Neues Kapitel für die Gesundheitsversorgung
Mit der Umwandlung des bisherigen Krankenhauses Herrenberg in ein Integriertes Gesundheitszentrum (IGZ) beginnt ein neues Kapitel in der medizinischen Versorgung im Landkreis Böblingen und im gesamten Klinikverbund Südwest (KVSW). Der Schritt erfolgt im Rahmen der Medizinkonzeption 2030 des KVSW und steht für eine grundlegende Neuausrichtung hin zu einer modernen, bedarfsorientierten und sektorenübergreifenden Versorgung.
Während der klassische Krankenhausbetrieb endet, bleibt der Standort Herrenberg als zentrale Anlaufstelle für die Gesundheitsversorgung vor Ort erhalten und wird gezielt weiterentwickelt. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten möglichst wohnortnah, effizient und bedarfsgerecht zu behandeln.
„Die Umwandlung des Krankenhauses Herrenberg ist eine bewusste und verantwortungsvolle Entscheidung, die wir als Träger getroffen haben“, betont Landrat Roland Bernhard, gleichzeitig KVSW-Aufsichtsratsvorsitzender. „Uns ist sehr klar, dass damit für viele Menschen ein vertrauter Teil der regionalen Versorgung endet. Gleichzeitig wäre es politisch nicht verantwortbar gewesen, an einer Struktur festzuhalten, die den zukünftigen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Mit dem IGZ schaffen wir ein zukunftsfähiges Angebot, das die medizinische Versorgung vor Ort sichert und gezielt weiterentwickelt. Dass dieser Übergang gelingt, ist vor allem dem großen Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, die diesen Weg mittragen und aktiv gestalten“, so Landrat Roland Bernhard, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des KVSW ist.
Zum Start des IGZ steht ein breites medizinisches Angebot zur Verfügung. Dazu zählen eine stationäre Basisversorgung mit 40 Betten sowie ein umfassendes ambulantes Leistungsangebot im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Im Erdgeschoss sind mehrere Facharztpraxen gebündelt, Gynäkologie, Radiologie, Chirurgie und Innere Medizin, ergänzt um eine hausärztliche Versorgung mit zwei Fachärzten. Eine weitere Ergänzung um eine Kinderarztpraxis wird derzeit mit Hochdruck geprüft. Weitere Angebote wie ein ambulanter OP-Bereich, eine Chemo-Ambulanz und eine Hebammenpraxis stärken die wohnortnahe Versorgung zusätzlich.
KVSW-Geschäftsführer Alexander Schmidtke sagt: „Das Ende des Krankenhausbetriebs in Herrenberg ist für viele Menschen ein einschneidender Moment, für den wir großes Verständnis haben. Gleichzeitig ist dieser Schritt notwendig, um die medizinische Versorgung langfristig verlässlich und qualitativ hochwertig sicherzustellen. Mit dem IGZ gehen wir bewusst einen neuen Weg – ein Leuchtturmprojekt mit überregionaler Strahlkraft, für das es so bislang keine Blaupause gibt. Wir entwickeln hier eine Versorgungsstruktur, die konsequent von den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten ausgeht und ambulante sowie stationäre Angebote intelligent verbindet. Dass wir diesen Weg gehen können, ist vor allem auch dem Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, die den Wandel aktiv mitgestalten.“
Notfallversorgung bleibt gesichert
Die Zentrale Notaufnahme im Krankenhaus Herrenberg schließt am Freitag, 8. Mai um 8 Uhr. Mit dem Start des IGZ bleibt die Notfallversorgung für die Bevölkerung dennoch weiterhin gewährleistet. Für akute und lebensbedrohliche Notfälle gilt unverändert: Über die Notrufnummer 112 wird der Rettungsdienst alarmiert, der Patientinnen und Patienten direkt in die medizinisch geeignete Klinik bringt. Entscheidend ist dabei nicht nur die räumliche Nähe, sondern die bestmögliche Versorgung für das jeweilige Krankheitsbild. Die künftige Notfallversorgung im IGZ ist eng mit den Rettungsdiensten abgestimmt.
Für alle anderen Fälle wird die Versorgung klar strukturiert. In Herrenberg werden künftig leichte internistische und chirurgische Notfälle in der Zeit von 8 bis 18 Uhr ambulant behandelt. Ergänzend unterstützen ein digitaler Patientenlotse sowie ein Koordinierungsarzt als Anlaufstelle für niedergelassene Haus- und Fachärzte dabei, schnell den passenden Versorgungsweg zu finden. Außerhalb der Praxiszeiten steht der ärztliche Bereitschaftsdienst der KVBW unter der Rufnummer 116 117 zur Verfügung.
Damit gilt: Die Notfallversorgung bleibt auch in Zukunft gewährleistet – sie wird konsequent daran ausgerichtet, Patientinnen und Patienten von Anfang an in die jeweils passende Versorgungseinrichtung zu bringen.
Schrittweise bauliche Anpassungen für neue Nutzung
Parallel zum Start des IGZ wird der Standort baulich an weitere, neue Anforderungen angepasst. So wurde der Eingangsbereich bereits an die Anforderungen einer modernen sektorenübergreifenden Versorgung angepasst und die Praxisflächen im Erdgeschoss um eine Praxis für Allgemeinmedizin erweitert. Die stationäre Basisversorgung befindet sich im dritten Obergeschoss.
Im zweiten Obergeschoss entstehen ab 2027 30 Plätze für eine Kurzzeitpflege, 2028 wird dann das erste Obergeschoss für die Anforderungen an eine Geriatrische Rehabilitation umgebaut und für 30 Behandlungsplätze vorbereitet. Die Räumlichkeiten müssen in den Rohbauzustand zurückversetzt und vollumfänglich saniert werden.
Versorgung bleibt – Struktur verändert sich
„Mit dem IGZ Herrenberg bleibt die medizinische Versorgung in der Raumschaft gesichert und wird zugleich neu organisiert“, so Landrat Bernhard. „Das Konzept greift die Veränderungen im Gesundheitswesen konsequent auf, insbesondere den Schwerpunkt der Ambulantisierung und eine enge Verzahnung der verschiedenen Versorgungsbereiche.“
Mehr Infos zum IGZ: Zukunftsausrichtung Herrenberg - kvsw.de


