Katastrophen und Extremereignisse stellen unsere Gesellschaft vor wachsende Herausforderungen. Die jüngsten Entwicklungen – von Hochwasserereignissen bis zu Hitzewellen – zeigen deutlich, dass ein vorausschauendes und inklusives Katastrophenmanagement unverzichtbar ist.
„Vor diesem Hintergrund wurde im Rhein-Neckar-Kreis vom Arbeitskreis für inklusiven Umgang mit Extrem- und Notsituationen (AkiEN) ein Forderungs- und Empfehlungspapier erarbeitet“, erläutert Silke Ssymank, Kommunale Behindertenbeauftragte des Rhein-Neckar-Kreises. Kern des Papiers sind elf Forderungen zur Erreichung eines inklusiven Katastrophenmanagements:
Entlang dieser Forderungen werden konkrete Aufgabenbereiche für verschiedene Akteursgruppen definiert und damit Verantwortung zur Umsetzung eines inklusiven Katastrophenmanagements auf viele Schultern verteilt. Formuliert werden Empfehlungen für die Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, die Feuerwehren und Hilfsorganisationen, (stationäre und ambulante Einrichtungen der Eingliederungshilfe und der Pflege, Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen und die Bevölkerung und selbständig lebende Menschen mit Behinderungen.
Das Papier wird von der Initiative Inklusive Katastrophenvorsorge unterstützt und mitgetragen. Die Initiative setzt sich auf Landesebene dafür ein, dass Menschen mit Beeinträchtigungen in allen Phasen des Katastrophenmanagements berücksichtigt werden. Gemeinsam mit lokalen Arbeitskreisen wie AkiEN soll Wissen gebündelt, Austausch gefördert und Praxislösungen entwickelt werden.
Menschen mit Beeinträchtigungen im Mittelpunkt
Ein besonderes Merkmal des Papiers ist die aktive Beteiligung von Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen bei der Erarbeitung der Forderungen. Ihre Erfahrungen und Bedarfe vor, während und nach Krisen bilden die Grundlage für konkrete Empfehlungen. „Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Bedürfnisse aller Menschen von Anfang an in Vorsorge, Planung, Einsatz und Nachsorge mitgedacht und berücksichtigt werden“, betont Stefanie Heck, Kreisbrandmeisterin und Mitglied des Arbeitskreises. Das vorliegende Papier wurde durch Dr. Friedrich Gabel, Forschungsleiter der KIM-Studie „Bestandsaufnahme zum Katastrophenmanagement und der Inklusion von Menschen“ (2024) und Annelen Fritz, Universität Tübingen, auf Basis der Arbeiten von AkiEN erstellt.
Zukunftsorientiert und resilient
Die Empfehlungen des Papiers bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung bestehender Strukturen und die Anpassung an neue Herausforderungen. Ziel ist es, gemeinsam mit allen Akteuren eine resiliente und inklusive Gesellschaft zu gestalten, in der niemand im Katastrophenfall übersehen wird. Es versteht sich als Einladung und Auftrag, die Empfehlungen aufzugreifen, weiterzuentwickeln und in konkrete Maßnahmen umzusetzen. „Prävention und inklusive Planung sind keine Zusatzaufgaben, sondern wesentliche Elemente eines verantwortungsvollen Katastrophenmanagements“, betont Silke Ssymank, „nur gemeinsam können wir Strukturen schaffen, die im Ernstfall Leben schützen und der Vielfalt unserer Gesellschaft gerecht werden“.
Infokasten
Der Arbeitskreis AkiEN wurde im Juni 2023 von der Behindertenbeauftragten des Rhein-Neckar-Kreises mit der Amtsleitung für Bevölkerungsschutz gegründet. Weitere Mitglieder sind unter anderem Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen, Mitarbeitende des Amts für Bevölkerungsschutz, das Zentrum für Inklusion in Weinheim, ein Mediziner sowie Vertreter von älteren Menschen und Kindern. Der Arbeitskreis hat im Dezember 2025 in Heidelberg eine Veranstaltung zum inklusiven Katastrophenschutz organisiert und die Broschüre Umgang mit Katastrophen oder extremen Situationen in der Rhein-Neckar-Region herausgegeben.