
Es herrschte herrlicher Sonnenschein, die Bodentemperatur war mit mehr als fünf bis sechs Grad Celsius deutlich höher als die erforderliche Keimtemperatur, und für den nächsten Nachmittag hatte der Wetterbericht einen leichten Regen angekündigt. Es waren also ideale Bedingungen für die Frühlingsaussaat.
So sahen es auch Alfons Holzinger und seine RUHBENDERHAUS-Mannschaft. In weiser Voraussicht hatten sie den Ackerboden bereits vorbereitet, aufgelockert und geglättet. Es galt also nur noch, die beiden fünften Klassen des Leibniz-Gymnasiums als Hilfskräfte anzufordern. Und es erschienen pünktlich 57 Kinder mit ihren Lehrerinnen.
Die Winteraussaat vor über einem Vierteljahr hat die in sie gesetzten Erwartungen nur zum Teil erfüllt. Weizen und Hartweizen Durum standen zwar prächtig da. Beim Emmer und Einkorn als Stammpflanze aller Getreidesorten hatten wir schon fast damit gerechnet, dass sie auch in diesem Jahr wieder nicht aufgehen würden. Aber dass der Roggen kein einziges grünes Hälmlein zeigen würde, das hat uns denn doch etwas enttäuscht. Wir haben das Feld gerade zum Trotz noch einmal mit Roggen eingesät, vielleicht gibt es dann im Herbst eine verspätete Ernte!
Auch dieses Jahr kam wieder unsere historische Sämaschine zum Einsatz. Dieses geniale Gerät legt jedes Samenkorn in der richtigen Tiefe und im optimalen Abstand ab und bedeckt es anschließend mit Erde. So findet jedes Korn konkurrenzlos beste Wachstumsbedingungen vor. Dank der gleichmäßigen Reihenabstände kann später Unkraut mechanisch mit der Hacke bekämpft werden. Im Vergleich zur früher üblichen Handaussaat ließ sich der Ertrag so um ein Mehrfaches steigern.
Nach kurzer Ein- und Vorführung ging es dann endlich los. Alfons konnte seine „Rösslein“ einspannen. Jeweils ein Schüler (oder eine Schülerin) wurde als Zugpferd oder als Sämaschinenführer eingeteilt. Unter der strengen Aufsicht durch die RUHBENDERHAUS-Crew gelangen den jungen Nachwuchsbauern fast ausnahmslos schnurgerade Furchen.
Ausgebracht wurden Gerste (für menschliche Bedürfnisse) und Hafer (als Kraftnahrung, und als Zugabe macht er den Pferden außerdem noch ein prächtig glänzendes Fell). Dazu noch ein Feld mit Erbsen. In Kürze sollte auf unserem Feld eigentlich schon ein frisches Grün zu erblicken sein.
Damit niemand den Hafer mit den Erbsen verwechselt, mussten die Parzellen natürlich mit Namensschildern versehen werden. Die für die Pfosten erforderlichen Löcher wurden von den kräftigsten unserer Mitarbeiter mit einem antiken „Löffel-Hopfenbohrer“ erbohrt – eine durchaus fordernde Arbeit. Nur einem von ihnen gelang es zunächst nicht, in die Tiefe zu kommen. War der Boden dort besonders hart? Alfons kannte die Lösung: Die Spitze des namensgebenden Löffels war nicht symmetrisch, sondern auf einer Seite angeschärft und nach innen gebogen. Nachdem er die Drehrichtung des Bohrers umgekehrt hatte, gelang auch diesem Knaben ein mustergültiges Pfostenloch.
Wir dürfen auch auf gar keinen Fall unsere Bio-Dynamischen Demeter-Experten übergehen, das Ehepaar Otto und Hildegund Hoffmann und ihrem neu zum Team gestoßenen Helfer Jaris. Noch tat sich auf ihrem Feld nicht allzu viel und die Gründüngung durfte noch einige Zeit weiterwachsen. Aber Kompost wurde schon einmal verteilt. Und außerdem ein Feld vorbereitet zur Aussaat von Blühblumen als Insektenweide. Die Sämereien hatte Hildegund größtenteils selbst gezogen, und die Kinder machten sich eifrig ans Werk. Dieweil wurden sie auch über die Prinzipien des Bio-Dynamischen Anbaus aufgeklärt. Kein Mineraldünger, dafür Kompost. Kein Spritzen gegen Schädlingsbefall, dafür Gießen mit Schachtelhalm- oder Brennnesseltee. Oder, wie bei den Kartoffeln, Steinmehl ins Pflanzloch. Und vor allem, kein Unkrautvernichter, sondern Jäten.
Bei der anschließenden Lernkontrolle wurde die Frage, was den Biologischen Anbau ausmacht, von der Gruppe dahingehend beantwortet, dass ausschließlich Dinge verwendet würden, die auch in der Natur vorkämen. Nur ein Knabe widersprach heftig. Heißes Wasser für den Tee käme in der Natur nicht vor! Der vorwitzige Jüngling hat im Heimatkundeunterricht wohl nicht so recht aufgepasst. In noch nicht einmal 5 Kilometer Entfernung sprudelt genau dieses aus der Erde! (WD)