Am vergangenen Freitag endete das Bildhauersymposium „Grundpfeiler der Demokratie“ auf dem Platz am Alten Bahnhof in Wiesloch.
Bei strömendem Regen legten dort sechs Bildhauer letzte Hand an ihre Werke, bevor sie ihren Stand am späten Nachmittag bei aufklarendem Himmel abbauen konnten. Eine ganze Woche lang gab es die Gelegenheit, die Künstler bei ihrer Arbeit zu beobachten, sich die sehr unterschiedlichen Werke erklären zu lassen und seine eigenen Eindrücke und Interpretationen dazu zu äußern.
Es war die erste Veranstaltung dieser Art, die „Art Moves Europe“ hier nach Wiesloch gebracht hat. Der Verein aus der Region Aachen organisiert in ganz Europa Ausstellungen mit internationalen Künstlern zur „Idee Europa“ und zu dessen Werten. Auf Anregung aus Künstlerkreisen hatte das Kulturforum Südliche Bergstraße die Organisation vor Ort übernommen, unterstützt von der Stadt Wiesloch und dem Verein „Partnerschaft für Demokratie“, die Finanzierung übernahm das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und der Lions Club Wiesloch.
Für den Vorsitzenden des Kulturforums Jürgen Grimm war die Veranstaltung ein voller Erfolg, wie er gegenüber der Presse betonte. Grimm war es auch, der das Projekt „Grundpfeiler der Demokratie“ maßgeblich nach Wiesloch brachte und vorantrieb. Über die ganze Woche hinweg hätten sich zahlreiche Interessierte eingefunden, die nicht nur mit den Künstlern, sondern auch untereinander ins Gespräch gekommen und über die Skulpturen und deren Aussagekraft diskutiert hätten. Besonders erfreut zeigte er sich über den Besuch von Schulklassen.
Der am meisten frequentierte Stand sei der von Frank Tils gewesen. Er fräste in eine Holzsäule die drei Säulen der Demokratie: Die Gesetzgebung durch das Parlament, deren Ausführung durch die Regierung und die Überprüfung durch unabhängige Gerichte. Zu sehen war auch jeweils eine Bedrohung dieser Freiheiten. Der Künstler kam nach seinen Angaben erst spät zur Bildhauerei, so überwand er im Gestalten von Holz und Stein die Folgen eines beruflichen Burnouts und fand damit die Balance zwischen seiner Person, der Familie und dem Beruf.
Simone Carole Levy ist nicht nur von ihrer Herkunft her international, sie ist es auch als Künstlerin mit renommierten Preisen und der Teilnahme an Ausstellungen in Europa und der ganzen Welt. Ihre beeindruckende Skulptur zur Vielfalt in Europa hat sie aus einem massiven Eichenstamm gehauen und geschält. Ein Stück Eisen, vermutlich ein Granatsplitter zeigte sich als Hindernis mit großem Symbolgehalt. Für sie ist die Bildhauerei „ein Instrument der Erkenntnis, eine Möglichkeit, mich mit der Bedeutung und den Tiefen des Lebens auseinanderzusetzen.“
Piepe Hawran hat, inspiriert durch die Spiele, die seine Heimatstadt Ravensburg bekannt machten, auf dem Mantel einer runden Kalksäule eine Puzzle-Struktur eingemeißelt. Sie steht für das Einbringen des Individuums in die Gemeinschaft, was aber nicht immer gelingt. Für den Sprecher der Künstler, Christian Friederichs, ist Bildhauerei das „inspirierende Zusammenfließen von Musik, Poesie, Natur und Leben in Material, Raum und Zeit“. Er formte Köpfe unterschiedlicher Nationalitäten und Ethnien aus verschiedenen Natursteinen, die er auf einer Steinplatte anbringt.
Richarda Menger hat aus Robinienholz eine Skulptur zum Thema Freiheit geschaffen. Sie arbeitete zunächst mit dem, was fest und unbeweglich wirkt. Im Fortgang entstanden Formen, die fließen, sich öffnen und die eine Bewegung andeuten. Von der Stadt geplant und dem Gemeinderat beschlossen ist, in Fortführung des Projektes, ein Strukturen-Ensemble in Form einer Säule, in der die einzelnen Kunstwerke übereinander angeordnet werden. Die Baiertaler Künstlerin Bettina Zedlitz gestaltete dazu das kreisrunde Beton-Fundament mit Figuren, die symbolhaft Erwachsene und Kinder darstellen. Sie sind lose miteinander verbunden und halten das Ganze scheinbar zusammen. Kreisrunde Öffnungen inmitten der Kunstwerke waren schon von Anfang an für eine Eisen-Betonröhre vorgesehen, die beim Gesamtwerk für die notwendige Stabilität sorgt. Als Standort für diesen „Grundpfeiler der Demokratie“ ist der Stadtwingert im Gerbersruhpark vorgesehen. Er wird Teil des „European Sculpture Path“ werden, in der Hoffnung, dass auch er zur europaweiten Auseinandersetzung mit den demokratischen Grundwerten beiträgt. (aot)



