
Wenn ein charmanter Pariser in der Kulturbühne Max am Klavier Platz nimmt, dann ist das mehr als nur ein Konzert – es ist eine Lektion in französischer Lebensfreude. Auf Einladung des Partnerschaftsvereins (PSV) bescherte der preisgekrönte Chansonnier Henri Muller rund 80 begeisterten Gästen einen Abend, der die Grenze zwischen Bühne und Publikum binnen Minuten auflöste. Getreu seinem Motto „Sich selbst und dem Publikum eine Freude bereiten“ hielt Muller Wort und bot ein Programm, das zwischen Melancholie und sprühender Lebensfreude pendelte.
Schon der Auftakt mit Yves Montands „Trois Petites Notes de Musique“, gefolgt von Charles Trenets Klassikern „Nationale 7“ und „La Mer“, setzte den Ton: locker, charmant und musikalisch brillant. Muller band sein Publikum von Anfang an ein. Dass er das Mitsingen recht schnell bei Gilbert Bécauds „L'important c'est la Rose“ einforderte, begründete er mit einem schelmischen Augenzwinkern: „In Bangkok haben die Leute schließlich auch mitgesungen.“ Spätestens bei „Alouette, Gentille Alouette“ gab es im fast ausverkauften Saal kein Halten mehr – Hemsbach sang aus voller Kehle mit.
Mit viel Humor plauderte der in Straßburg lebende Künstler über sein angeblich „schlechtes“ Deutsch. Er behauptete charmant, er spräche die Sprache wie eine „spanische Kuh“. Immer wenn er diese Selbstbezichtigung vorbrachte, quittierte er sie am Klavier mit einer kurzen, feurigen spanischen Melodie. Das Publikum wusste sofort, was zu tun war: Auf Mullers musikalisches Stichwort schallte ein lautstarkes und begeistertes „Olé!“ durch die Kulturbühne, was die ohnehin fröhliche Stimmung weiter anheizte.
Seine Schwester Maria aus Schriesheim helfe ihm bei den lockeren Übersetzungen und Plaudereien, gestand Muller und stellte mit einem schelmischen Grinsen klar, dass sie ihn aber auch immer wieder an seine „strengen“ Vertragsbedingungen erinnere. Zu denen – neben den bei ihm und dem Publikum beliebten Chansons – gehörten stets drei Fixpunkte: Eine Kostprobe seines klassischen Studiums (er spielte brillant die gefühlvolle Prélude Nr. 15 „De La Goutte d’Eau“ von Frédéric Chopin), eine Eigenkomposition (an diesem Abend „La Cage Ouvert“) und selbstverständlich ein deutsches Stück. Mit dem ausdrucksstark vorgetragenen Lied „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef bewies er nicht nur seine musikalischen Fähigkeiten, sondern beeindruckte das Publikum gleichzeitig mit einem nahezu akzentfreien Deutsch.
Frisch aus der Pause zurück, wartete ein besonderer Glanzpunkt auf die Gäste: Antje Polonio, die 2. Vorsitzende des PSV, gesellte sich zu dem Chansonnier auf die Bühne und interpretierte gefühlvoll „Sous Le Ciel de Paris“. Das Publikum feierte diesen lokalen Gastauftritt mit viel Applaus. Auch Mullers Anekdoten aus Straßburg, etwa über die deutsche Schreibweise seines Namens mit dem Umlaut „ue“, sorgten für Begeisterung. In Frankreich klinge das „u“ schließlich wie ein „ü“, betonte der stolze Franzose. Man habe ihm auf seine Nachfrage am Telefon mitgeteilt, dass man das durchaus wisse, er aber nun einmal in Straßburg lebe.
Nach fast drei Stunden voller Anekdoten und insgesamt 23 Liedern endete der Abend emotional. Beim Abschlusslied „Die Gedanken sind frei“ vereinten sich Künstler und Publikum ein letztes Mal, bevor Henri Muller unter großem Beifall und nach einer Zugabe die Bühne verließ. Ein Abend, der bewies, dass Musik keine Sprachgrenzen kennt – erst recht nicht, wenn sie mit so viel Herz vorgetragen wird. (hm/red)


