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Dies und das

Jeder vierte Diabetiker leidet an schweren Wunden an den Füßen

Diabetologen und im Wundmanagement speziell geschulte Pflegekräfte dürfen nicht zart besaitet sein. Das wurde beim Vortrag von Dr. Michael Bösch im...

Diabetologen und im Wundmanagement speziell geschulte Pflegekräfte dürfen nicht zart besaitet sein. Das wurde beim Vortrag von Dr. Michael Bösch im Zuge der Reihe „Ärzte im Dialog“ deutlich, denn der ärztliche Leiter des Diabeteszentrums am Klinikum Landkreis Tuttlingen (KLT) unterstrich seine Ausführungen mit Bildern aus der klinischen Praxis. Hierauf waren teilweise schwere chronische Wunden an Diabetikerfüßen zu sehen. Auf deren Behandlung ist man in der Fußambulanz des Klinikums spezialisiert.

Folgerichtig lautete der Titel des Vortrags „Kleine Wunde, große Wirkung“ – denn aus kleinen Rissen können sich bei Zuckerpatienten schnell gravierende Verletzungen entwickeln, die den Betroffenen in der Folge schwer zu schaffen machen. Das Diabetische Fußsyndrom, so Dr. Bösch, ist eine der häufigsten und folgenschwersten Komplikationen bei Diabetes mellitus und bildet sich häufig im Zuge von Nervenschäden, wodurch der Patient Verletzungen oft nicht spürt und erst spät bemerkt. Diabetische Nervenschäden, Ärzte sprechen von „Neuropathie“ entstehen durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte.

Im Zuge dieser Neuropathien ist die Schweißbildung stark reduziert. Die Füße werden extrem trocken, und es entstehen besonders an den Fersen Einrisse, die eine willkommene Eintrittspforte für Bakterien darstellen. Sind erst einmal Verletzungen entstanden, können sich Entzündungen entwickeln, die bei schlechter Stoffwechseleinstellung schlecht heilen. Der diabetische Fuß entsteht. Rund eine Million Menschen in Deutschland plagen sich damit herum. Statistisch gesehen ist damit jeder vierte Diabetes-Patient betroffen.

Selber an einer chronifizierten Wunde herumdoktern bringt nichts; das wurde schnell klar, als Diabetologe Bösch aus dem Nähkästchen plauderte. Zunächst ist ein professionelles Wundmanagement erforderlich, und wenn dieses erfolgreich war, am besten spezielles druckentlastendes Schuhwerk vom Orthopädieschuhmacher. Das kostet ein paar hundert Euro, wird aber in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Diabetikerschuhe zu verordnen mache allerdings erst dann Sinn, so Dr. Bösch, wenn die behandelte Wunde abgeheilt ist. Bis es so weit ist, gehen oft Wochen ins Land.

Dennoch kommen die Spezialistinnen und Spezialisten der Fußambulanz auch mit den schwersten, häufig infizierten Wunden zurecht und können so bei ihren Patientinnen und Patienten Amputationen verhindern. Dabei setzen sie raffinierte Hilfsmittel ein, beispielsweise ein elektrostatisch aufgeladenes Netzgewebe, das Bakterien aus der Wunde zieht. Oder eine auf Algen basierende Spezialwatte, die als effizienter Wundfüller dient. Für Patientinnen und Patienten, die Wunden an der Fußsohle haben, fertigen die speziell geschulten Pflegekräfte individuelle Filzpolster an, die den Fuß schützen und eine Druckentlastung gewährleisten – das ist die Voraussetzung dafür, dass der Heilungsprozess auch gelingt. Ein Wundabstrich und dessen bakteriologischer Analyse garantiert überdies, dass der Arzt die Wiederherstellung mit dem richtigen Antibiotikum gezielt unterstützen kann.

Erscheinung
`s Blättle – Amtsblatt der Gemeinde Hausen ob Verena
NUSSBAUM+
Ausgabe 22/2026
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