Vorwort
Der Verein „Natürlich Leben Erlenbach e.V.“ lud am Sonntag, 22. Februar 2026, zur ersten Ausgabe des Zukunftsforums 2035 in das Bürgerhaus Wimmental ein. Bereits im Vorfeld hatten Vereinsmitglieder und Unterstützer mit beeindruckendem Engagement über 8.000 Informationsflyer in den umliegenden Gemeinden verteilt.
Neben zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern folgten auch Vertreter der Kommunen Neckarsulm, Eberstadt, Erlenbach, Neuenstadt und Langenbrettach sowie Gemeinde- und Ortschaftsräte der persönlichen Einladung. Zusätzlich öffnete der Verein das Forum für alle im Landtag Baden-Württemberg vertretenen Parteien, um ein breites Meinungsbild zu ermöglichen.
Die hohe Beteiligung – ähnlich wie bereits bei der ersten Veranstaltung am Steinernen Tisch im November, zu der über 180 Menschen kamen – zeigte erneut, wie groß das Interesse an einer faktenbasierten und offenen Auseinandersetzung mit dem Thema Windenergie im Wald ist. Dank der intensiven Vernetzung mit Bürgerinitiativen in ganz Deutschland konnten auch dieses Mal hochkarätige Experten gewonnen werden.
1. Redebeitrag – Dipl.-Physiker Jürgen Falkenberg
Zum Auftakt berichtete Jürgen Falkenberg eindrucksvoll aus seiner Heimatgemeinde Straubenhardt, wo umfangreiche Eingriffe in die Waldlandschaft für elf Windenergieanlagen vorgenommen wurden. Die Folgen: großflächige Rodungen, erhebliche Bodenverdichtungen und ein dauerhaft veränderter Naturraum.
Besonders anschaulich stellte Falkenberg die Diskrepanz zwischen prognostizierten und tatsächlichen Stromerträgen dar. Während ein Ertragsgutachten des TÜV Süd rund 87.000 MWh erwartete, lag der reale Ertrag über die Jahre 2018–2024 bei 63.104 MWh – also bei gut 72,5 % der Prognose.
Er erläuterte außerdem, wie stark Windkraftstandorte von den natürlichen Windgegebenheiten abhängen und verwies auf das Schwachwindgebiet Erlenbach, das laut Windatlas Baden-Württemberg lediglich Windgeschwindigkeiten von 4,5 bis 5 m/s aufweist.
Mit Beispielen aus mehreren Windparks zeigte Falkenberg, dass die realen Stromerträge häufig unter den prognostizierten Werten bleiben. Damit illustrierte er, wie entscheidend präzise Standortbewertungen sind.
Besonders eindrucksvoll war seine Darstellung der Wechselwirkung von Wind und Sonne: Ein Jahres-Stundenchart für 2023 verdeutlichte, dass Wind- und Solarenergie sich im praktischen Betrieb nicht automatisch ausgleichen, sondern teils gleichzeitig Überproduktion oder Flauten erzeugen.
2. Redebeitrag – Rechtsanwalt Thomas Mock
Anschließend nahm Thomas Mock die Energiewende aus juristischer und globaler Perspektive in den Blick. Unter dem Motto „Versuch einer ganzheitlichen Betrachtung der Energiewende am Beispiel Windenergie“ erklärte er, welche Rohstoffe für Windenergieanlagen benötigt werden – von Beton, Stahl und Balsaholz über seltene Erden bis hin zu Kunststoffen und Spezialölen.
Mock zeigte, dass der Abbau dieser Materialien weltweit oft unter schwierigen sozialen und ökologischen Bedingungen erfolgt und damit ökologische Belastungen und CO₂-Emissionen verlagert werden. Auch der Eingriff in heimische Waldökosysteme wurde detailliert beleuchtet: Rodungen, breite Zuwegungen, Verdichtung des Bodens und dauerhafte Wärmebelastungen verändern den Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten.
Besonders eindrucksvoll beschrieb er die Auswirkungen der notwendigen Infrastruktur im Wald:
Durch großflächig befestigte Wege entstehen barriereartige Strukturen, die Lebensräume trennen. Bodentiere und Mikroorganismen können diese künstlichen Grenzen kaum überwinden. Zudem beeinflussen Hitzeentwicklung und geänderte Wasserabflüsse die angrenzenden Waldflächen langfristig.
Podiumsdiskussion
Nach einer kurzen Umbaupause startete die Podiumsdiskussion, moderiert von Sven Kerzel. Auf dem Podium versammelten sich Vertreter verschiedener politischer Richtungen – darunter aktive und angehende Landtagsabgeordnete –, die beiden Referenten sowie Volker Eyssen von Der Basis, der derzeit im süddeutschen Raum über Alternativen zu erneuerbaren Energien informiert.
Die Diskussion entwickelte sich zu einem lebhaften Austausch über Chancen, Grenzen und Zukunftsperspektiven der Energiepolitik. Die Vielfalt an Positionen sorgte für ein breites Spektrum an Impulsen und Argumenten, das vom Publikum aufmerksam aufgenommen wurde.
Abschluss
Zum Ausklang kündigte Michael Mosthaf an, im Laufe des Jahres möglicherweise eine weitere Informationsveranstaltung anzubieten.
Die Veranstaltung hinterließ einen besonders harmonischen und wertschätzenden Eindruck, geprägt von offenem Austausch und gegenseitigem Respekt. Diese Atmosphäre war vor allem den vielen engagierten Helferinnen und Helfern zu verdanken, die mit Herzblut für einen reibungslosen Ablauf sorgten – ebenso wie den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern, die mit ihrem Interesse, ihren Fragen und ihrem positiven Miteinander entscheidend zum gelungenen Charakter dieses Tages beitrugen.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die durch ihre Unterstützung und ihr Auftreten dieses Zukunftsforum zu einem inspirierenden und friedlichen Gemeinschaftserlebnis gemacht haben.
