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Initiative für Klinikerhalt positioniert sich

Experten-Stellungnahme zerlegt Gutachten Ein Bündnis lokaler Akteure um den früheren Mosbacher Oberbürgermeister Gerhard Lauth spricht sich vehement...
Dr. Gunther Leibfried an einem Standmikrofon im Innenraum. Er hält ein Blatt Papier, von dem er eine Rede abliest (hier Archivaufnahme).
Dr. Gunther Leibfried (Archivaufnahme).Foto: frh

Experten-Stellungnahme zerlegt Gutachten

Ein Bündnis lokaler Akteure um den früheren Mosbacher Oberbürgermeister Gerhard Lauth spricht sich vehement gegen eine Herabstufung des Klinikums in der Großen Kreisstadt aus. Sie stützen sich dabei auf die Analyse eines Experten, der gravierende Mängel im zugrundeliegenden Gutachten sieht. Die Initiatoren warnen vor unabsehbaren Folgen für den gesamten Standort und seiner Umgebung.

Zu der Gruppierung gehören neben Gerhard Lauth auch die Stadträte Dr. Gunther Leibfried und Hartmut Landhäußer sowie Claus Kapferer und Hans-Peter Hillmeier. Sie beauftragten in Person von Klaus Emmerich einen namhaften ehemaligen Klinikvorstand mit der fachlichen Prüfung der vom Aufsichtsrat der im Eigentum des Landkreises stehenden Neckar-Odenwald-Kliniken in Auftrag gegebenen Expertise des Hamburger Beratungsunternehmens Lohfert & Lohfert. Dessen Empfehlung sieht vor, den Standort Buchen zum Schwerpunktkrankenhaus auszubauen, während Mosbach in eine sogenannte „Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung“, kurz „SüV“, umgewandelt werden soll.

Mängel gerügt

Die Initiative bemängelt grundlegende Fehler in der Datenerhebung des beauftragten Unternehmens. Dem Papier fehle eine sachgerechte medizinische und wirtschaftliche Grundlage, da essenzielle Finanzdaten nicht enthalten seien. Zudem rügen die Verantwortlichen die Geheimhaltung des Dokuments in der 250 Seiten umfassenden Vollversion. Für eine objektive Debatte sei es zwingend erforderlich, diese öffentlich zu machen – die Klinikleitung hatte die Offenlegung unter Berufung auf Geschäftsgeheimnisse abgelehnt.

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die prognostizierte Auslastung, wo die Initiatoren argumentieren, dass in Mosbach fälschlicherweise geschlossene Betten in die Berechnung einflossen. Gleichzeitig seien die erwarteten Patientenzuwächse in Buchen rein spekulativ. Erfahrungen mit der vor wenigen Jahren gegen erhebliche Widerstände dorthin verlagerten Gynäkologie zeigten vielmehr, dass Patienten in umliegende Landkreise abwandern.

Finanzielle Risiken

Die wirtschaftlichen Vorhersagen stehen ebenfalls stark in Zweifel. Während ein Ausbau in Buchen auf zwischen 40 und 100 Millionen geschätzt werden könne, sei das Mosbacher Haus bereits umfassend modernisiert. Klinik-Fachmann Klaus Emmerich befürchtet durch die Verlagerung von stationären zu ambulanten Leistungen in Mosbach einen Umsatzeinbruch in Millionenhöhe. Bislang generiere der Standort aufgrund schwererer Krankheitsverläufe trotz geringerer Patientenzahlen höhere Erträge als Buchen, stellt Emmerich in seiner Einschätzung heraus.

Unterversorgung

Die geplante Umwandlung in eine SüV sehen die Beteiligten als völlig unzureichend an. Eine solche Einrichtung sei vorwiegend ein ambulantes Zentrum ohne Intensivstation oder Schockraum. Leibfried warnt davor, dass bei einer Schließung des Krankenhauses für rund 13.000 Einwohner kein Allgemeinkrankenhaus mit Basisnotfallversorgung innerhalb von 30 Minuten Fahrzeit erreichbar wäre. „Der Standort Mosbach ist demnach unzweifelhaft bedarfsnotwendig. Eine Schließung wäre mutwillig und könnte Menschenleben gefährden“, bekräftigt er.

Zertifikate gefährdet

Darüber hinaus drohe der Verlust wichtiger Qualitätsmerkmale für die NOK-Kliniken insgesamt – das Mosbacher Krankenhaus verfügt über Zertifizierungen als Trauma- und Endoprothetikzentrum sowie als Schlaganfalleinheit, die nicht automatisch an den Standort Buchen übertragen werden könnten. Die Akteure betonen ferner, dass ein intaktes Krankenhaus ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität der Region darstelle und obendrein ein bedeutender Arbeitgeber sei.

Pressegespräch

Anfang April hatte die „Gruppe Lauth“ zu einem Pressegespräch eingeladen und die eingeholte Stellungnahme des Experten Emmerich vorgestellt. Auf Nachfrage unserer Redaktion kam dabei auch die Frage der politischen Mehrheitsfindung zur Sprache. Bisher konnte sich Landrat Dr. Achim Brötel, der wie auch Gerhard Lauth der CDU angehört, in der Regel auf eine stabile bürgerliche Mehrheit im Kreistag stützen. Die CDU stellt dort mit 16 Sitzen die größte Fraktion und kommt zusammen mit den zehn Stimmen der Freien Wähler regelmäßig bereits über die für eine absolute Mehrheit erforderlichen 24 Mandate. Die spannende Frage liegt folglich darin, ob die Fraktionsführungen auf einheitliche Stimmabgabe drängen oder ihren Mitgliedern das individuelle Votum freistellen, welches diesen nach dem Grundsatz des freien Mandats ohnehin zusteht.

Mehrheitsfindung

Zumindest rein rechnerisch kämen die Repräsentanten des Altkreises Mosbach auf die größere Stimmkraft. Allerdings erscheint vorstellbar, dass die ungefähr zwischen Buchen und Mosbach liegenden Wahlkreise in beide Richtungen tendieren könnten. Mithin bringt eine Internetveröffentlichung der AfD unter dem Titel „Ohne Brandmauer keine Schließung“ eine brisante Komponente der höheren Politik mit ins Spiel – setzt deren Fraktion alle ihre sieben Stimmen auf den vollwertigen Erhalt des Klinikstandorts Mosbach, so könnten diese zum „Zünglein an der Waage“ werden.

Seitens der Initiative um OB a.D. Lauth wurde bekräftigt, dass man sich nicht für die Organisation politischer Konstellationen zuständig sehe. Viel mehr gehe es darum, allen Entscheidungsträgern sachorientiert klarzumachen, dass auf Basis des vorliegenden Gutachtens kein Beschluss zur Herabstufung des Klinikstandorts Mosbach gefasst werden dürfe. (pm/frh)

Erscheinung
Stadtanzeiger Mosbach
Ausgabe 16/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
15.04.2026
Orte
Mosbach