
Kurzantwort: Grundsätzlich raten Expertinnen und Tierschutzorganisationen davon ab, Hunde auf belebte Weihnachtsmärkte mitzunehmen; nur sehr gut sozialisierte, stressresistente Tiere unter kontrollierten Bedingungen sollten mitgenommen werden, und dann nur mit klaren Schutz‑ und Sicherheitsmaßnahmen.
Weihnachtsmärkte sind für Menschen stimmungsvoll, für viele Hunde jedoch eine Reihe von Stressoren: dichte Menschenmengen, laute Musik, fremde Gerüche, heiße Getränke, Essensreste und glitzernde Dekorationen. Ob ein Hund mitkommen sollte, hängt maßgeblich von Persönlichkeit, Sozialisation, Gesundheitszustand und Training ab. Veranstalter und Kommunen regeln oft das Mitführen von Hunden; Halter müssen lokale Vorgaben beachten.
Forschung zeigt, dass Hunde sehr sensibel auf menschliche Emotionen und Stress reagieren und dass Stress zwischen Hund und Halter synchronisiert werden kann; ein gestresster Mensch erhöht damit das Stressniveau des Hundes und umgekehrt. Hunde lesen Mimik, Stimme und Körperhaltung und können in überfüllten, lauten Umgebungen schnell überfordert sein. Stressanzeichen sind u.a. vermehrtes Hecheln, Lecken der Lefzen, eingeklemmte Rute, Ohren zurückgelegt oder Vermeidungsverhalten — diese Signale müssen Halter ernst nehmen.
Wenn ein Marktbesuch unvermeidbar ist, gelten klare Vorsichtsmaßnahmen: kurze, feste Leine; gut sitzendes Geschirr; Maulkorb bei unsicheren Hunden; ruhige Zeiten wählen (Vormittag, Wochentage); Abstand zu Ständen mit offenem Feuer, heißen Getränken und Essensresten halten; Pfoten nach dem Gang auf Streusalz prüfen und reinigen. Verhaltensfachleute empfehlen, den Hund schrittweise an laute, belebte Umgebungen zu gewöhnen und vorab kurze, kontrollierte Trainingseinheiten durchzuführen.
Typische Gefahren auf Weihnachtsmärkten sind verschüttete Getränke (Alkohol), giftige Lebensmittelreste (Schokolade, Zwiebeln, Rosinen), Streusalz und Enteisungsmittel, heiße Oberflächen und offene Flammen sowie unachtsame Menschen, die Hunde anfassen oder treten können. Pfotenpflege nach dem Besuch, Wasser mitnehmen und keine Leckerlis vom Boden erlauben sind einfache, wirksame Maßnahmen. Tierärztlich geprüfte Checklisten empfehlen außerdem, elektrische Kabel, Glasdekorationen und Tannennadeln zu meiden, da sie Verletzungen oder Vergiftungen verursachen können.
Rechtlich ist die Situation uneinheitlich: viele Märkte erlauben Hunde, verlangen aber Anleinpflicht und Rücksichtnahme; kommunale Satzungen können strengere Regeln vorsehen, insbesondere in Fußgängerzonen und bei Großveranstaltungen. Tierschutzorganisationen wie VIER PFOTEN empfehlen, Hunde möglichst zu Hause zu lassen und Alternativen (Betreuung, ruhige Begleitung durch vertraute Personen) zu nutzen, wenn der Marktbesuch nicht zwingend ist.
Kurzfristig: Lieber verzichten als riskieren. Nur wenn der Hund gut sozialisiert, stressresistent und medizinisch fit ist, und der Halter bereit ist, Verantwortung zu übernehmen (kurze Leine, Maulkorb bei Bedarf, ständige Beobachtung, Pfotenpflege), kann ein vorsichtiger Marktbesuch in Erwägung gezogen werden. Für viele Hunde ist die stressfreie Alternative zu Hause die bessere Wahl; wer unsicher ist, sollte vorab mit einer/m Verhaltensexpertin/en oder Tierärztin/Tierarzt sprechen.