
Liebe Schonacherinnen und Schonacher,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
das Jahr 2025 wird als Jubiläumsjahr in die Annalen der Gemeinde Schonach eingehen. Wir durften gemeinsam auf 750 Jahre Schonach zurückblicken. Ich glaube für uns alle ist das allein schon ein Privileg, denn nur ganz wenige Menschen im Leben einer Gemeinde dürfen tatsächlich auf solch ein Jubiläumsjahr zurückblicken und können sich Teil derer nennen, die dort feierten, die mit organisiert und mit geholfen haben, dass sich Schonach in hervorragender Art und Weise positionieren konnte.
Die Eröffnung im Kurpark, das Theaterstück „Eiscreme“, das Familienfest mit DJ Ötzi an der Langenwaldschanze, das Grenzfest zwischen Schonach und Schönwald auf der Vogte, die Ausstellung „ZeitGeschichten“ im Haus des Gastes und das Kindermusical „Die magische Kuckucksuhr“ waren nur die Highlights eines überragenden Jubiläumsjahrs.
Was die Schonacherinnen und Schonacher hier mit den örtlichen Vereinen im Ehrenamt geleistet haben, war einmalig, war sensationell und einfach nur großartig. Dieses Jubiläumsjahr wird uns allen in bester Erinnerung bleiben. Dass wir dieses Jubiläumsjahr noch gemeinsam mit der Nachbargemeinde Schönwald feiern durften, war einfach nur schön.
Glücklich und dankbar waren wir alle ebenfalls, als zum 1. Februar 2025 unser altes Schulhaus in das neue Arzthaus umgewandelt werden konnte und seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Wir haben nun nach langer aber intensiver Umbauzeit mit Dr. Siepe und Dr. Schwarz zwei Allgemeinmediziner im Haus sowie eine ausgebildete Notärztin, die in Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin angestellt ist, eine Kinderärztin sowie ab dem 01.12.2025 auch Heilpädagogen im Haus. Im Jahr 2027 und 2028 starten zudem noch die Physiotherapeutin und die Logopädin, sodass wir gesundheitstechnisch auf einem Niveau sind, das wir in Schonach noch nie hatten. Im Sinne unserer Bürgerinnen und Bürger ist dies eine ganz wichtige infrastrukturelle Weiterentwicklung, die zwar lange gedauert hat, am Ende aber gut wurde.
Ebenfalls von großer Bedeutung und Wichtigkeit für die Gemeinde war die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde mit unserer neuen Partnergemeinde Plescop in der Bretagne. Sowohl in Schonach als auch in Plescop wurde diese erstmalige Partnerschaft mit einer Gemeinde gebührend gefeiert und wir alle sind sehr dankbar, dass wir gerade in Zeiten von Kriegen, von sozialem Unfrieden und vielen Problemen auf der ganzen Welt etwas Völkerverbindendes schaffen und mit der Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich, zwischen dem Schwarzwald und der Bretagne sowie zwischen Schonach und Plescop einen Meilenstein setzen konnte. Wir sind alle hoffnungsvoll und zuversichtlich, dass diese Partnerschaft auch, mit viel Leben erfüllt, wird und sich damit die deutsch-französische Freundschaft vertieft, obwohl die Sprachkenntnisse nicht überall ausreichend sind. Man habe aber hier auch gemerkt, dass Menschen mit etwas Willen immer bereit sind, Sprachbarrieren zu überwinden.
In diesem Zusammenhang haben wir uns auch sehr gefreut, dass erstmals eine größere Delegation aus der Partnergemeinde aus Oberwiesenthal bei uns war. Auch die Erzgebirgler hatten viel Freude hier im Schwarzwald, und wir konnten aus vielen Gesprächen wieder tolle Rückmeldungen erhalten.
Infrastrukturell sind wir auch wieder ein großes Stück weitergekommen. Die Erneuerung unserer Wasserleitung vom Rohrhardsberg herunter bis zum Wasserwerk Moos konnte fortgesetzt werden. Dies sichert unsere Wasserversorgung und sorgt für eine bessere Quellschüttung.
Ebenso konnten wir unsere Regenüberlaufbecken, die bei der Abwasserentsorgung von großer Wichtigkeit sind, technisch so aufrüsten, dass es nun mit einer Fernwirkanlage möglich ist, die entsprechenden Steuerungen vorzunehmen und die Abwässer gezielt zur Kläranlage zu leiten.
Dankbar bin ich auch, dass nach über einem Jahrzehnt intensiver Arbeit der Gordische Knoten in Sachen Ausbau der Turntalstraße durchschlagen werden, konnte und wir in den nächsten Jahren das restliche Stück der Turntalstraße zum Ausbau bringen können.
Die Vorbereitungen zum Umbau des Wohnmobilstellplatzes wurden ebenfalls in die Wege geleitet. Die Sanierung des WC-Häuschens am Skilift Winterberg war dazu ein erster Baustein, der dann allerdings nicht nur den Wohnmobiltouristen zur Verfügung steht, sondern auch den Nutzern am Skilift Winterberg.
Weitere ganz wichtige Weichenstellungen waren auch der Startschuss für den Bau der Sozialimmobilie anstelle der ehemaligen Strohhutfabrik Sauter durch einen externen Investor, sowie der Satzungsbeschluss für das künftige Baugebiet „Höfleberg“. Die Sozialimmobilie soll im 1. Quartal 2026 mit dem Verkauf starten. Bis dahin stehen dann auch alle Preise fest. Neben 13 barrierefreien Wohnungen ist hier auch noch eine Tagespflege für unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger vorgesehen, die eine direkte Anbindung an den Schonacher Kurpark als Mittelpunkt unseres Ortes erfährt.
Obwohl die Baunachfrage aufgrund der hohen Preise und der wieder gestiegenen Zinsen momentan nicht so groß ist, ist es für die Gemeinde von großer Bedeutung, auch die künftige bauliche Entwicklung zu steuern und hier die Vorbereitungen am Höfleberg zu treffen.
Persönlich bin ich auch sehr dankbar, dass ich in diesem Jahr auf 30 Jahre als Bürgermeister der Gemeinde Schonach im Schwarzwald zurückblicken durfte. Es waren für mich ganz besondere Jahre, meine Familie und ich wurden doch hervorragend aufgenommen und konnten wir gemeinsam- mit Gemeinderat und Verwaltung - unsere Gemeinde immer wieder Stück für Stück weiterentwickeln.
So viel in aller Kürze zu den wichtigsten Gegebenheiten des ablaufenden Jubiläumsjahrs 2025.
Ich möchte aber auch noch auf die momentane Situation auf der Welt, in der Bundesrepublik, im Land und auch in der Gemeinde eingehen. Nicht nur als Funktionsträger, sondern als Demokrat, als Bürger dieses Landes. Denn die Lage ist ernst. Das spüren wir alle.
Der Krieg in der Ukraine führt uns schmerzhaft vor Augen: Frieden in Europa ist keine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig verschieben sich globale Machtverhältnisse. Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass andere unsere Verteidigung übernehmen. Wir sind selbst gefordert. Wir alle müssen selbst Verantwortung tragen.
Zum gleichen Zeitpunkt geraten wir wirtschaftlich unter Druck. Unsere Volkswirtschaft hat an Schwung verloren. Die Arbeitslosenquote steigt. Wirtschaftliche Stärke ist aber nach wie vor das Fundament für das, was unser Gemeinwesen ausmacht: ein funktionierender Sozialstaat, ein handlungsfähiger Rechtsstaat, eine lebendige Demokratie. Diese Demokratie lebt in unserer Gemeinde. Hier wird im Schulterschluss zwischen Rathaus und Bürgern die Grundlage für das Gelingen unseres Staates gelegt.
Die Daseinsvorsorge, das gesellschaftliche Zusammenleben sind ohne handlungsfähige Kommunen nicht möglich.
Man kann die Kommunen deshalb auch als das Rückgrat eines gelingenden Staates bezeichnen. Doch ihre Handlungsfähigkeit ist momentan gefährdet. Die Kommunalfinanzen sind in einer solch dramatischen Schieflage, dass bereits die Erfüllung der Pflichtaufgaben kaum mehr möglich ist. Konkret heißt das: Die Sanierung der Sporthalle, des Hauses des Gastes oder der Schule fällt aus oder muss nach hinten verschoben werden. Gebühren und Steuern steigen, sie reichen aber auch nicht mehr aus. Infrastrukturelle Einrichtungen wie Bäder, Skilifte oder Ähnliches lassen sich in vielen Gemeinden nur noch schwer halten oder müssen schließen.
Keine dieser Maßnahmen will einer unserer Kommunalpolitiker beschließen, doch vielerorts sind sie unvermeidlich. Woher kommt das?
Der Staat lebt über seine Verhältnisse – und das seit Jahren. Wir haben ein strukturelles Problem. Die Summe an staatlichen Leistungszusagen, Standards und Versprechen hat ein Maß erreicht, das mit den verfügbaren Ressourcen nicht mehr erfüllbar ist.
Wir alle brauchen deshalb eine mutige Reform – strukturell und gesamtstaatlich. Wir brauchen eine ehrliche, gesamtstaatliche Reform. Das heißt: weniger Einzelfallgerechtigkeit und mehr Eigenverantwortung. Wir brauchen eine Aufgaben- und Standardkritik, die den Mut hat, Prioritäten zu setzen und wir brauchen die Bereitschaft, neu zu fragen: Was kann und muss der Staat leisten – und was kann er nicht mehr leisten, ohne sich selbst zu überfordern?
Wir als Gesellschaft müssen bereit sein, einer solchen Reform mitzugehen.
„Zukunft gelingt dann, wenn alle bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“.
Was brauchen wir, damit unsere Demokratie Zukunft hat?
Zuallererst brauchen wir eine neue Ehrlichkeit und nüchternen Realismus. Wir stehen vor den größten Herausforderungen seit Jahrzehnten. Dies wird uns alle etwas abverlangen, dies wird evtl. auch weh tun. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir das meistern. Gemeinsam, mit Mut und mit Willen. Mit einer Haltung, die nicht fragt, was andere tun, sondern was wir selbst beitragen können.
Diese Bereitschaft haben die Schonacher auch in diesem Jahr im Jubiläumsjahr gezeigt. Wir müssen auch standhaft bleiben, wenn es unbequem wird. Die Chance, dass wir alle auch künftig in einem lebendigen und freien Land leben dürfen, muss uns Ansporn sein. Deshalb meine Bitte: machen Sie mit. Für unsere Kinder. Für unser Land. Für unser Schonach.
In diesem Sinne, liebe Schonacherinnen und Schonacher,
wünsche ich Ihnen eine frohe und gesegnete Adventszeit, einen guten Start in das neue Jahr 2026, verbunden mit dem Wunsch nach einer stabilen Gesundheit für alle, nach Mut, nach Verantwortungsbewusstsein und einem gesellschaftlichen Miteinander, das uns in den Jahrzehnten zuvor immer so stark und einzigartig gemacht hat.
Danken möchte ich vor allem unseren Gemeinderätinnen und Gemeinderäten, unseren Vereinsvorsitzenden, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung und allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich im Ehrenamt für unsere Gemeinde engagieren. Nur mit diesem großartigen Engagement können wir in eine gute Zukunft blicken und sind quasi der Kitt der Gesellschaft.
Helfen Sie mir, seien Sie dabei, wenn es gilt, die Reformen umzusetzen, die vor uns stehen. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam in eine gute Zukunft gehen und freue mich, mit den Schonacherinnen und Schonachern solch engagierte Menschen an der Seite haben zu dürfen.
Herzlichst, Ihr
Jörg Frey
Bürgermeister