„Schreiben ist für mich wie Atmen“

Interview mit Malscher Kinderbuchautor Niklas Böhringer

Niklas Böhringer aus Malsch schreibt seit seiner Kindheit Geschichten. Heute begeistert er Kinder mit Büchern, Lesungen und Schreibwerkstätten.
Niklas Böhringer sitzt an einem Tisch in einem Café und lacht.
Niklas Böhringer liebt das Schreiben und gibt seine Erfahrungen gerne an Kinder weiter.Foto: fri

Niklas Böhringer, 22, ist Kinder- und Jugendbuchautor aus Malsch. Neben seiner ersten Buchreihe „Der Ruf der Grizzlybären“ veröffentlicht er Hörbücher und Schreib-Kalender. Bei der Villa Federbach bietet er eine Schreibwerkstatt für Kinder und Lesungen an. In Karlsruhe studiert er an der Pädagogischen Hochschule für das Lehramt an Grundschulen.

MAZ: Herr Böhringer, wann und wo schreiben Sie? Gibt es einen Wohlfühlplatz?

Niklas Böhringer: Mein Lieblingsort ist beim Schreiben die Natur, weil in meinen Büchern sehr viel Natur vorkommt und ich einfach ein sehr großer Fan von Natur bin. Auch in meinem Zimmer habe ich sehr viele Pflanzen – meine eigene kleine Natur. Und ich finde es megaschön, bei richtig stark prasselndem Regen zu schreiben oder draußen auf der Terrasse im Sommer.

MAZ: Schreiben Sie auf Papier oder auf dem Laptop?

Böhringer: Früher habe ich komplett alles, die gesamte Grizzly-Reihe, auf Papier geschrieben. Mittlerweile, weil ich deutlich schneller schreibe, auf dem Computer direkt. Aber es muss immer zu einem Projekt passen.

Meine neue Jugendreihe ist in der aktuellen Welt angesiedelt. Da fühlt es sich eher falsch an, wenn ich ganz langsam auf Papier schreibe, weil ich in meinen Gedanken teilweise nicht hinterherkomme. Die Figuren in meinem Kopf erzählen und ich schreibe einfach mit.

Ab circa Seite 100, gerade bei größeren Projekten, übernimmt die Figur selbst. Egal, was ich mir vorher vornehme. Ich habe die Geschichte dann nicht mehr in der Hand. Also die Figur sagt mir, was ich machen muss. Und wenn ich mich weigere und in eine andere Richtung laufen will, stehe ich in einer Sackgasse.

MAZ: Lesen Sie Ihre neuen Geschichten Kindern vor der Veröffentlichung vor?

Böhringer: Ja. Mittlerweile habe ich schon einige Lesungen gemacht und das kommt sehr gut an. Anfangs war es meine jüngere Schwester: Der habe ich oft vorgelesen und immer, wenn ich etwas Neues geschrieben habe, bin ich abends rübergerannt. „Guck mal, ich habe etwas geschrieben, ich will es dir vorlesen.“ Und dann auch im ganz kleinen Freundeskreis. Aber wirklich außerhalb habe ich mir nicht getraut, das zu erzählen. Es gab einfach so eine Hemmschwelle, vielleicht auch die Angst vor Ablehnung.

MAZ: War ihre Schwester eine gute Kritikerin?

Böhringer: Sehr kritisch! Wenn ich irgendwas lustig fand, was ich vorgelesen habe, habe ich mich kaum noch eingekriegt vor Lachen. Und bei ihr war das so: „Ahaaa, und jetzt?“ Sie hat mir dann wirklich sehr geholfen.

MAZ: Sie machen auchLesungen …

Böhringer: Im befreundeten Jugendhaus in Bretten habe ich meine allererste Lesung während meines FSJ im Malscher Jugendhaus Villa Federbach machen können. Da durfte ich aus meinem zweiten Buch „Abenteuer in der Arktis“ vorlesen.

Dann hat sich das ein bisschen etabliert mit dem bundesweiten Vorlesetag, so dass ich jetzt quasi fest mit dabei bin in der Organisation, dass ich verschiedene Projekte rund ums Lesen mit begleiten und selbst durchführen darf. Die Schreibwerkstatt kam dann später dazu.

MAZ: Wie wichtig ist es, dass Kinder vorgelesen bekommen?

Böhringer: Enorm wichtig. Also gerade für Kinder, die noch nicht selbst lesen können, ist das Vorlesen für die Sprachentwicklung extrem wichtig. Und auch weiterhin. Sobald die Kinder lesen können, sagen viele Eltern „Das kann doch lesen, warum soll ich noch?“ Aber gerade dann ist es wichtig, weiter vorzulesen. Bei Kindern ist der Entwicklungsstand ja nicht abgeschlossen, bis zur siebten, achten Klasse, wenn wirklich das sichere Lesen kommt. Wenn eine Geschichte vorgelesen wird, ist das was ganz anderes, als wenn die Kinder selbst sich das erlesen müssen.

MAZ: Woher kam Ihre Idee, Kinderbücher zu schreiben?

Böhringer: Das hat sich so ein bisschen dadurch entwickelt, dass ich selbst ein Kind war, als ich angefangen habe zu schreiben. Und ich rechtfertige mir das teilweise so, wenn „brutalere“ Themen kommen, der Bär frisst zum Beispiel einen Hasen: Ist Natur, kann passieren. Als Kind fand ich das sehr lustig. Und ich würde sagen, wenn ich das als Kind selbst lustig fand, ist es auch okay für Kinder.

Von den Lesungen habe ich auch die Rückmeldung, dass gerade Szenen, bei denen viele Erwachsene sagen „Kann man so eigentlich gar nicht schreiben“, für die Kinder richtig super sind. Die denken nicht oje, da haben wir jetzt einen Mord. Wenn ein Bär einen Hasen frisst, ist es einfach: Ups, jetzt ist er weg. Lustig. Ich will solche Themen nicht ausschließen, weil es einfach dazugehört.

MAZ: Wie alt waren Sie beim ersten Kinderbuch? Oder bei der ersten Geschichte?

Böhringer: Bei der ersten Geschichte war ich circa in der vierten Klasse. Aber ich kann nicht sagen, bei meinem ersten Buch war ich so und so alt. Gerade „Der Ruf der Grizzlybären“, Band 1 – ich wusste gar nicht, dass es überhaupt mal ein Buch wird und eine Reihe hatte ich gar nicht im Sinn. Es ist Stück für Stück gewachsen.

Mehrere Bücher des Autors Niklas Böhringer liegen auf einem Tisch.
Der Malscher Autor Niklas Böhringer hat bereits mehrere Kinderbücher („Der Ruf der Grizzlybären“) veröffentlicht, eine Jugendbuchreihe ist in Vorbereitung.Foto: fri

MAZ: Wird es weitere Grizzly-Geschichten geben?

Böhringer: Aktuell nicht, aber ich habe noch den Plan, so eine ähnlich angesiedelte Geschichte zu schreiben. Die ist jetzt größtenteils schon fertig.

MAZ: Wie bringt man ein Buch auf den Markt?

Böhringer: Ich habe Verlage angeschrieben und war als kompletter Neuling sehr unerfahren. Wenn ich Glück hatte, habe ich eine Rückmeldung bekommen, aber leider Absagen. Und bei vielen Verlagen oder Agenturen ist es einfach so, man bekommt gar nichts. Es ist auch nicht gewünscht, dass man nachfragt.

Dann habe ich Selbstpublishing entdeckt. Da war ich dann am Anfang bei Amazon und habe mein allererstes Buch veröffentlicht. Allerdings schränkt Amazon stark ein. Es ist günstiger beim Druck und beim Verkauf, deswegen können die Buchpreise reduziert werden. Aber es ist für mich als Autor ein ganz großer Negativpunkt, weil ich ausschließlich bei Amazon verkaufen darf und nicht in lokale Buchhandlungen reinkommen kann. Jetzt bin ich bei Epubli. Die stellen mir die ISBN und ich kann dadurch in sämtlichen Online- und Vor-Ort-Buchhandlungen bestellt werden.

MAZ: Haben die Buchhandlungen hier vor Ort Ihre Bücher im Laden stehen?

Böhringer: Das ist ein sehr glücklicher und seltener Zufall. Im Normalfall kann man mit der ISBN oder dem Buchtitel in eine Buchhandlung gehen und bestellen. Aber ich habe zum Beispiel in Ettlingen, weil das einfach so eine Herzensstadt von mir ist, nachgefragt, ob das möglich wäre, mein Buch, ein Exemplar, mal in den Verkauf zu stellen. Und bei Thalia und bei Abraxas wurde ich zum Glück genommen.

MAZ: Was ist Ihr nächstes Projekt?

Böhringer: Ich will bald meine Jugendbuchreihe rausbringen. Ich bin jetzt gerade bei Band 3. Den will ich abschließen, bevor Band 1 „geboren“ werden darf.

MAZ: Wenn wir in Ihre Zukunft schauen: Möchten Sie künftig lieber Lehrkraft sein oder lieber Autor?

Böhringer: Also ich liebe wahnsinnig die Arbeit mit Kindern, deswegen ist bei mir Lehrkraft klar Prio 1 – auch, weil ich die Zukunftsaussichten als Autor kenne. Und weil ich meine Leidenschaft zum Schreiben immer in den Unterricht einbringen kann. Ich habe zum Beispiel jetzt schon im Praktikum einige Geschichten als Einstiege gewählt, die ich alle selbst geschrieben habe.

Als Autor muss man wirklich sehr bekannt sein, sehr großes Publikum haben, und die Reichweite habe ich (noch) nicht. Ich weiß, es gibt sehr viel Konkurrenz auf dem Markt. Also es ist ein Traum.

MAZ: Bleibt Ihnen noch Zeit für Hobbys?

Böhringer: Mein Hobby ist das Schreiben. Ich spiele auch Gitarre, aber das ist aktuell sehr weit hinten angestellt. Wenn ich nicht an meinen Büchern schreibe oder Geschichten, führe ich auch Tagebuch. Also egal wie, ich muss schreiben. Schreiben ist für mich wie Atmen.

Die Fragen stellte Martina Frietsch.

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