„Darf ich bitten?“
So sollte es heißen beim Treffen der Frauen 70+ im Gaiberger „Alten Schulhaus“, denn der Mai bringt Freude ins Herz und lädt zum Tanzen ein. Zu alten Schlagern oder traditionellen Volksweisen, wollten wir das tanzen und singen und uns von unbeschwerter Stimmung tragen lassen. Doch, lag es am Wetter, das sich nicht ganz so fröhlich und beschwingt in Richtung Sommer bewegte? Immerhin freuten wir uns, trotz des Regens 25 Teilnehmerinnen begrüßen zu können.
Margit erzählte aus ihren Erinnerungen, wie ihre älteren Schwestern niemals abends im Radio die Schlagerskala versäumen wollten und die Texte alle mitsingen konnten. Oder die Mama, die beim Zubereiten des Mittagessen gerne der Sendung „Sie wünschen, wir spielen“ zuhörte und fast jedes gewünschte Musikstück mitsang. „Und so wollen wir es auch machen: Ihr wünscht und ich spiele.“ Zum Mitsingen hatte Margit Texthefte vorbereitet. Zunächst gab es Kaffee und leckere Kuchen und es wurde ausgiebig „verzählt“. Dann ging es zur Sache. Aus einer Auswahl der bekanntesten und beliebtesten deutschen Schlager der 50er und 60er Jahre wünschten sich die Frauen ihre Favoriten aus und wurden gemeinsam gesungen. Einige konnten auch ohne in das Textblatt zu linsen mitsingen. Längst vergessene, tief im Gedächtnis vergrabene Schätze tauchten wieder auf: Der Seemann, der das träumen lassen soll, oder der Bossa Nova, dem die Schuld zugeschoben wurde, rote Lippen, die man küssen sollte... Nur zum Tanzen konnten sich leider nur Wenige überreden lassen. Wie gesagt, das lag vermutlich am Wetter! Trotzdem gingen wir nach diesem gemeinsamen schönen Nachmittag ganz beschwingt nach Hause und sagten uns, wie Ramona, zum Abschied Good Bye!
Unser nächstes Treffen ist bereits geplant:
Am Donnerstag, den 25. Juni um 15.00 Uhr laden wir euch ein ins Bürgerforum zum „Verzähl emol“ Wir möchten mit euch über die Lebenssituation von Frauen in den 1950er bis 1970er Jahren sprechen. In Deutschland durften Ehefrauen mit Inkrafttreten des Gleichberechtigungsgesetzes am 1. Juli 1958 ohne ausdrückliche Erlaubnis ihres Mannes arbeiten. Zuvor hatte der Ehemann nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch das Recht, das Dienstverhältnis der Frau zu kündigen. Zusätzlich durften Frauen ab dem 1. Juli 1958 ihr Vermögen selbst verwalten und ein eigenes Konto eröffnen. Geprägt von den Herausforderungen des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg kam es, dass Frauen in den 50er Jahren wieder einen Schritt zurückgingen. Ihre Hauptaufgabe war die Haushaltsführung und die Erziehung der Kinder. Junge Mädchen wurden auf ihre spätere Rolle als Hausfrauen vorbereitet. Die 1950er Jahre waren in Deutschland geprägt vom Wirtschaftswunder, dem Aufkommen des Petticoats, Nierentischen. Es war eine Ära des Optimismus, des Rock 'n' Roll, der ersten Urlaubsreisen und der beginnenden Elektrifizierung des Haushalts, wie durch Kühlschränke und Mixer. Allmählich begannen erste Veränderungen in Bezug auf die Erwerbstätigkeit. Die 1960er Jahre waren ein Jahrzehnt des gesellschaftlichen Umbruchs, geprägt von Beatlemania, Miniröcken, Studentenprotesten und der Mondlandung. Der Stil war bunt, geometrisch und revolutionär, bestimmt von dem Wunsch nach Freiheit. Die 60er und 70er brachten zunehmende Emanzipation und Selbstbestimmung der Frauen, dabei waren die Entwicklungen in den Städten Vorreiter für den Wandel auf dem Land.
Verzählt emol! Wie habt ihr diese Zeit erlebt? Wir können gar nicht genug davon hören und freuen uns auf euch! Bringt gerne auch Freundinnen und Nachbarinnen mit und meldet euch, wenn ihr abgeholt werden möchtet.
Für Euer leibliches Wohl wird gesorgt sein.
Die Anmeldung erfolgt über die Gemeinde oder telefonisch bei Margit: 06223-5155 oder Helga: 06223-40203.
Herzliche Grüße Margit Fuchs und Helga Schulz


