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Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn

IHK Karlsruhe: Etwas Zuversicht für die regionale Wirtschaft

Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft hat sich laut IHK Karlsruhe Anfang 2026 verbessert. Dennoch seien Reformen notwendig.
IHK Gebäude von außen
Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft hat sich laut IHK Karlsruhe Anfang 2026 wieder etwas verbessert. Dennoch fordert der IHK-Präsident Volker Hasbargen Reformen.Foto: jodo-foto / Joerg Donecker Karlsruhe

Zum Jahresbeginn 2026 hat sich die Stimmung in der regionalen Wirtschaft insgesamt aufgehellt, wie die IHK Karlsruhe mitteilt. Im Branchendurchschnitt haben sich sowohl die aktuelle Lageeinschätzung als auch die Erwartungen der Unternehmen an die kommenden zwölf Monate spürbar verbessert.

IHK-Präsident Volker Hasbargen: „Die insgesamt verbesserte konjunkturelle Lage zeigt sich jedoch längst nicht in allen Wirtschaftszweigen. Während insbesondere die Bauindustrie und der Dienstleistungssektor Auftrieb verzeichnen, kommen Industrie und Handel kaum voran. Von einer tragfähigen Erholung kann daher noch nicht gesprochen werden. Das wirtschaftliche Umfeld bleibt angespannt. Geopolitische Konflikte und handelspolitische Unsicherheiten, schwache Exporte, ein zurückhaltender Konsum und strukturelle Belastungen wie steigende Kosten, Bürokratie und Fachkräftemangel belasten die regionale Wirtschaft weiterhin. Entsprechend sind die langfristigen Investitions- und Beschäftigungsplanungen der Unternehmen nach wie vor von deutlicher Zurückhaltung geprägt.“

Erste Lichtblicke

Zum Jahresbeginn 2026 präsentiert sich die regionale Wirtschaft branchenübergreifend deutlich robuster als vier Monate zuvor. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Beurteilung der Geschäftslage und der Geschäftserwartungen in einem Wert darstellt, ist von 102 Punkten im Herbst 2025 auf aktuell 113 Punkte gestiegen. Damit liegt er jedoch noch weit unter dem langjährigen Durchschnitt von 121 Punkten (seit Jahresbeginn 2007).

Der Anteil der Unternehmen mit gut laufenden Geschäften ist von 27 % auf 30 % gestiegen. Zudem bewerten 56 % Prozent der Betriebe ihre Gesamtsituation als zufriedenstellend, gegenüber dem Herbst ein Plus von vier Prozentpunkten. Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen mit einer negativen Einschätzung um sieben Prozentpunkte auf 14 % gesunken. In der Folge hat sich der Geschäftslagesaldo von plus 6 Punkten auf plus 16 Punkte nahezu verdreifacht.

Allmählich etwas Hoffnung, aber dennoch angespannte Lage

Der Rückgang der Auftragseingänge und Umsätze hat sich zuletzt verlangsamt. Der Auftragseingangssaldo ist von minus 10 Punkten auf minus 3 Punkte gestiegen. Etwa jeweils ein Drittel der Betriebe meldet steigende bzw. sinkende Umsätze. Diese positive Entwicklung wird vor allem von der Bauindustrie und dem Dienstleistungssektor getragen. In der Industrie fällt die Einschätzung der aktuellen Situation zwar etwas freundlicher aus, bleibt insgesamt jedoch negativ. Der Großhandel bewertet die laufenden Geschäfte nach der massiven Delle im Herbst nicht mehr ganz so pessimistisch. Auch der Einzelhandel startet angespannt in das neue Jahr.

„Das vergangene Jahr war für die Wirtschaft von außergewöhnlich großen Herausforderungen geprägt. Zumindest in einigen Branchen gibt es nun allmählich wieder etwas Hoffnung, dass die Talsohle erreicht ist und es langsam wieder aufwärts geht. Das ist gut! Aber der Ausblick bleibt düster, wenn nicht grundlegende Veränderungen der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen erfolgen, etwa beim Abbau von Bürokratie oder wettbewerbsfähigen Energiekosten und Unternehmenssteuern. Erst dann können auch die Investitionen wieder spürbar anziehen“, betont Hasbargen.

„Die Bundesregierung hat zwar erste positive Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft auf den Weg gebracht, die Reformen wurden bislang jedoch noch nicht mit dem nötigen Mut und Nachdruck angegangen. Im Gegenteil, die jüngst vorgelegten Vorschläge zur Erbschaftssteuerreform lassen erkennen, dass zumindest in Teilen der Regierung wenig bis kein Verständnis für den Mittelstand und die Unternehmensstrukturen in Deutschland vorhanden ist“, so Hasbargen weiter.

Vorsichtiger Optimismus

Nach der im Herbst noch spürbaren Skepsis zeigt sich zu Beginn des Jahres 2026 eine vorsichtige Aufhellung der Unternehmensperspektiven. Inzwischen rechnen 25 % der Betriebe mit besseren Geschäften im laufenden Jahr, ein Anstieg um 7 Prozentpunkte. Gleichzeitig ist der Anteil der pessimistischen Unternehmen von 20 % auf 15 % gesunken. Der Saldo der Geschäftserwartungen ist somit im Branchendurchschnitt von minus 2 Punkten auf plus 10 Punkte gestiegen. Lediglich Groß- und Einzelhandel weisen aktuell einen negativen Erwartungssaldo auf. Die größten Herausforderungen für die Betriebe sind die schwache Inlandsnachfrage (63 %) und steigende Arbeitskosten (58 %).

Der Fachkräftemangel bleibt trotz rückläufiger Tendenz ein zentrales Thema (44 %, zuvor 51 %). Zunehmend belasten die Unternehmen die vielfältigen geopolitische Spannungen (42 % nach 34 % im Herbst 2025). 38 % sehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko, ein Drittel der Betriebe nennt die im internationalen Vergleich hohen Energiepreise als Gefahr für die eigene Geschäftsentwicklung. Mehrfachnennungen waren möglich.

Zurückhaltende Beschäftigungs- und Investitionspläne

Angesichts der weiter bestehenden konjunkturellen Herausforderungen stehen die Beschäftigungspläne der Unternehmen jedoch nach wie vor im Zeichen des Stellenabbaus. Der Saldo der Beschäftigungserwartungen bleibt mit minus 10 Punkten nach zuvor minus 16 Punkten negativ. Zum Jahresbeginn 2026 planen 15 % der Unternehmen zusätzliches Personal einzustellen (Herbst 2025: 10%), ein Viertel wird im laufenden Jahr seine Belegschaft voraussichtlich verkleinern. Insbesondere Industrie und Großhandel haben gegenwärtig weniger Personalbedarf. Lediglich im Dienstleistungssektor sind leichte Impulse zu erwarten.

Investitionen

Die verbesserte konjunkturelle Lage spiegelt sich kaum in den Investitionsplänen wider. Zum Jahresbeginn 2026 bleibt die Investitionsbereitschaft in den Unternehmen zurückhaltend. Teilweise können nach Jahren der Stagnation vorhandene Kapazitäten nicht mehr genügend ausgelastet werden. Hinzu kommen immer noch fehlende Wachstumsimpulse, geopolitische Unwägbarkeiten und die nur zögerlich voranschreitenden Reformen zur Stärkung des Standortes.

Der Investitionssaldo liegt nunmehr bei minus 15 Punkten nach minus 20 Punkten vier Monate zuvor. Aktuell planen 22 % der Betriebe, in den kommenden zwölf Monaten mehr zu investieren, immerhin ein Anstieg um 5 Prozentpunkte. 41 % wollen ihre Ausgaben aus heutiger Sicht auf dem bisherigen Niveau halten, während 23 % geringere Investitionen vorsehen. 14 % der Unternehmen beabsichtigen, ganz auf Investitionen zu verzichten.

Am häufigsten investieren die Betriebe, um bestehende Anlagen und Geräte zu ersetzen (59 % nach 65 % im Herbst 2025). Fast gleichauf an zweiter Stelle steht mit 58 % die Absicht, die unternehmensinterne Digitalisierung voranzutreiben (zuvor 48 %). Mit 35 % der Nennungen an die dritte Stelle vorgerückt sind Investitionen in Produkt- oder Prozessinnovationen (plus 2 Prozentpunkte). Fast ein Drittel der Betriebe sieht (weitere) Rationalisierungsmaßnahmen vor. Investitionen in Umweltschutz und Energieeffizienz stehen wie zuvor bei 27 % der Unternehmen auf der Agenda. Kapazitätserweiterungen planen derzeit nur noch 22 % der Betriebe. Mehrfachnennungen waren möglich.

Erscheinung
exklusiv online
von red/Quelle: pm
05.02.2026
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Kategorien
Wirtschaft