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Klassik & Jazz

Hundertschaft an Musikern begeisterte

Das alljährliche Konzert der Stadtkapelle fand mit über 500 Konzertgästen im voll besetzten Staufersaal des Palatins statt, wobei sowohl die Jugendkapelle...
Die Jugend- und erwachsene Stadtkapelle zusammen auf der Bühne im PalatinFoto: Foto: Stadtkapelle

Das alljährliche Konzert der Stadtkapelle fand mit über 500 Konzertgästen im voll besetzten Staufersaal des Palatins statt, wobei sowohl die Jugendkapelle als auch die Hauptkapelle unter der Leitung von Harald Weber brillierten.

Den Auftakt machte die Jugendkapelle mit „Around the World in 80 Days“ nach dem Roman von Jules Verne aus dem Jahr 1873 in einer Vertonung von Otto Schwarz. Von der ersten Sekunde an wurde die Reise mit dem Zug durch Europa erhebend gespielt. Illustriert wurde die Reise von KI-genierten Bildern im Hintergrund. Die turbulente Geschichte wurde zum Blasorchesterwerk mit filmmusikähnlichen Kompositionen.

Weiter ging die Reise danach in die Tiefen des Ozeans zu „Challenger Deep“. Filippo Ledda vertonte den Weg zum tiefsten Punkt der Erde, dem Marianengraben. Dabei wurde nicht nur die Weite des Meeres oder in „The Mariana Trench“ der Abstieg in den Meeresgraben hörbar, sondern in „Abysses“ der immer weiter steigende Druck sowie die Dunkelheit der Meerestiefe vernehmbar. Zum Auftauchen „Towards the Sky“ stimmten alle Register ein.

Als Grundlage des Werks „Freedom of Mind“ von Florian Moitzi dienten Motive aus dem deutschen Volkslied „Die Gedanken sind frei“. Nach düsterer Nachtstimmung, durch welche sich die Jungmusiker kämpften, näherten sich die Mauern des Gefängnisses, in dem der Vater von Sophie Scholl inhaftiert war. Das Marimbaphon gab den ausschlaggebenden Ton, der etwas ganz Neues entwickeln lies: Eine eigene Gedankenwelt, zunächst mit den Flöten, es folgten die Holzbläser mit Elementen aus der Rockmusik, dem Jazz und aus Lateinamerika, bevor das Hauptthema noch einmal erklang. Dirigent Weber verstand es im Anschluss, rund um den Gesang von Helena Lubeinski zu Claude-Michel Schönbergs „I Dreamed A Dream“ aus dem Musical „Les Miserables“ die Instrumentalisten gekonnt zu arrangieren.

Die große Kapelle beschränkte sich in ihrer Darbietung auf fünf Stücke. Dazu gehörte „Aurora Borealis“ von Morten J. Wallin, wobei anspruchsvolle Taktwechsel auf die Schönheit der Natur in den Nordlichtern trafen. Verschiedene Registersoli wie Oboen, Fagotte, Klarinetten oder Flöten erfreuten die Zuhörer.

Die Reise führte mit „Journey Through Orion“ danach bis in den Orionnebel. In den groovigen Rhythmen und jazzigen Harmonien der „Good Vibes“ von Florian Klinger überraschte und verzauberte Jakob Spiry mit seinen vier Schlägern am Vibraphon.

Beim Ehrungsteil stand die Verleihung der Erich-Ganzenmüller-Medaille in Bronze an Horst Kummerow im Mittelpunkt. Kummerow war seit 1962 bis vergangenen Advent aktiver Musiker am Tenorhorn sowie 20 Jahre Vereinsvorsitzender und Impulsgeber für die Jugendstadtkapelle und die Zusammenarbeit mit Musik- und Grundschule. Eine Ehrennadel in Gold für 50 Jahre aktives Musizieren erhielten Ute Gärtner, Dieter Goldschmidt, Birgit Meixner und Harald Weber. Für 20 Jahre als aktive Musiker wurden Stefanie Janssen, Simon Luser und Jakob Riedlinger ausgezeichnet, für zehn Jahre mit der Ehrennadel in Bronze Maike Waibel, Ben Förderer und Valentin Thienel. Auch fördernde Mitglieder wurden geehrt: Für 50 Jahre Hans Rensch, für 30 Jahre Gustav Feurer sowie für 20 Jahre Manfred Renger.

Mit der Inszenierung „Hamburg – Das Tor zur Welt“ ging es weiter. Die sinfonische Dichtung von Guido Rennert erzählte die Geschichte der größten Deutschen Hansestadt. Im „Allegro con brio“ wurde die Stadt von oben erkundet. Das „Festivo“ bildete den Einzug des Königs von Dänemark, was die Fanfaren der Blechbläser ankündigten. Den großen Aufbruch, die Auswanderung im 19. Jahrhundert, bildete das „Andante molto sentimentale“, welches von der Harfe geprägt war. Zwölf Glockenschläge ertönten und es erhob sich im „Grave“ ein musikalisches Mahnmal mit Blick auf die Bombardierungen des Jahres 1943. Das „Andante con moto“ symbolisierte den Neuanfang, samt Tagesschau-Intonation und Melodien der großen Fernsehshows. Doch das „Misterioso“ war nicht weit, zur großen Sturmflut von 1962 zogen Böen, Sturm und Wasser in die Stadt. Die Hanseaten nahmen mit dem „Risoluto“ den Kampf gegen die Fluten auf und verneigten sich anerkennend vor ihrem damaligen Innensenator, Helmut Schmidt, im „Andante“. Das Schifferklavier führte über das „Moderato“ und das Vivace ins bunte Nachtleben der Millionenstadt, bevor im großen Finale das „Motto maestosa“ erstrahlte.

Moderatorin Sandra Goldschmidt rief zum großen Konzertfinale die Jugendkapelle mit auf die Bühne und so stimmte eine Hundertschaft an Musizierenden, beginnend mit einem Trompetensolo, das „Wieslocher Outro“ an, das sich am Klassiker „Lili Marleen“ orientierte.
(Text: Benjamin Starke, RNZ)

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von Stadtkapelle Wiesloch e. V.Redaktion NUSSBAUM
31.05.2026
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