„Du kannst deinen Kindern deine Liebe geben, nicht aber deine Gedanken. Sie haben ihre eigenen.“
(Khalil Gibran)
Der Kirchenpatron der Blankenlocher Kirche ist der Heilige Josef. Am kommenden Sonntag feiern wir sein „Patrozinium“.
Mich hat dieser Josef aus Nazareth schon immer fasziniert:
Ein bodenständiger Handwerker, der zupacken kann, wenn starke Arme gebraucht werden. Ein Partner, der seine Verlobte so sehr liebt, dass er sie – nach einem von ihm vermuteten Seitensprung – lieber heimlich verlassen will, anstatt sie bloßzustellen.
Ein Papa, der seinen Sohnemann vermutlich sehr oft überhaupt nicht verstehen kann, aber trotzdem zu ihm hält und ihn seinen eigenen Weg gehen lässt.
Gerade, weil ich selbst Ehemann und Papa bin und sehr gut um die zahlreichen Herausforderungen weiß, die das Familienleben so mit sich bringt, bewundere ich Josef für seine Charakterstärke.
In meiner Vorstellung ist er ganz sicher nicht der etwas schlicht gestrickte, gutmütige alte Mann, als welcher er in der Kunstgeschichte gerne dargestellt wird. Im Gegenteil:
Dieser Josef ist ein kluger Kopf, der seine Entscheidungen weise abwägt und genau weiß, was er tut.
Die Bibel berichtet sehr wenig von ihm – aber ohne ihn hätte Jesus vermutlich durchaus Schwierigkeiten gehabt, seinen Platz in der Welt zu finden und seiner Bestimmung zu folgen.
Josef ist der Vater, der mitgeholfen hat, Jesus zu dem Mann zu machen, der er geworden ist. Er schenkt seinem Sohn erst Wurzeln, mit denen er fest stehen kann – und dann lässt er ihn los und schenkt ihm Flügel, damit er sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann. Und genau mit dieser modernen Erziehungsmethode ist der Heilige Josef für mich ein echtes Vorbild. (Dennis Nagel)