
Eva Unterburg zeigt einen Mostkrug, „für Apfelmost“, ruft sofort eine Frau. „Ja, genau“, antwortet sie, „und was hat man früher noch aus Äpfeln gemacht?“ Eva Unterburg ist zu Gast in einem Seniorenheim im Karlsruher Stadtteil Grünwettersbach und präsentiert das „Museum im Koffer“.
In dem befinden sich allerlei Alltagsgegenstände aus einer anderen Zeit. Es ist die Zeit, an die sich alte Menschen oft noch gut erinnern können.
So kommen auch gleich die Antworten: „Apfelbrei“, Apfelsaft“, Apfelkompott“, Apfelstrudel“, „Apfel-Streusel“… „Ja“, greift Eva Unterburg das auf, „und womit hat man den Apfelkuchen oft gegessen?“ Natürlich mit Sahne, wissen die Bewohner*innen. Sie kennen auch das mechanische Handrührgerät, das Eva Unterburg nun aus dem alten Koffer zaubert. Auch daran, wie die Kurbel gedreht wurde, erinnern sich ihre Zuhörer*innen.
„Oder mit Vanillesoße“, sagt eine weitere Frau, worauf eine nächste kontert: „Wir hatten damals keine Vanillesoße.“ Und schon ist wieder ein Stückchen früheres Leben im Raum, auch wenn es die Erinnerung an einen Mangel und eine entbehrungsreiche Zeit ist.
Die Botschaft und die Absicht von Eva Unterburg und ihrer Kollegin Susanna Krauthauser, mit der sie meist gemeinsam diese Veranstaltungen durchführt, ist, Erinnerungen zu wecken. Die beiden Kulturvermittler*innen haben fünf Themenkoffer zusammengestellt, mit denen sie unterwegs sind: "Große Wäsche", "Küchengeheimnisse", "Mode und Lifestyle", "Kindheit und Schule" und "Landwirtschaft und Garten".
Denn nicht alle Menschen können selbstständig ein Museum besuchen. Insbesondere wer in einer Pflegeeinrichtung wohnt und dement, seh- oder mobilitätseingeschränkt ist, ist auf Veranstaltungen im Heim angewiesen.
Im Heim in Grünwettersbach lädt Eva Unterburg ein, sich an Küchengeheimnisse zu erinnern. Vom Apfel leitet sie über zum Einwecken, indem sie ein Weck-Glas zeigt. Auch Sauerkraut sei früher eingeschlagen worden, ruft eine Frau. „Die Witwe Bolte“, fügt eine hinzu und verweist damit auf die Max- und-Moritz-Geschichte von Wilhelm Busch.
„Wir hatten sogar einen Räucherschrank im Keller“, fällt nun einer anderen Bewohnerin ein. Die Erfahrung, dass Menschen, die oft unbeteiligt wirken, durch einen Gegenstand zumindest für einen kurzen Moment aktiviert werden können, hat Eva Unterburg schon oft gemacht. Wenn das Gespräch ins Stocken kommt, erzählt sie selbst. „Ich habe früher beim Bauern Milch geholt“, sagt sie und zeigt eine Milchkanne, „und darin haben wir auch Heidelbeeren und Brombeeren gesammelt.“ Sie lädt auch zum Mitsingen ein und stimmt den alten Schlager „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann“, an. Viele Bewohner*innen kennen ihn und stimmen mit ein.
Doch die Sache mit der Milch ist noch nicht erledigt. „Wir haben einen Stein in den Milchtopf gelegt“, fällt einer weiteren Bewohnerin ein, „und wenn der geklappert hat, haben wir die Milch vom Feuer genommen.“. Auch Milchkännchen, Puddingform, Fleischwolf, abgewetzte und geflickte Geschirrhandtücher, Spätzleschwab, Emailleschüssel, Teigrädchen und vieles mehr tragen dazu bei, dass sich die Besuchten freuen.