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Ich bin ich

Liebe Leserinnen und Leser, 1972 erschien das Kinderbuch Das kleine Ich bin ich von Mira Lobe (1913-1995), die 1913 als Hilde Mirjam Rosenthal im niederschlesischen...
Bild von Frosch und Phantasiefigur
Foto: R.Baier

Liebe Leserinnen und Leser, 1972 erschien das Kinderbuch Das kleine Ich bin ich von Mira Lobe (1913-1995), die 1913 als Hilde Mirjam Rosenthal im niederschlesischen Görlitz geboren wurde. Als Jüdin war es ihr nach dem Abitur verwehrt zu studieren, so besuchte sie stattdessen die Textil- und Modeschule in Berlin. Ihren Abschluss in der Tasche reiste sie 1936 nach Palästina aus, wo sie 1940 den deutsch-jüdischen Schauspieler und Regisseur Friedrich Lobe (1889-1958) heiratete und begann, ihr literarisches Talent zu entfalten. Schon als zwölfjährige Schülerin entdeckte sie ihre Liebe zum Schreiben. Als sie im Deutschunterricht als Hausaufgabe ein selbst erfundenes Tiermärchen verfassen sollte, dachte sich Mira, die Geschichte eines Schwalbenkindes aus, das, statt in den warmen Süden zu fliegen, lieber den Winter mit seinem Freund, dem Spatz verbringen wollte. Der Lehrer glaubte ihr damals nicht, dass sie die Geschichte erfunden habe. Später sagte sie einmal mit Blick darauf: „Wenn ein Professor dein Märchen so enorm findet, dass er es dir nicht zutraut, es selbst geschrieben zu haben, dann bist du offenbar nicht unbegabt“.

Aus ihrer Feder stammen mehr als 100 Kinder- und Jugendbücher, die in über 30 Sprachen übersetzt worden sind. 1951 zog sie zusammen mit ihrem Mann und den beiden Kindern nach Wien. Dort lebte Mira Lobe bis zu ihrem Tod am 6. Februar 1995. Mit ihrem 1965 erschienenen Buch Die Omama im Apfelbaum und dem 1972 erschienenen Buch Das kleine ich bin ich feierte sie ihre größten Erfolge.

Freundschaft, Konkurrenz, Hilfsbereitschaft, Teamgeist, Ausbeutung, Abschied, Trauer, Vertrauen und Versöhnung sind die Themen, die Mira Lobe in ihren Kinderbüchern so verarbeitete, dass sie auch 31 Jahre nach dem Tod der Schriftstellerin pädagogisch wertvoll sind.

Das kleine ich bin ich ist ein buntes Phantasietier auf der Suche nach seiner Zugehörigkeit. Auf die Frage des Frosches, wer es denn sei, antwortet dieses: „Das weiß ich nicht.“ Daraufhin der Frosch: „Wer nicht weiß, wie er heißt, wer vergisst, wer er ist, der ist dumm. Bumm.“

Auf seiner Suche vergleicht sich das bunte Wesen mit anderen Tieren. Wiederholt stellt es Gemeinsamkeiten fest. Die letzte Erkenntnis bleibt jedoch immer dieselbe: Es entspricht nicht der jeweiligen Gattung und gehört damit nicht dazu.

So zieht es traurig davon, bis es an jenen Punkt kommt, an dem es sich selbst erkennt: „Ich bin ich“. In der Geschichte treten wahrhaft menschliche Züge auf. Auf der Suche nach mir selbst stoße auch ich wiederholt an Grenzen. Ich vergleiche mich mit anderen, will sogar so sein, wie sie sind.

Aber es ist nicht stimmig. Es macht unsicher. Mit Gewalt will ich so sein wie andere. Aber das funktioniert nicht. Erst in der Erkenntnis, dass auch ich einmalig bin, entdecke ich den Wert, der mir zu eigen ist. Ich bin eben ich und werde erst so für andere zu einem „Du“. In der Geschichte von Mira Lobe stellt der Frosch zuletzt fest: „Du bist du, und wer das nicht weiß, ist dumm. Bumm.“ Für mich ist dieses Buch ein Quell für Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Mira Lobe schafft es, tiefe Wahrheiten in ganz einfache Worte zu packen. Ohne Oberlehrerzeigefinger. Und sehr häufig sind das Wahrheiten, die ich auch aus der Bibel kenne.

Eine ihrer zentralen Botschaften ist: Du bist geliebt – so wie du bist. Vor aller Leistung – und wichtiger vielleicht noch: trotz der Baustellen und Brüche, die es in deinem Leben gibt. Du bist nicht angewiesen auf den Beifall der Menge. Und schon gar nicht darauf, Anerkennung für etwas zu bekommen, was dir letztlich dann vielleicht doch nicht so wichtig ist.

Das lasse ich mir gern gesagt sein: Ich bin gut – so, wie ich bin. Das heißt nicht, dass ich keine Fehler habe. Aber an denen zu arbeiten, mache ich nicht für andere. Sondern für mich. Und für den, der mich ins Leben gerufen hat. Der mir gesagt hat, dass er mich grundsätzlich liebt. So wie ich bin. Wenn ich das weiß, kann ich mich viel leichter meinen Fehlern stellen. Zuletzt soll noch einmal Mira Lobe zu Wort kommen: „Bücher sind zu mancherlei da... damit man lacht, zum Beispiel. Lachen ist wichtig. Damit man gescheiter wird. Gescheit sein ist wichtig. Damit man Sehnsucht bekommt. Das ist vielleicht das Wichtigste“. Ihr Ronny Baier

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