
Nahezu jede Gemeinde der Region und auch darüber hinaus lädt am Jahresbeginn zu einem Neujahrsempfang ein. So ist es seit jeher auch bei der Stadt Mosbach, wobei Oberbürgermeister Julian Stipp schon seit seiner Amtsübernahme Mitte 2022 das Format umgebaut hat. Für 2026 wurde nun sogar die Überschrift auf „Jubiläumsempfang“ geändert, wo doch die Kernstadt 1.200 Jahre ihrer urkundlichen Ersterwähnung feiert und sich die Ernennung zur Großen Kreisstadt zum 50. Mal jährt.
Anders als früher, wo üblicherweise an einem Sonntagvormittag in die Alte Mälzerei eingeladen wurde, kam man am selben Ort diesmal (10.01.) um 19 Uhr samstagabends zusammen. Die Übergabe der Neujahrsbrezel wurde zuvor schon in das Rahmenprogramm einer anderen Veranstaltung ausgelagert.
Selbst die klassische Neujahrsrede, die andernorts von den Gemeindeoberhäuptern meist mit der prunkvollen Ratskette um den Hals am Rednerpult gehalten wird, ersetzte Stipp durch eine Art mediale Bühnenshow. Den Streifzug durch die kommunale Politik des Vorjahres samt Ausblick auf das Bevorstehende teilte er sich mit Bürgermeister Patrick Rickenbrot. Vor den zahlreichen Gästen im nahezu voll besetzten großen Saal resümierte Stipp, dass man trotz aller finanziellen Engpässe „einiges geschafft“ habe und nannte exemplarisch die Erneuerung des Wasserspielplatzes am Elzpark. Als Schwerpunkte für das neue Jahr führte Stipp u.a. die Wohnraumschaffung, Klimaschutz sowie gute Bedingungen für Unternehmen an.
Rickenbrot ging auf einige der aktuellen Projekte ein, wozu etwa Umgestaltungen in der Altstadt sowie Veränderungen bei der Schullandschaft gehörten. In den Fokus stellte er Planungen im Bereich des Schulzentrums am Katzenhorn, ohne näher ins Detail zu gehen.
Selbstredend durften stimmungsvolle Rhythmen und Verse nicht fehlen. Passend zur beginnenden Hochphase der Fastnacht waren es die heimischen „Kandelschiffer“ in ihrer Matrosenkleidung, die Gesang mit Humor und heimischem Kolorit zu verbinden wussten. Sogar eine neue Strophe des „Badner Liedes“ kam zu Gehör und durfte stehend mitgesungen werden.
Mit dem „1. Mosbacher Kneipenchor“ kam ein noch relativ neues Chorprojekt auf die Bühne. Die zahlreichen Sängerinnen und Sänger quer durch die Altersklassen intonierten modernes Liedgut wie etwa „Major Tom“, die Torhymne der Deutschen Fußballnationalmannschaft.
„Richten Sie sich mal auf ungefähr eineinhalb Stunden ein“, schickte der Leiter des Stadtmuseums, Stefan Müller, seinem Vortrag voraus. Es sollte freilich nur eine spaßige Vorankündigung sein, auf die er mit „Angstschweiß“ beim Publikum gerechnet habe. Wenig später wurde aber klar: Es wurde ein „wilder Ritt“ durch die Epochen, der sich keineswegs langatmig, sondern kurzweilig und amüsant mit allerlei Anekdoten gestaltete.
Die lautstarken und lang anhaltenden Ovationen bestätigten am Ende, dass Müller die Akzente bestens gesetzt hatte. Vom 12. Jahrhundert ausgehend hatte der Historiker die Stadtgeschichte bis in die Gegenwart nachgezeichnet, wobei er sie immer wieder auf Mönche zurückführte, die bei der Entstehung, aber auch an späteren Wegmarken, bedeutende Rolle spielten.
Zum Programmablauf gehörten ebenso die Einspielung einiger kurzer Filmsequenzen. Zu sehen gab es Videobotschaften des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann sowie der Bundesministerin Nina Warken, die der Stadt zum Jubiläumsjahr ihre Glückwünsche aussprachen. Ebenfalls als Video gezeigt wurden die Grußworte von Landesminister Peter Hauk und Landrat Dr. Achim Brötel, die aber auch persönlich im Saal waren.
Und schließlich fasste ein Clip zusammen, wie Kinder auf amüsante Weise den ehemaligen Oberbürgermeister Gerhard Lauth sowie die früheren Beigeordneten Bürgermeister Wolfgang Obermeier und Michael Keilbach interviewten. Die eine oder andere Episode aus der jüngeren Vergangenheit kam dabei in Erinnerung – wie etwa der Titel der „wildesten Stadt im wilden Süden“ oder das DFB-Pokalspiel der SpVgg Neckarelz gegen den FC Bayern München.
Im Anschluss an das unterhaltsame Abendprogramm leitete OB Stipp zum geselligen Beisammensein über. Bei einem Buffet wurde der Auftakt zum Jubiläumsjahr noch bis in den späten Abend hinein weiter gefeiert. Das passende Motto hatte der Rathauschef selbst schon zu Beginn des Abends ausgegeben: „Es kann nur funktionieren, wenn die Bürgerschaft mitmacht!“ (frh)



