einsamkeit deutlich. Ähnlich verhalte es sich mit jenen, die vielleicht Hilfe bräuchten. Datenschutz mache eine Unterstützung zunichte. „Weder Rathaus noch Pflegedienste dürfen etwas sagen.“ Geht es hingegen um finanzielle Motive, ermutigen er und auch Christa Hohenadel. Die überwiegende Zahl der Angebote sei kostenfrei. Und wenn es um eine Radtour mit Einkehr gehe, müsse niemand zuhause bleiben, weil er das Essen nicht bezahlen kann. Einmal habe jemand bei anderer Gelegenheit erzählt, dass er sich ein bestimmtes Angebot nicht leisten könne. „Dann haben wir den Seniorenfonds angefragt und der hat den Betrag übernommen“, zeigt Christa Hohenadel bereits einen Lösungsweg auf.

Mitstreiter gesucht

Und wie war das jetzt mit dem Wunsch nach mehr Unterstützung? Der zielt in mehrere Richtungen. Eine geht zur Verwaltung. Hemsbach könne sich keine halbe Stelle für Senioren und Familie leisten, „das ist klar“, sagt Hohenadel. Aber eine Stelle, an der es einen offiziell Beauftragten als Ansprechpartner gäbe, fänden die zwei Vorsitzenden durchaus angebracht. Derzeit verlasse man sich gänzlich auf das Ehrenamt. „Wir sind die Vertretung älterer Bürger gegenüber der Stadt und im Gemeinderat. Aber das passiert nicht“, macht Arnold deutlich, wo der Schuh ebenso drückt. Und was Hemsbach gänzlich fehle, sei eine Rentenberatung. Sie dürften zwar bei einem Antrag helfen oder auch verweisen an offizielle Stellen, „aber wir dürfen keine Beratung machen“, bedauern sie, dass Hemsbachs Senioren hier keine Hilfe vor Ort haben.

Dass man den Seniorenrat braucht, zeigt übrigens nicht nur das vielfältige Programm, das Menschen zusammenbringt und Teilhabe ermöglicht. Auch politisch hat sich der Rat bereits eingebracht. So sehen Hohenadel und Arnold den Seniorenrat als Wegbereiter dafür, dass freie Gehwege verstärkt in den Blickpunkt gerückt sind. Um all das Engagement weiter aufrechtzuerhalten, wünschen sich Christa Hohenadel und Karl-Heinz Arnold zweierlei: zum einen mehr Zuspruch von Hemsbach Golden Agern zu den Angeboten, zum anderen Mitstreiter. Jünger werden die Ehrenamtlichen nämlich nicht. Und um sich einzubringen, braucht es nicht mehr als eine Idee und die Lust, sie für einen breiteren Kreis anzubieten. Alter spielt dabei keine Rolle. „Man muss auch kein Rentner sein, um für Rentner etwas anzubieten“, grinst Karl-Heinz Arnold. (cs)

Infobox

Das gesamte Angebot des Stadtseniorenrats samt einer Übersicht über die Veranstaltungen finden Interessierte auf der Homepage des Rats unter seniorenrat-hemsbach.de. Dort gibt es auch ein Formular, um mit den Verantwortlichen Kontakt aufzunehmen.

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