Pokalfinale am 14.05.2026
Ungleiche Verhältnisse
Zur großen Überraschung vieler wurde das Pokalfinale von zwei Kreisliga-A-Teams bestritten, die in verschiedenen Staffeln auflaufen. Sowohl der SV Sillenbuch als auch der TSV Weilimdorf II konnten die letzten im Wettbewerb verbliebenen Bezirksligisten im Halbfinale jeweils nach Elfmeterschießen aus dem Rennen werfen. Allerdings musste sich Weilimdorfs Zweite schon vor dem Finale, das an Christi Himmelfahrt auf neutralem Boden im Fleinsbachstadion in Bernhausen ausgetragen wurde, den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung gefallen lassen. Denn in den zuletzt absolvierten Pokalpartien wurden etliche Verbandsligaspieler eingesetzt, die in den bisher 26 Ligaspielen ihrer Zweiten in dieser Saison kein einziges Mal oder nur ein- bzw. zweimal aktiv waren und ohne deren Torerfolge das Finale gar nicht erreicht worden wäre. Nun wurden die Sillenbucher ebenfalls mit einer derartigen Personalbesetzung konfrontiert, hatten daher unter diesen ungleichen Voraussetzungen rein gar nichts zu verlieren. Also: Volle Kraft voraus!
Allerdings war es der TSV, der mit voller Kraft in das Endspiel einstieg und Sillenbuch mit seinem anfänglichen Pressing total überrollte. Dennoch kam er nur selten zum Abschluss, in dieser ersten Halbzeit insgesamt lediglich sieben Mal, weil sich die Grünen gegen die ungewohnt handlungsschnellen Widersacher bewundernswert wehrten. Was nichts daran änderte, dass der erste Weilimdorfer Torschuss in der 4. Minute das 0:1 bedeutete. Das schon in Minute 8 folgende 0:2 ließ nichts Gutes vermuten. Nachdem SVS-Keeper Vale Schulik in seinem Reich durch ein unsanftes Umschubsen ausgeschaltet worden war, kam der Ball aufgrund einer unzureichenden Abwehr aus dem Rückraum im hohen Bogen zurück und plumpste hinter die Linie. Aber als die Kugel in der 23. Minute erneut im Sillenbucher Kasten lag, blieb den Gegnern der Jubel wegen der Anzeige einer Abseitsstellung im Halse stecken. Unterdessen erarbeitete sich auch der SVS mit lautstarker Unterstützung von der zahlreich besuchten Fan-Tribüne immer wieder aussichtsreiche Momente. Unter anderem verfehlte Robert Gulde die Box nur geringfügig und auch der Fallrückzieher von Jonas Fischer zischte knapp vorbei. Des Weiteren scheiterte dessen Kopfball am Torhüter, ähnlich erfolglos verliefen mehrere hervorragende Aktionen von Dennis Dietsche. Doch als Sören Berbig in der 35. Minute die ausgezeichnete Flanke von Paul Knorr vollends ins Gehäuse schlenzte, verbreitete der 1:2-Anschlusstreffer ermutigenden Optimismus.
Zumindest schien Weilimdorf dieser eng gewordene Zwischenstand ein wenig erschreckt zu haben, denn zum Wiederanpfiff wurden zwei frische Kräfte eingewechselt. Die neue Power war deutlich spürbar. Obwohl Sillenbuch leidenschaftlich verteidigte und Keeper Vale Schulik die eine oder andere Chance kurz vor dem Einschlag vereitelte, erhöhte Weilimdorf in den Minuten 50 und 62 auf das enttäuschende 1:4. Was unter Umständen auch auf die zunehmend offensive Verstärkung des SVS zurückzuführen war, wodurch sich zwischenzeitlich einige wenige vielversprechende Möglichkeiten ergaben, die letztendlich leider nicht umgemünzt werden konnten. Auch wenn nach dem deprimierenden 1:5 (74.) die Luft mehr oder weniger raus war, gaben die Sillenbucher noch nicht auf. Nicht einmal, als nach einem mutmaßlichen, jedoch ungeahndeten Abseits ein paar Spieler beider Teams im SVS-Strafraum übereinander gestolpert waren und der Schiri wegen eines angeblichen Handspiels auf Elfmeter entschied. Mit dem resultierenden 1:6-Endergebnis (78.) gehen allein fünf Treffer auf das Konto von drei in der Verbandsliga eingesetzten Spielern. Während die aufpolierte Zweite der Weilimdorfer im Siegestaumel schwelgte, beglückwünschte der Stadionsprecher das Sillenbucher Team, weil es in der Tat eine absolut fantastische Pokalsaison gespielt und mit dem Einzug ins Finale gekrönt hat.
Offen bleibt allerdings die Frage, ob es dem Sinn dieses Wettbewerbs entspricht, dass sich eine mit Verbandsligisten gespickte Mannschaft über einen gewonnenen Bezirkspokal freuen kann und darauf womöglich noch stolz ist. Denn für eine derartige Spielstärke gibt es aus gutem Grund den DB-Regio-wfv-Pokal (in welchem die Erste des TSV Weilimdorf im Achtelfinale gegen die Stuttgarter Kickers ausgeschieden ist).
SHF
Für den SVS spielten:
Valentin Schulik – Paul Knorr / 51. Amadeus Hahn, Fabian Geißel / 66. Max Auhagen, Niklas Gerber, Nikolaus Meyding / 56. Emanuel Weiskopf – Ole Sohn – Jacob Harder, Robert Gulde / 71. Marko Curic, Jonas Fischer, Dennis Dietsche – Sören Berbig (1) / 72. Calvin Groh


