Auf Einladung des Bücherei-Teams gastierte die Weinheimer Autorin Ingrid Noll mit einer Lesung und anschließender Fragerunde in den Räumen der Bücherei Plankstadt. Vor ausverkauftem Haus las sie aus ihrem neuesten Roman „Nachteule“, welches anlässlich ihres 90. Geburtstags im Diogenes Verlag erschien.
Nachdem ihre Kinder groß und aus dem Haus waren, begann Ingrid Noll mit dem Schreiben. Voraussetzungen hierfür waren endlich ein eigenes Zimmer im Haus und die dadurch gegebene Ruhe. Nachdem die engere Verwandtschaft ihren Erstling für gut befunden hatte, reichte Noll unter dem Titel Rosis Wandertage im Juni 1990 das Manuskript im Diogenes Verlag ein. Die zuständige Lektorin für unverlangt eingesandte Manuskripte, Barbara Birrer, eine Malerin und ehemalige Nacht-Taxifahrerin, entdeckte darauf dieses schwarze Juwel in der Masse der Einsendungen. Sie legte es auf den kleinen Stapel von Manuskripten, die sie „mit dk besprechen“ möchte, das heißt mit Daniel Keel, dem Gründer und Verleger des Diogenes Verlags. Verwundert schrieb sie dazu: „Hat noch nichts publiziert, ist aber zu gekonnt, um ein Erstling zu sein.“Dieser Meinung war im Anschluss auch Keel. Aber als er die angegebene Telefonnummer wählte, meldete sich statt der Autorin ihr Mann: „Meine Frau ist schon nach Hause gegangen und kocht.“Der ungewöhnlichen Autorin machte Keel, als er sie daraufhin zu Hause erreichte, ein ebenso ungewöhnliches Kompliment: „Sie schreiben so schön undeutsch.“
Seitdem sind über 20 Romane und Kurzgeschichten von Ingrid Noll erschienen. Auch die Leserinnen und Leser der Bücherei Plankstadt haben den Diamant Ingrid Noll entdeckt! Die derzeit 31 Medien im Bestand – Bücher, Hörbücher und Filme – wurden insgesamt 1.482 Mal ausgeliehen.
Eine Lesung mit Ingrid Noll wird durch die anschließende Fragerunde zum Erlebnis. Hier versteht es die Autorin, aus ihrem interessanten und abwechslungsreichen Leben zu plaudern. So erzählte sie aus ihrer Kindheit in China und die Erfahrung, sich in Deutschland erst einleben zu müssen. Wie sie ans Schreiben herangeht, erklärte sie auch: zunächst entwickelt sie die weibliche Hauptperson und lernt sie bis ins kleinste Detail kennen. Dann erst beginnt sie, die Geschichte zu schreiben. Ein neuer Roman unter dem Arbeitstitel „Fundstücke“ entsteht übrigens bereits. Die Protagonistin ist diesmal um die 60 Jahre alt und hat zur Aufgabe, das Haus ihrer verstorbenen Eltern leer zu räumen. Da seit Generationen nichts entsorgt wurde, ist es klar, dass sich dort sehr viel Unrat und auch das eine oder andere kleine Schätzchen angesammelt hat.
Bärbel Hennl-Goll von der Bücher Insel sorgte für einen Büchertisch. Bereitwillig signierte die Autorin dort die gekauften Bücher und versah sie mit einer persönlichen Widmung. Die Leserinnen und Leser nutzten auch den persönlichen Austausch, und Frau Noll nahm sich vor und nach der Lesung ausgiebig Zeit dafür und war sich auch für Selfies nicht zu schade!
Fazit: Ingrid Noll ist und bleibt eine tolle und bemerkenswerte Frau!
Claudia Verclas; Büchereileiterin


