Besuche des „Dichterfürsten“ Joseph Victor von Scheffel (1826-1886)
Dr. Gustav Gilmer und Joseph Victor von Scheffel studierten beide Jura in Heidelberg und waren vermutlich in der gleichen Studentenverbindung.
Aus dieser Zeit stammt ihre Bekanntschaft.
Joseph Victor von Scheffel war im ausgehenden 19. Jahrhundert einer der meistgelesenen Autoren, er wurde gefeiert. Alle Städte, in denen er gewohnt und gewirkt hat, (Heidelberg, Singen, Säckingen) ehrten ihn mit Denkmalen. Er wurde wie Goethe und Schiller als „Dichterfürst“ bezeichnet. Postkarten und Widmungen mit Versen aus dem „Trompeter von Säckingen“ waren in Mode. Für seine Verdienste wurde er in den Adelsstand erhoben.
Sein Versroman: „Der Trompeter von Säckingen“ und sein historischer Roman: „Ekkehard“, der das Leben des Übersetzers des Waltharilieds im 10. Jahrhundert thematisiert und die Schauplätze Hohentwiel, St. Gallen und das Wildkirchli im Säntisgebiet als Schauplätze hat, waren in jedem Bücherschrank des Bildungsbürgertums seiner Zeit zu finden.
Seine Romane sind fast schon in der Versenkung verschwunden, aber manches ist noch gegenwärtig.
Sein Gedicht:
Altheidelberg du feine
Du Stadt an Ehren reich.
Am Neckar und am Rheine
Kein andre kommt Dir gleich... oder
Das „Frankenlied“ vertont von: Valentin Becker 1861
Wohlauf, die Luft weht frisch und rein
wer lange sitzt, muss rosten.
Den allerschönsten Sonnenschein
lässt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
der fahrenden Scholaren.
Ich will zur schönen Sommerszeit
ins Land der Franken fahren…..
Joseph Victor von Scheffel weilte mehrere Male in Talheim im Neuen Schloss. Er liebte bei seinen Spaziergängen besonders den Blick vom oberen Rand des Schlossparks, der nach ihm den Namen „Scheffellinde“
bekam. Da die Linde leider abgesägt wurde, heißt der Platz heute „Scheffelhöhe“. Heute steht dort eine Bank, die vom Schwäbischen Albverein Talheim gestiftet wurde. Auch heute noch ist der Blick auf Stromberg, Zabergäu und Heuchelberg wunderschön und lädt zu einem Spaziergang am westlichen Hang des Haigern ein.
Joseph Victor von Scheffel bedankte sich bei seinen Gastgebern mit Einträgen ins Gästebuch des Schlosses, z.Bsp.1885 anlässlich der Hochzeit von Elise Gilmer mit dem Marineingenieur Roderich Schroedter, bei der er mit seinem Sohn Victor zugegen war.
„Es kam ein alter Meister
Mit seinem langen Sohn
Pfingstfroh hierher gefahren,
Der Hauptstadt Staub entflohn.
Die Pracht lichtgrüner Felder,
Die wohldurchblümten Au´n,
Die Stille hoher Wälder,
Die Güte edler Frau´n.
Der Enkel frisch Gedeihen,
Des Brautpaars junges Glück,
Rief ihm ein mild Erinnern
Entschwundner Zeit zurück.
Wo solche Geister walten,
Da tönt von Dank der Reim,
Da schwebt der Friede Gottes
Ob Berg und Tal und Heim.“
H.G.


